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Frauen im Kampf ums Glück

"Lindenstraße"-Autorin Barbara Piazza legt ihren ersten großen Roman vor

Mehr als 50 Drehbücher hat Barbara Piazza geschrieben. Serienhits wie "Die Lindenstraße" stammen aus ihrer Feder. Jetzt legt die gebürtige Eislingerin mit "Die Frauen der Pasqualinis" ihren ersten Roman vor.

07.04.2010

Von JOA SCHMID

Ummendorf Barbara Piazza nimmt kein Blatt vor den Mund und vermag ihr Temperament nur schwer zu zügeln. Die 65-jährige liebt Menschen und deren Geschichten - eine Passion, der das deutsche Fernsehen seine erfolgreichsten Serienhits verdankt.

Gemeinsam mit dem Regisseur Hans W. Geissendörfer hat sie das Serien- und Figurenkonzept zur "Lindenstraße" geschrieben. Aus ihrer Feder floss die Geschichte des sympathischen Grünrocks in "Forsthaus Falkenau". Sie verfasste die "Donauprinzessin", "Alle meine Töchter", "Insel der Träume" oder "Entscheidung auf Mauritius".

Jetzt hat sich die in Ummendorf bei Biberach lebende Autorin auf neues Terrain gewagt und einen historischen Roman geschrieben. "Das war schon immer mein Traum", sagt sie und gesteht, dass ihr Urgroßvater sie zu der spannenden Liebesgeschichte "Die Frauen der Pasqualinis" inspiriert hat. Sein Familienname ist es auch, den sie zum Künstlernamen gewählt hat.

Antonio Piazza war 1897 aus Udine nach Deutschland emigriert und in Eislingen gelandet. "Meine Urgroßmutter Katharina hat den italienischen Baumeister geheiratet, der mit dem Fahrrad aus Italien kam", erzählt sie. Für die zweifache Mutter und sechsfache Großmutter eine faszinierende Geschichte, die sie zeitlebens nicht los gelassen hat.

Vor vier Jahren hat sie angefangen, daraus eine große Geschichte zu stricken. Vier Frauen aus drei Generationen und zwei Ländern kämpfen um ihr Lebensglück - und um die Männer der Pasqualinis. Mit ihrer deutsch-italienischen Familiensaga, die 1905 in Neapel beginnt und 1957 in Deutschland endet, macht Barbara Piazza über 60 Jahre europäische Geschichte lebendig.

Dass das Leben die besten Geschichten schreibt, weiß Barbara Piazza spätestens, seit sie vor über 30 Jahren die Sozialstation des Eislinger Altenheims St. Elisabeth geleitet hat. "Meine Erlebnisse dort sind mir ein unerschöpflicher Fundus", sagt sie. Schon mit zwölf Jahren hat sie ihren ersten, heute verschollenen Roman geschrieben. Zum Beruf machte sie ihr Talent jedoch erst, als ihr Ehemann Ignaz Zachay, bis dahin Lehrer an der Eislinger Schillerschule, als Schulleiter ans Bischof-Sproll-Bildungszentrum in Biberach/Riß wechselte.

Dort begann die Eislingerin professionell zu schreiben. Mit dem Vorschlag für eine neue Serie wandte sie sich an den Süddeutschen Rundfunk. In "Uta, Leben einer Familienpflegerin" verarbeitete sie ihre Erfahrungen in der Sozialarbeit. Schließlich wurde die Serie beim Norddeutschen Rundfunk realisiert. Die Autodidaktin lernte bei jedem neuen Auftrag hinzu.

Die Stimmigkeit der Charaktere und die korrekte Recherche sind ihr wichtig. Milieustudien gehen jeder neuen Arbeit voraus. Entsprechend aufwendig waren die Vorbereitungen zu den "schwäbischen Buddenbrooks", wie sie ihren deutsch-italienischen Roman einmal scherzhaft bezeichnet hat. Drei Jahre lang arbeitete sie an ihrem Roman, reiste an die Originalschauplätze, unterhielt sich mit Zeitzeugen, studierte Bücher und historische Abhandlungen und informierte sich über Mode, Erfindungen und Themen der Zeiten, in denen die Geschichte spielt: Aus dem klassischen Konflikt zweier Frauen, die denselben Mann lieben, zaubert sie ein Sittengemälde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Protagonistinnen bekriegten sich - wie Deutschland und Italien in jener Zeit. Mit der Befriedung der familiären Geschichte werde auch ein vereintes Europa begonnen, sagt die Autorin.

Von Anfang an waren Fernsehproduzenten an der Geschichte interessiert. "Wie bei meinen Drehbüchern war ich gezwungen, ein Script zu entwerfen, was nachher beim Schreiben sehr hilfreich war." Als Geschäftspartner für eine Serienproduktion käme im Grunde auch ihr Sohn Jochen in Frage. Der 39-Jährige ist Fernsehproduzent in München und zeichnet dort für die Fernsehserie "Um Himmels willen" verantwortlich. Ehemann Ignaz Zachay, Rektor im Ruhestand und Piazzas größter Kritiker, erweist sich als wahrer Pasqualini-Fan.

Dass der Roman entgegen der ursprünglichen Planung ein versöhnliches Ende hat, liegt übrigens an Piazzas Schwiegertochter. Sie hat ein Happy End erwartet.

Vom italienischen Urgroßvater hat Barbara Piazza den Künstlernamen - und die Inspiration zum Roman. Foto: Iris Ruoss

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Erstellt:
7. April 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. April 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. April 2010, 12:00 Uhr

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