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Die praktischere Beziehung

Luise Pusch und Joey Horsley erforschen die Geschichte(n) der Frauenliebe

Von der feministischen Linguistik zur Frauenliebe: Im ehemaligen Kino Löwen sprach Luise F. Pusch mit ihrerLebens- und Forschungspartnerin Joey Horsley über ihr gemeinsames Buch „Frauengeschichten“ und mehr.

13.11.2010
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Luise F. Pusch möchte Frauen „sichtbar machen“ – in der Sprache, in den Medien, in der Liebe. „Frauen sind nicht nur in der Sprache unsichtbar, sondern in allen anderen symbolischen Systemen auch“, sagte die 66-jährige Sprachwissenschaftlerin am Donnerstagabend vor 50 Interessierten. Der Abend gehörte zur Veranstaltungsreihe „Homosexualität heute – (k)ein Problem?“ der Volkshochschule Tübingen. Miteingeladen hatte der Frauenbuchladen Thalestris.

Sex ohne Penis und Bostoner Ehen

Wie wacklig die gesellschaftliche Anerkennung lesbischer Beziehungen nach dem Aufbruch der 70er Jahre immer noch ist, zeigt für Pusch das Beispiel der TV-Moderatorin Anne Will und ihrer Partnerin Miriam Meckel. „Erst nach dem Kraftakt des Coming-Out darf das lesbische Privatleben sich an die frische Luft wagen“, zitierte Pusch aus einer ihrer Glossen zum lesbischen Alltag. „Öffentlich zugelassen ist nur das heterosexuelle Privatleben“, wie es (Promi-)Männer vorführen, die sich bei offiziellen Anlässen selbstverständlich mit Ehefrau präsentieren.

Pusch ist als feministische Linguistin bekannt geworden. Seit 1988 findet sie immer neue „Berühmte Frauen“ für den gleichnamigen Kalender. Seit 25 Jahren ist sie mit Joey Horsley liiert, einer Professorenkollegin aus Boston, die an der University of Massachusetts Germanistik und Women’s Studies lehrte.

„Nicht nur Männer haben Frauenbeziehungen“, umriss Horsley das gemeinsame Forschungsinteresse. Wie im Vorgängerbuch „Berühmte Frauenpaare“, porträtieren Pusch und Horsley nun weitere „Frauengeschichten“, Beziehungen aus dem Zeitraum vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Solche Neigungen waren „nicht nur emotional befriedigend, sondern auch praktisch“, so Horsley. Die Frauen fühlten sich „gestärkt durch eine liebende Partnerin, statt sich um Ehemann und Kinder kümmern zu müssen“ .

Nicht immer fügten sich die (Zeit-)Umstände derart günstig. Catharina Linck wurde 1721 in Halberstadt enthauptet, nachdem sie zuvor mehrere Jahre eine Ehe mit ihrer Liebsten geführt hatte – bis die Schwiegermutter Verdacht schöpfte. „Catharina Linck war die letzte Frau, die wegen ihrer sexuellen Orientierung sterben musste“, sagte Horsley.

Im 18. und 19. Jahrhundert habe sich dann die Auffassung „ohne Penis kein Sex“ verbreitet. Daraus sei gefolgert worden, „dass die bürgerliche Frau kein Begehren hat“ und Liebesbeziehungen zwischen Frauen deshalb gar nicht möglich seien. Solche Vorstellungen verschafften den Frauen „einen gewissen Freiraum“, sagte Horsley, die vor mehr als 40 Jahren als Harvard-Studentin zum ersten Mal nach Tübingen kam – „damals frisch verheiratet“, mit ihrem Gatten.

„Die romantische Freundschaft“ zwischen Frauen wurde „als eine aus einem breiten Spektrum möglicher Beziehungsformen angesehen“. Weil es „meist äußerst schwierig“ gewesen sei, „als verheiratete Frau Karriere-Interessen ernsthaft nachzugehen“, empfahl sich vor allem für finanziell unabhängige Amerikanerinnen des Großbürgertums „das Leben mit einer gleichgesinnten Gefährtin“. An der Ostküste seien solche Arrangements zeitweilig so verbreitet gewesen, dass sich für sie die Bezeichnung „Bostoner Ehen“ eingebürgert habe, berichtete Horsley.

Doch die immer stärkere Frauenbewegung, damals auf den Kampf um das Wahlrecht für Frauen konzentriert, habe das Patriarchat verunsichert. Lesbische Frauen wurden als „unweiblich“, als „krankhaft“ oder als „pervertiertes Mannweib“ bezeichnet, „um sie von traditioneller lebenden Frauen abzuspalten“. Die damalige Sexualwissenschaft habe mit den Begriffen Heterosexualität und Homosexualität „normale“ und „abweichende“ Beziehungsformen definiert.

Luise Pusch und Joey Horsley erforschen die Geschichte(n) der Frauenliebe
Gemeinsam forschen, schreiben und leben: Joey Horsley (links) und Luise Pusch im Tübinger „Löwen“.Bild:Faden

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13.11.2010, 12:00 Uhr
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