Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Statt Rot und Gelb nur Grün

Luftreinhalteplan sieht weitere Fahrverbote vor

Stickstoffdioxide und Feinstaub: Auch in Reutlingen sind die Werte zu hoch. Abhilfe verspricht man sich seit 2005 von einem Luftreinhalteplan. Einmal wurde er schon angepasst. Doch weil das nicht reicht, arbeitet das Regierungspräsidium Tübingen an einer weiteren Fassung.

13.10.2011

Von Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. Nach den aktuellen Immissionsmessungen an der Lederstraße ist die Fortschreibung des Luftreinhalteplans unvermeidlich, andernfalls mit Sanktionen durch die Europäische Union zu rechnen wäre. Nach wie vor werden die Grenzwerte überschritten – im Jahr 2010 erstmalig neben Tagesmittelwerten für Feinstaub auch der zulässige Jahresmittelwert. Bundesweit ist dies nur noch an der Messstelle am Stuttgarter Neckartor der Fall. Eingehalten werden die EU-Vorgaben indes bei der zweiten Messstation an der Pomologie.

Was es mit der zweiten Fortschreibung des Luftreinhalteplans auf sich hat, war am Dienstag Gegenstand einer Mitteilungsvorlage im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss. Den Entwurf stellte Andreas Grangler vom Regierungspräsidium und Horst Nagel vom Ingenieurbüro Lohmeyer vor.

„Jede Maßnahme, um Emissionen zu senken, schränkt irgendjemanden ein“, erläuterte Nagel das Problem für die Planer, die deshalb nach Möglichkeiten suchen, die Restriktionen gleichmäßig zu verteilen. Offenbar sind dem aber Grenzen gesetzt. Nagel: Wir sind nahezu am Ende mit den Möglichkeiten, die zur Auswahl stehen.“ Deren vier finden sich im Entwurf der zweiten Fortschreibung. Rechtsverbindlich werden sie nach einer entsprechenden Erklärung des Regierungspräsidiums.

Vier Schritte sollen Emissionen verringern

Ganzjähriges Fahrverbot für Kraftfahrzeuge ohne grüne Plakette in den bestehenden Umweltzonen vom 1. Januar 2013 an.

Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans schwerpunktmäßig mit dem Ziel, die Luftqualität zu verbessern.

Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung. Von ihr erwarten sich die Planer eine Reduzierung des Parksuchverkehrs und in der Folge weniger Lärm- und Abgasbelastung.

Öffentlichkeitsarbeit zum Thema „Umweltschonendes Heizen mit Holz“, was zu einer deutlichen Verringerung von Schadstoffemissionen führen kann.

Schon jetzt gehen die Planer davon aus, dass sich die Luftqualität zwar verbessert. Doch um die Grenzwerte zu unterschreiten, bedarf es weiterer Regelungen. Im Gespräch sind Lkw-Durchfahrtsverbote, die Ausdehnung der Umweltzone auf weitere Stadtgebiete – und auf Bundesstraßen. Zudenken sei auch an die beschleunigte Nachrüstung der Linienbusse und die Verbesserung der Baustellenlogistik mittels Staubminderungsplänen.

In der folgenden Diskussion mussten sich die Räte von einigen lieb gewonnenen Vorstellung verabschieden. So Gabriele Janz (Grüne) von der Hoffnung, dass Tempo-30-Zonen einen deutlichen Effekt auf die Schadstoffminderung haben. Nagel: „Es gibt Abschnitte, bei denen mehr Emissionen gemessen werden als bei Tempo 50.“

Computer berechnen die Ampelsteuerung

Auch die Regionalstadtbahn sei für sich genommen kein Allheilmittel, erfuhr Thomas Ziegler (Die Linke) auf seine Anfrage. Das wäre nur dann der Fall, wenn sich damit die Anzahl der Pkw-Fahrten tatsächlich verringern und dadurch der Verkehrsfluss insgesamt beschleunigen ließe.

Und der Scheibengipfeltunnel?, wollte Jürgen Straub (WiR) wissen. Nach der Inbetriebnahme im Jahr 2017 geht das Ingenieurbüro Lohmeyer von einer erheblichen Minderung der Immissionen an der Messstelle Lederstraße aus: von 10 bis 20 Prozent weniger Feinstaub sowie zwischen 20 und 45 Prozent weniger Stickstoffdioxiden. „Darin wird die maßgebliche lufthygienische Bedeutung dieser Straßenbaumaßnahme für die Reutlinger Innenstadt deutlich“, heißt es im Luftreinhalteplan.

Eine deutliche Verringerung der Luftschadstoffbelastung zeichnet sich mit der eingeleiteten „netzadaptiven Steuerung“ des Verkehrs ab. Schon nach Einführung der ersten Stufe „haben sich die Staulängen um die Hälfte verkürzt und die Verkehrsabläufe verbessert“. Auf Antrag der SPD-Fraktion berichtete der städtische Verkehrsplaner Hans-Joachim Sackmann vom Stand des Projekts: Auf der Basis einer computergestützten Darstellung der aktuellen Verkehrslage werde die optimale Ampelsteuerung berechnet, um den Verkehr flüssiger zu machen.

Was seit Mai zwischen Seestraße, Konrad-Adenauer-Straße, Tübinger Tor und Wandelknoten im „Normalbetrieb“ erfolgt, soll bis Mitte 2013 auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet werden.

Info: Der Luftreinhalteplan des

Regierungspräsidiums Tübingen kann unter www.rp-tuebingen.de, Rubrik Luftreinhaltepläne eingesehen werden. Die Schadstofftabellen finden sich unter http://mnz.lubw.baden-wuerttemberg.de/messwerte/aktuell/regD9NO2.htm.

Seit 2005 liegt der Grenzwert für Feinstaub bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel. Er darf 35-mal überschritten werden. Für das Jahresmittel gelten 40 Mikrogramm. 40 Mikrogramm im Jahresmittel gelten auch für Stickstoffdioxide sowie 200 Mikrogramm im Stundenmittel bei 18 zulässigen Überschreitungen im Kalenderjahr. In der Reutlinger Lederstraße lag die Feinstaubbelastung 2010 82-mal über dem Grenzwert und in diesem Jahr bis zum 13. September 54-mal. Bei den Stickstoffdioxiden wurde der Grenzwert bis zum 12. Oktober bereits 43-mal überschritten.

Zum Artikel

Erstellt:
13. Oktober 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Oktober 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2011, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+