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Bachmann-Preis

Literarischer „Glücksfall“ in Klagenfurt

In deutscher Sprache schreibt sie erst seit vier Jahren: Tanja Maljartschuk gewinnt den Bachmann-Preis.

09.07.2018
  • Fabian Nitschmann und Roland Beck, dpa

Die Schriftstellerin Tanja Maljartschuk ist mit dem 42. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. Die aus der Ukraine stammende und in Wien lebende Autorin erhielt die mit 25 000 Euro dotierte Ehrung am Sonntag in Klagenfurt für ihren Text „Frösche im Meer“. Darin thematisiert Maljartschuk (Jahrgang 1983) das fehlende Interesse der jüngeren Generation an ihren betagten Verwandten und die Probleme einer sozial ungleichen, fremdenfeindlichen Gesellschaft. Der Preis gilt als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Maljartschuk setzte sich im zweiten Abstimmungsdurchgang der siebenköpfigen Jury mit vier Stimmen durch. Als Laudator bezeichnete der Wiener Literaturredakteur Stefan Gmünder, der die Autorin nach Klagenfurt eingeladen hatte, den Text als „Glücksfall“. Maljartschuk studierte ukrainische Philologie und arbeitete einige Jahre als Fernsehjournalistin in Kiew. Seit 2011 lebt sie in Österreich. In deutscher Sprache schreibt sie erst seit 2014. Sie sei „geschockt“, sagte sie in einem Interview nach der Preisverleihung. „Es ist unglaublich. Ich habe keine Worte.“

Der deutsche Schriftsteller und Kabarettist Bov Bjerg gewann den Deutschlandfunk-Preis, der mit 12 500 Euro dotiert ist. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird seit 1977 in Erinnerung an die in Klagenfurt geborene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) verliehen. Im vergangenen Jahr hatte ihn der österreichische Autor Ferdinand Schmalz erhalten.

Seit Donnerstag kämpften 14 Autoren mit ihren Texten in Klagenfurt um die begehrte Auszeichnung. Die Schriftsteller beschäftigten sich dabei mit verschiedenen Themen wie der Vergangenheitsbewältigung, dem Verhältnis von Afrika und Europa oder besonderen Lebenssituationen wie der Liebe und belastenden Schicksalsschlägen. Die Schweizerin Martina Clavadetscher ließ in ihrem Beitrag eine soeben gestorbene 92-Jährige gleich einen Blick auf ihr ganzes Leben werfen. Aus Deutschland nahmen neun Autoren am Wettbewerb teil.

Am ersten Tag hatten sich vor allem die beiden Deutschen Stephan Lohse und Joshua Groß als Favoriten hervorgetan. Lohses Text sei sehr gut erzählt, die Figuren „hinreißend“, sagte Jurorin Insa Wilke. Lohse hatte eine Coming-of-Age-Geschichte vorgetragen, in der ein weißer Teenager gleichsam die Identität eines Schwarzen annimmt. Groß präsentierte derweil einen Text über eine heftige Liebesgeschichte, die bei einem US-Basketballspiel ihren Ausgang nimmt. Für die Jury steckte der Text voller „sprachlicher Spiellust“ und „Groove“.

Ebenfalls viel Lob erhielt Bov Bjerg, der wohl bekannteste Teilnehmer in diesem Jahr. Sein Text, den er am Freitag vorlas, beschäftigt sich mit dem Vater-Sohn-Verhältnis und setzt dabei auf klare Sprache und konkrete Situationen. Lob gab es von der Jury für die Dialoge und eine raffinierte Spannung.

Deutlich politischer als die Texte der 14 Autoren war am Mittwoch die Eröffnungsrede von Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der eine drastische Sicht auf die Gesellschaft präsentierte und zu mehr Mitmenschlichkeit aufrief. „Die Welt ist schlecht, weil die Männer nicht ohne Gewalt glauben leben zu können“, sagte Zaimoglu, der ein unwürdiges Verhalten gegenüber Armen, Frauen und Fremden anprangerte. Zudem fand er klare Worte gegen Rechte: „Es gibt keinen redlichen rechten Intellektuellen. Es gibt keinen redlichen rechten Schriftsteller.“

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09.07.2018, 06:00 Uhr
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