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Leichte Flugzeuge im Trend

Luftfahrtmesse: Branche nutzt vermehrt Elektroantriebe

Ein Flugzeug mit Elektromotor, ein Leichtflieger für Ältere, ein Hubschrauber für 30 Euro und einer für 2 Millionen Euro: Flieger-Fans bekommen bei der Luftfahrtmesse Aero vieles zu sehen. Leicht ist Trend.

14.04.2011

Von THOMAS VEITINGER

Friedrichshafen Hubschrauber-Fans mit 2 Mio. EUR auf dem Konto können gleich Eurocopter ansteuern. Am Stand der EADS-Tochter lässt sich der "AS 350" besichtigen, der bis zu 254 Stundenkilometer schnell fliegt und 1,5 Tonnen Last trägt. Privatpersonen vor allem in Russland und Osteuropa sollen damit viel Spaß haben, versichert ein Standmitarbeiter.

Einige Nummern kleiner ist der "Xenon R" von Celier Aviation. Der kleine Hubschrauber ist zwar nur 170 Stundenkilometer schnell und kann nur 200 Kilo tragen, kostet dafür aber auch nur 49 990 EUR.

Kleiner und leichter ist der wichtigste Trend der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen, bei der noch bis Samstag 630 Aussteller aus 29 Nationen Sport- und Leichtflugzeuge, Helikopter, Business-Jets, Segelflugzeuge und jede Menge Zubehör zeigen. Das Elektroflugzeug "Elektra One" von PC-Aero etwa soll mehr als drei Stunden in der Luft bleiben. Von den 120 Kilo Gesamtgewicht des Einsitzers entfallen 100 Kilo auf die Batterie und nur 4 Kilo auf den Motor, erklärt Pressesprecherin Birgit Weißenbach. "Wir verkaufen das Flugzeug zusammen mit dem Solarzellen-Hangar für etwa 100 000 EUR" - CO2-Neutralität ist das Ziel. 400 Kilometer und mehr als 3 Stunden soll sich das Elektroflugzeug in der Luft halten.

Ein anderes Konzept stellt das slowenische Unternehmen Pipistrel vor: Der zweisitzige Motorsegler Taurus E hat ein Klapptriebwerk mit ausfahrbarem Elektromotor.

Auch normale Propellermaschinen mit zwei und vier Sitzen dürften bald in der Elektro-Variante zu haben sein. "Kleine Maschinen sind interessanterweise oft Versuchsflugzeuge für größere", berichtet der Luftfahrt-Spezialist Peter Pletschacher. Bei Segelflugzeugen ist der ultraleichte Kohlenfaserwerkstoff bereits sei Jahrzehnten zu finden. "Auch Brennstoffzellen werden derzeit getestet, allerdings nicht als Antrieb, sondern für Hilfstriebwerke und die Stromversorgung am Boden." Diesel- und Hybrid-Antriebe haben sich schon bewährt.

Moderne Kleinflugzeuge sind sogar mit Funktionen ausgestattet, die nicht einmal der Super-Airbus A380 bietet. So werden etwa auf einem Bildschirm Berge und Strommasten abgebildet, die der Pilot wegen des schlechten Wetters vor dem Flugzeugfenster selbst nicht ausmachen kann.

Leichtflugzeuge sind derzeit der Hit. Der Flugzeugbauer Tecnam zeigt etwa seine "P92 Echo Classic Deluxe 80" die mit 12 Litern Autobenzin auf 100 Kilometer auskommt und nicht wie eine Cessna 35 bis 40 Liter teures Flugbenzin für 2,50 EUR pro Liter braucht. "Unser Flugzeug eignet sich für den Einstieg in die Motorfliegerei", sagt Verkäufer Ronny Winkelmann. Ein Flugschein für die Ultraleichten kostet etwa 5000 EUR und nicht wie bei den großen Maschinen 12 000 EUR.

Und noch einen Vorteil haben die Leichtflieger: Sie sind eine bezahlbare Alternative zu Flugdrachen. "Ich bin 72 Jahre und habe Schwierigkeiten, den Drachen zu Fuß zu starten", erzählt Helmut Großklaus am Stand des "Silent Glider ME". Für das 10 000 EUR teure Leichtflugzeug wird auch keine medizinische Eignungsbestätigung benötigt.

Aber man kommt noch billiger in die Luft, wie die Messe Aero mit ihren Randprodukten zeigt. So gibt es in der Halle A1 einen rot und blau blinkenden "Indoor Heli" "mit splittersicheren Rotorblättern" für 33 EUR, der sich fernsteuern lässt.

An der Hallenwand ziehen hinter hohen Netzen Flugzeugmodelle ihre Kreise. Ein Verkäufer rubbelt mit einem Schwamm über ein Flügelstück um mit "Nano-Technology" Mückendreck, Teer und Benzin vom Flugzeuglack zu entfernen.

In den Messehallen gibt es Fliegeruhren zu sehen, einen Pilotenkoffer für 232 EUR, Flug-Software für den heimischen Computer und das iPhone, einen Flieger-Overall und Werbung für ein Buschflieger-Training in Südafrika.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung informiert ferner über Gefahren und zeigt Fotos dramatischer Abstürze. Wer Angst hat, kann zum "Aero Bumerang" für 7 EUR greifen, der locker aus der Hand geworfen wird. Oder bei Cirrus vorbei schauen: Deren einmotoriges Flugzeug soll im Notfall mitsamt des Piloten an einem Fallschirm sanft zu Boden sinken.

Ein Mitarbeiter des schweizerischen Herstellers Pilatus poliert den Propeller einer PC-12 auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen am Bodensee. Foto: dpa

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Erstellt:
14. April 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. April 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. April 2011, 12:00 Uhr

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