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Lauter Ruf nach neuer Konzerthalle

Liederhalle hat kaum noch Kapazitäten frei

Der Ruf nach einer neuen Konzerthalle wird lauter. Als Standort für einen bis zu 3000 Zuhörer fassenden Saal ist das Rosensteinviertel im Gespräch.

06.11.2012

Von ELKE HAUPTMANN

Stuttgart Das Problem ist erkannt. Erst vor wenigen Wochen gab es eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Stadt, der Musikszene und der Konzertveranstalter. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster schlug dabei den Neubau eines Musikzentrums unweit des Bahnhofs vor: "Das wäre ein wunderbarer Auftakt für das Rosensteinviertel." Arbeitsgruppen könnten in den nächsten drei Jahren die jetzigen Vorstellungen bündeln und formulieren, dann könnten 2021 die Bagger rollen und 2025 das Musikzentrum öffnen, erläuterte Schuster, der bereits im März 2009 Ideen für eine "Schlossgarten-Philharmonie" in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof präsentierte.

Grund für die Überlegungen damals wie heute ist, dass das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle (KKL) restlos ausgebucht ist. Der unter Denkmalschutz stehende Beethoven-Saal ist seit 15 Jahren im Durchschnitt an 325 Tagen belegt - mehr sei fast nicht möglich, beantwortet Schuster eine entsprechende Anfrage der Grünen-Gemeinderatsfraktion. Pro Jahr finden dort etwa 250 klassische Konzerte (inklusive Proben) statt, dazu kommen noch gut 40 Rock- und Pop-Produktionen sowie 20 bis 30 sonstige Veranstaltungen wie Bälle, Galas, Tagungen und Aktionärshauptversammlungen. Die Nutzer sind vielfältig: Im klassischen Bereich sind es die vier großen Stuttgarter Orchester (Radiosinfonieorchester, Staatstheater, Stuttgarter Philharmoniker und die Bachakademie), die Termine für ihre Konzertmieten suchen. Dazu kommen kleinere Orchester wie die Klassische Philharmonie Bonn, das Ärzteorchester, das Christophorus Sinfonieorchester sowie Konzertagenturen wie SKS Erwin Russ GmbH und Stuttgart Konzerts, welche Termine für ihre Konzerte und ihre Künstler benötigen. Für sie gibt es laut Schuster keinen Ersatz: Im gesamten süddeutschen Raum sei kein Saal mit einer besseren Akustik zu finden.

Die Verwaltung des KKL sei bemüht, die Termine so einzuteilen, "dass möglichst alle Interessen berücksichtigt werden und dass eine möglichst hohe Auslastung des Saales erreicht wird", betont Schuster. Dennoch gelinge es nicht immer, alle Wünsche zu befriedigen. So sei bei längeren Tourneen von Künstlern manchmal nur ein Termin, vielleicht sogar zwei Termine für Stuttgart möglich - allerdings nur, wenn die Liederhalle nicht schon anderweitig belegt ist. Die großen Konzertagenturen bekämen bereits drei bis vier Jahre im Voraus eine bestimmte Anzahl von Terminen pro Saison zur Verfügung gestellt, die sie dann eigenständig belegen könnten. Würden sie vorreservierte Termine nicht benötigen, würden man diese anderen Kunden anbieten. Bei Rock- und Pop-Produktionen stehe die KKL-Verwaltung in ständigem Kontakt mit der Porsche-Arena. Dorthin könnten Veranstalter ausweichen, sollte der Beethoven-Saal bereits belegt sein. Auch der Hegelsaal stehe nämlich nur bedingt zur Verfügung. Er sei für Kongresse und Tagungen reserviert. Nur dann, wenn keine stattfinden, seien Konzerte dort möglich - pro Saison etwa 60 bis 70 Produktionen.

Nach Aussagen der Vertreter der Orchester und der Konzertagenturen fehlt in Stuttgart ein Konzertsaal mit einem Fassungsvermögen von "1200 plus x" Zuhörern. Auch vor dem Hintergrund der Fusion der Radioorchester Stuttgart und Freiburg/Baden-Baden wird der Ruf nach einem neuen Konzertgebäude lauter - beide Städte streiten sich um den künftigen Stammsitz. Die FDP-Gemeinderatsfraktion fordert daher die Verwaltung auf, schnellstmöglich über Vorstellungen und erforderliche Finanzierungskonzepte für einen Neubau zu berichten. Auch die SPD-Fraktion mahnt ein Konzept an, wie die Raumbedingungen für den Klassik- und Pop-Rock-Bereich verbessert werden können. Als kurzfristige Lösung plädiert sie dafür, dass spätestens bis 2016 dem Radio-Sinfonieorchester 120 Nutzungstage im Beethovensaal zur Verfügung gestellt werden - 60 mehr als bislang. Morgen diskutiert der Verwaltungsausschuss über die Nutzungsmöglichkeiten der Liederhalle.

Diese Ideenskizze zeigt die im Jahr 2009 angedachte Schlossgarten-Philharmonie auf der durch Stuttgart 21 frei werdenden Gleisfläche hinter dem Bahnhof. In dem futuristischen Gebäude soll Platz für 3000 Zuhörer sein. Foto: Stadt Stuttgart

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Erstellt:
6. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. November 2012, 12:00 Uhr

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