Interview mit Ricarda Lang

„Lohngleichheit ist das A & O“

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, hat den gesellschafts- und familienpolitischen Teil im Koalitionsvertrag verhandelt. Das kommt auf Frauen und Familien in den nächsten Jahren zu.

25.11.2021

Von Dorothee Torebko

Ricarda Lang. Foto: Michael Kappeler/dpa

Ricarda Lang. Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin. Wie wollen Sie Frauen fördern?

Ricarda Lang: Wir brauchen eine Politik, die Strukturen verändert. Das A und O ist dabei die Lohngleichheit. Wir müssen endlich an einen Punkt kommen, wo Frauen für die gleiche Arbeit auch das gleiche Geld verdienen und wo Berufe, die einen hohen Frauenanteil haben, angemessen bezahlt werden. Frauen sollen bei Lohndiskriminierung nicht auf sich gestellt klagen müssen. Vielmehr soll die Prozessführung von Verbänden übernommen werden können. So wird der Rechtsschutz gestärkt.

In einer Familie kümmern sich meist die Frauen um Haushalt und Kinder. Wie wollen Sie dem gesetzlich entgegenwirken?

Häufig ist es so, dass die Geburt des Kindes zur Teilzeitfalle wird. Danach können Frauen nur sehr schwer wieder voll in den Beruf einsteigen. Wir wollen, dass Arbeitnehmerinnen leichter wieder auf Vollzeit zurückkehren und so stärker über ihre Arbeitszeiten mitbestimmen können. Dafür schärfen wir bei der Brückenteilzeit nach. In Berufen wie der Pflege mit hohem Frauenanteil wollen wir die Löhne verbessern. Außerdem werden wir den Kündigungsschutz nach der Geburt stärken und mit einer Kindergrundsicherung Familien besser unterstützen.

Ist jetzt eine Reform des Ehegattensplittings fällig?

Unser derzeitiges Steuersystem bedeutet für viele Frauen, sich vom Partner abhängig zu machen oder finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen. Wir wollen eine eigenständige Existenz­sicherung für Frauen erreichen. Deshalb überprüfen wir die Nachteile für Frauen im jetzigen Steuersystem und schaffen die Steuerklassen 3 und 5 ab.

Wie wollen Sie alleinerziehende Frauen vor Altersarmut schützen?

Hier ist die Kindergrundsicherung ein wichtiger Baustein. Sie ist ein Versprechen, ganz viele Kinder aus der Armut zu holen und gerade auch Alleinerziehenden mehr finanziellen Spielraum zu geben. Zugleich brauchen wir gerade im ländlichen Raum mehr Erzieherinnen und Erzieher, damit Alleinerziehende sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder gut betreut sind, während sie arbeiten gehen. Wenn wir das hinbekommen, sind wir mit der neuen Bundesregierung auf einem guten Weg.

Wird der umstrittene Paragraph 219a des Strafgesetzbuches künftig abgeschafft?

Ja. Wir wollen, dass Ärztinnen und Ärzte nicht mehr kriminalisiert werden, weil sie über ihre Arbeit informieren. Wir wollen, dass ungewollt Schwangere, die sich ohnehin in einer schwierigen Situation befinden, endlich den Zugang zur bestmöglichen Information und einer guten Gesundheitsversorgung bekommen. Die Gesellschaft war an vielen Stellen schon weiter, als es die Politik der Großen Koalition war. Wir wollen in der neuen Regierung hier endlich Antworten auf der Höhe der Zeit geben.

Zum Artikel

Erstellt:
25.11.2021, 06:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 14sec
zuletzt aktualisiert: 25.11.2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App