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Luftfahrt-Riese in der Krise
Eurofighter des österreichischen Bundesheeres: Flossen hier Schmiergelder? Foto: Bildquelle
Airbus

Luftfahrt-Riese in der Krise

Britische Korruptionsjäger ermitteln seit längerem im Zusammenhang mit Flugzeuggeschäften des europäischen Branchenriesen. Der Konzern setzt auf demonstrative Aufklärung, um den Schaden gering zu halten.

10.10.2017
  • DPA

Paris. Die Ansage von Airbus-Chef Tom Enders an seine Mitarbeiter verrät, wie dramatisch die Situation ist. „Keep calm and carry on“, schrieb er in einem Rundschreiben an die Beschäftigten des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns: Ruhig bleiben und weitermachen. Eine britische Durchhalteparole aus Kriegszeiten.

Europas Flugzeugriese wird von schweren Turbulenzen erschüttert. Behörden ermitteln nach einer Selbstanzeige schon länger wegen Korruptionsverdachts. Enders ungewöhnlicher Brief machte nun die Dimension der Angelegenheit deutlich: Der Deutsche sprach von einer Krise und warnte vor der Möglichkeit „schwerwiegender Konsequenzen, einschließlich erheblicher Strafen“.

Berichte des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und des französischen Internetportals „Mediapart“ hatten das Thema zurück ins Rampenlicht katapultiert. Gesprochen wird über zwei Themenblöcke: Zum einen die Umstände des Verkaufs von 15 Eurofighter-Kampfjets nach Österreich. Zum anderen Ermittlungen britischer und französischer Behörden wegen Korruptionsvorwürfen beim Geschäft mit Passagierflugzeugen.

Das britische Serious Fraud Office (SFO) ermittelt seit vergangenem Jahr wegen des Verdachts auf Betrug, Bestechung und Korruption. Airbus hatte nach eigenen Angaben selbst „falsche Angaben und Auslassungen“ in Anträgen auf Finanzierungshilfen für Airbus-Kunden entdeckt und bei den Behörden angezeigt. Es geht um die Zusammenarbeit mit externen Beratern.

Schon deutlich länger laufen die Untersuchungen zum Kampfjet-Geschäft mit Österreich. Airbus erklärt, dass diese Ermittlungen in Wien und München nicht mit denen in Frankreich und Großbritannien zusammenhingen – und auch die Behörden haben bislang nicht von einer Verbindung gesprochen.

Die Staatsanwaltschaft München prüft im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Verkauf seit 2012 Zahlungen an Firmen in Großbritannien. Sie geht dem Verdacht nach, dass aus dem Konzern Geld in schwarze Kassen geflossen sein könnte, um daraus Schmiergeld zu zahlen. Es gebe aber „wenig Anhaltspunkte“ für Bestechung, hatte die Behörde im Februar erklärt. „Airbus hat immer klar gesagt, dass es die Vorwürfe im Herzen dieses Falls als unbegründet ansieht“, teilte das Unternehmen mit.

Auf österreichischer Seite hatte das Thema Anfang des Jahres durch heftige Vorwürfe und eine Strafanzeige der Regierung wegen Täuschung und Betrugs neuen Pfeffer bekommen. Es geht unter anderem um die damals vereinbarten Gegengeschäfte – also Geschäfte zugunsten der österreichischen Wirtschaft, die von der Eurofighter Jagdflugzeuge GmbH vermittelt werden sollten. Airbus weist die Anschuldigungen aus Wien komplett zurück: „Diese Vorwürfe sind konstruiert und juristisch substanzlos“, erklärte Airbus-Chefanwalt Peter Kleinschmidt kürzlich.

Als aus Airbus-Sicht heikleres Thema erscheinen daher die Korruptionsvorwürfe beim Geschäft mit Verkehrsflugzeugen. Spekuliert wird über eine Einigung mit der SFO, bei der das Verfahren gegen Zahlung einer Strafe beigelegt werden könnte.

Klar ist aber, dass der europäische Riese (mit fast 67 Mrd. EUR Umsatz und 134 000 Mitarbeitern) an der Angelegenheit noch länger zu knabbern haben wird. Das könnte auch am Image kratzen – zu einem Zeitpunkt, da der US-amerikanische Erzkonkurrent Boeing bei der Zahl der Flugzeugbestellungen in diesem Jahr bislang deutlich in Führung liegt. Airbus setzt deshalb schon länger auf demonstratives Auskehren. So berät etwa der langjährige Bundesfinanzminister Theo Waigel das Unternehmen seit einigen Monaten bei der Kontrolle von Rechtsstandards.

In Gewerkschaftskreisen ist bereits die Befürchtung zu hören, dass falls tatsächlich höhere Strafzahlungen fällig werden sollten, dies zulasten der Arbeitnehmer gehen könnte.

Hinter den Kulissen scheint es heftig zu rumoren. Darauf lässt jedenfalls Enders Satz schließen, es sei „mit Leaks, falschen Informationen und auch mit Versuchen Einzelner zur rechnen, im eigenen Interesse das Top-Management zu diskreditieren“. dpa

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10.10.2017, 06:00 Uhr
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