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Architektur

Luftschlösser aus Beton

Die geplatzte Eröffnung des Berliner Stadtschlosses ist nur ein Beispiel für Pannen bei deutschen Kulturbauten.

17.06.2019

Von dpa

Berlin. Das Projekt wuchs Richard Wagner über den Kopf. Zwischen Grundsteinlegung und Eröffnung seines Festspielhauses in Bayreuth litt der Komponist vier Jahre. Das Geld ging aus, Gönner sprangen ab. 1878 konnte er es einweihen. Kostenexplosionen, Fehlplanungen – Kulturbauten in Deutschland hatten es selten leicht. Von der Elbphilharmonie bis zum Berliner Stadtschloss: Im besten Fall muss nachjustiert werden, im schlimmsten gibt es Verzögerungen und Skandale.

Die jetzt verschobene Eröffnung des Humboldt Forums in Berlin ist vergleichsweise glimpflich. Die für 600 Millionen Euro errichtete Schlosskopie ist im Kostenrahmen und wenn alles gut geht, können die Probleme bei Klimaanlage und Brandschutz relativ schnell behoben werden. Der Architekt Stephan Braunfels etwa findet Parallelen zum Hauptstadtflughafen BER überzogen. „Im Vergleich zu anderen öffentlichen Bauten läuft es beim Humboldt Forum erstaunlich gut“, sagt Braunfels, der die Münchner Pinakothek der Moderne entwarf. Dass es oft an der Haustechnik hapert, sei kein Zufall. Gewerke würden vielfach ohne abgeschlossene Gesamtplanung vergeben. Weil die öffentliche Hand ihre Aufträge an den günstigsten Anbieter vergeben müsse, leide die Qualität. „Katastrophen“ wie bei der Kölner Oper seien die Folge.

Überzogene Wünsche

In Köln werden seit 2012 Oper und Schauspielhaus saniert. Die Wiedereröffnung war für November 2015 vorgesehen. Weniger als vier Monate vorher wurde sie abgesagt. Aus Gesamtkosten von 250 Millionen Euro sind bisher 460 Millionen Euro geworden. Als Paradebeispiel für ausufernde Kosten dürfte der Bau der Hamburger Elbphilharmonie gelten. Die anfangs mit 77 Millionen Euro geschätzten Kosten stiegen auf knapp 900 Millionen Euro. Die zu niedrigen Berechnungen haben viel mit Politik zu tun, wie etwa bei der Berliner Staatsoper deutlich wurde. Statt 239 Millionen Euro kostete der Umbau mehr als 400 Millionen. Ein Untersuchungsausschuss versuchte, Licht ins Dunkel zu bringen.

Pleiten, Pech und Pannen vermengten sich mit überzogenen Wünschen: Für teures Geld musste eine unterirdische Verbindung gebuddelt werden. Die Saaldecke wurde fünf Meter gehoben. Die Kosten wurden kleingerechnet, um das Projekt durch die Instanzen zu bringen, und schrittweise erhöht. Die Staatsoper glänzt nun seit zwei fast Jahren, die Bühnentechnik ist vom Feinsten. Daniel Barenboims Haus blieb Wagners Schicksal erspart. Der musste sich von Ludwig II. einen Kredit erbetteln, um das Theater zu vollenden. Das Geld zahlte die Familie bis 1906 zurück.

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Erstellt:
17. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 06:00 Uhr

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