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Arztpraxen

Löchrige Datenautobahn

Längst nicht alle niedergelassenen Mediziner sind an die digitale Infrastruktur angeschlossen. Verweigerern drohen Strafen.

23.08.2019

Von HAJO ZENKER/NBR

Berlin. Die Datenautobahn im Gesundheitswesen wächst weiter nur zögerlich. Gab es zunächst Probleme mit der Lieferfähigkeit der Hersteller, die die Einführung um ein Jahr verzögerten, scheint es nun eine Verweigerungshaltung in Teilen der Ärzteschaft zu geben. Obwohl laut Gesetz seit dem 1. Juli jede Praxis an die so genannte Telematik-Infrastruktur (TI), die den Weg zur Einführung der elektronischen Patientenakte ebnen soll, angeschlossen sein müsste, ist das bei nicht einmal zwei von drei Praxen tatsächlich der Fall. Zum Stichtag waren laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) 104 000 Praxen dabei. Insgesamt werden jedoch 176 000 Arzt- und Zahnarztpraxen gezählt. Es gebe jetzt aber „eine dynamische Entwicklung nach oben“, sagt KBV-Sprecher Roland Stahl. Nach Ablauf des dritten Quartals werde man mehr wissen.

Marktführer beim TI-Anschluss ist die CompuGroup Medical – lange Zeit der einzige Anbieter der nötigen Technik. Sie hatte nach Angaben ihres Sprechers Michael Franz 54 000 Bestellungen zum 30. Juni vorliegen. Davon habe man noch 52 500 fristgerecht installiert können. Die Deutsche Telekom spricht lediglich davon, dass man „Verkaufs- und Installationszahlen im fünfstelligen Bereich“ habe, so Sprecher Rainer Knirsch. Gleichzeitig wird „die Kaufzurückhaltung im Markt“ beklagt. Obwohl die Kassen die Kosten tragen.

Honorar wird gekürzt

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nimmt in Teilen der Ärzteschaft eine Verweigerungshaltung wahr, die etwa mit Datenschutzvorbehalten oder zusätzlichem Arbeitsaufwand begründet wird. Der Minister will deshalb die Strafen verschärfen. Jede Praxis ohne Anschluss, die nicht bis Ende März die Technik bestellt hatte, bekommt seit Juli das Honorar um ein Prozent gekürzt. Ab März 2020 sollen es bereits 2,5 Prozent sein. Denn für Spahn kann das System „nicht mit 10 oder 20 Prozent Verweigerern funktionieren“. Ab 2020 sollen Apotheken und ab 2021 Kliniken verpflichtend angeschlossen sein. Pflegeheime, Reha-Einrichtungen, Physiotherapeuten und Hebammen können das freiwillig tun.

Für KBV-Sprecher Roland Stahl dagegen „schaffen Strafen keine Akzeptanz“. Die weitere Honorarkürzung sei deshalb das falsche Instrument. Im Übrigen glaube er nicht an eine große Verweigerung. Viele Ärzte hätten sehr wohl bestellt, aber die Lieferung der Technik oder die Installation sei nicht rechtzeitig erfolgt.

Das einheitliche Datennetz soll Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken, Krankenkassen sicher miteinander verbinden. Gleichzeitig soll es aber auch rasch Patientenanwendungen wie elektronische Notfalldaten möglich machen. Ab 2021 schließlich muss die elektronische Patientenakte laufen – für jeden Patienten, der sie möchte. Und das geht nur, wenn das Datennetz flächendeckend steht. Hajo Zenker

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Erstellt:
23. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 06:00 Uhr

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