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Stehlen und ausschlachten

Lukrativer Ersatzteilhandel: Autodiebe zerlegen Fahrzeuge

Gestohlene Autos werden immer öfter ausgeschlachtet. Kriminelle bieten die Teile dann im Internet an. Das soll lukrativer sein, als komplette Autos zu verkaufen. Doch die Polizei ist den Hehlern auf der Spur.

08.10.2015
  • ANDRÉ JAHNKE, DPA

Passau Der Polizist Jürgen Zöls surft gern während der Dienstzeit im Internet - er schaut sich Motoren, Getriebe, Navis und anderes Autozubehör an. Der 47-Jährige ist Autoexperte, kennt die gängigen Preise für gebrauchte Kfz-Teile. Zöls sucht aber keine Ersatzteile für sein Auto. Der Passauer ist Internetfahnder, der nach Hehlerware aus Autodiebstählen sucht. "Autos werden in Deutschland nach wie vor gestohlen. Sie werden aber immer öfter ausgeschlachtet und die Einzelteile bei Auktionsbörsen angeboten."

Laut Bundeskriminalamt (BKA) sind 2014 mehr als 18 500 gestohlene Autos dauerhaft verschwunden. Auffällig ist, dass die Diebe zu 70 Prozent deutsche Marken wählen. Das BKA vermutet, dass sie über eine große Logistik und hohe Professionalisierung verfügen. Den Versicherungen entsteht durch die Diebstähle jährlich ein Schaden von mehr als 260 Millionen Euro.

Zöls schätzt, dass die Hälfte der gestohlenen Autos nicht mehr auftaucht, oder wenn, dann in Einzelteilen. Das Ausschlachten lohnt sich für die Gauner: "Wird das Diebesgut zerlegt und einzeln verkauft, bringt das Fahrzeug das Zwei- bis Dreifache an Erlös." Etwa 1300 gestohlene Autos hat er seit 2009 gefunden, obwohl er als Fahndungsgruppenleiter nur fünf Prozent seiner Arbeitszeit mit Internetrecherche verbringt. "Dabei habe ich schon einmal nach einer Stunde intensiver Suche im Internet fünf gestohlene Autos entdeckt."

Der größte Fisch war ein Händler aus Österreich, der hunderte gestohlene Motoren mit einem Gesamtschaden von zehn Millionen Euro verkauft hatte. Er floh auf die Philippinen, wurde dort aber gefasst.

Alles, was an einem Auto kaputtgehen kann, ist auf dem Markt. "Selbst komplette Lederausstattungen werden angeboten. Und je günstiger das Ersatzteil ist, desto eher besteht die Gefahr, dass es gestohlen wurde", sagt Zöls. Er tippt bei Ebay "BMW e90" in die Suchmaske - und erhält 15 900 Treffer. Trotzdem erkennt der 47-Jährige schnell die schwarzen Schafe.

"Ich suche nach Fahrzeugteilen, die begehrt sind, und schaue mir die Händler genau an. Aufgrund meiner Erfahrung kann ich schnell erkennen, wenn ein Teil von einem gestohlenen Fahrzeug stammt." Genauer darf er seine Arbeitsweise und die Hinweise auf Diebesgut aus ermittlungstaktischen Gründen nicht erläutern. "Diebe lesen auch Zeitung und suchen nach immer neuen Tricks." Irgendwann mache aber jeder Händler mal einen Fehler, ist Zöls überzeugt. "Wenn ein privater Verkäufer zehn Motoren ins Netz stellt, schrillen natürlich die Alarmglocken."

Und wenn die Individualnummer des angebotenen Ersatzteils weggekratzt ist, sowieso. "Es gibt aber für mich noch andere Wege, Rückschlüsse auf das Originalauto zu ziehen." Hat er einen Verdacht, informiert er die örtliche Polizei.

Als Fahnder hat Zöls zudem direkten Zugriff auf die Verkäuferdaten bei Ebay. Und braucht er weitere Unterstützung, hilft das Auktionshaus. "Jeder Versuch, einen gestohlenen Gegenstand bei Ebay zu verkaufen, schadet unserem Marktplatz und allen ehrlichen Käufern und Verkäufern", sagt ein Firmensprecher.

Bestehe Hehlerei-Verdacht, werde Käufern empfohlen, die Polizei zu informieren. "Ebay arbeitet in solchen Fällen eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. Für Ermittlungsverfahren können die Behörden sehr einfach und datenschutzkonform alle notwendigen Informationen bei uns abfragen."

Auch die Käufer gestohlener Ware machen sich strafbar, betont Zöls. "Ich kontaktiere auch mal einen Käufer und setze auf seine Mitarbeit." Bei den meisten Zahlungsarten im Internet habe der Käufer ohnehin ein halbes Jahr Rückgaberecht. "Wenn die Polizei dann anfragt, spielen die Käufer meist mit. Sonst droht ihnen auch der Verlust des Geldes und der Ware."

Lukrativer Ersatzteilhandel: Autodiebe zerlegen Fahrzeuge
Diebesgut: Polizist Jürgen Zölts mit einem sichergestellten Navi. Foto: dpa

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08.10.2015, 12:00 Uhr
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