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Lieber Rasen statt rasen
2000 bis 3000 Menschen gingen am Sonntagmittag für einen autofreien Kulturboulevard auf die Straße. Passenderweise gab es dazu ein buntes Kulturprogramm. Foto: Ferdinando Iannone
Protest

Lieber Rasen statt rasen

Hunderte Menschen haben am Sonntag auf der gesperrten B 14 in Stuttgart für weniger Verkehr und eine aus ihrer Sicht lebenswertere Stadt demonstriert.

18.09.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Ein „emotionales Ereignis mit Symbolcharakter“ hatte Wieland Backes angekündigt, und der Vorsitzende des Vereins „Aufbruch Stuttgart“ hatte nicht zu viel versprochen. Hunderte machten mit am Sonntag beim Spaziergang über die für drei Stunden gesperrte Bundesstraße 14. Sie ließen tausend Luftballons in den Vereinsfarben steigen. Unter dem Motto „Marsch für Stuttgart – eine Stadt in Bewegung“ hatte der Klub, der sich für einen lebenswertere Stadt starkmacht, zur Kundgebung auf die Hauptverkehrsader eingeladen. Er wollte zeigen, wie es wäre, wenn auf der Konrad-Adenauer-Straße zwischen dem Gebhard-Müller- und dem Charlottenplatz nicht 102 000 Autos am Tag, sondern ausschließlich Fußgänger unterwegs wären.

Die „Stadtautobahn“, wie die B 14 auch genannt wird, ist dem Verein ein Dorn im Auge. Sie durchschneide die Innenstadt und verhindere ein Wandeln zwischen den großen Kultureinrichtungen. Einige zehntausend Euro hat sich die Initiative die spektakuläre Präsentation samt Musikeinlagen mehrerer Orchester und Hochseilakt der Artisten-Familie Traber kosten lassen.

Grünen Teppich ausgerollt

Neben auffallend vielen S21-Gegner kamen vor allem zahlreich ältere Bürger. Mit „allem unter 1000“ wäre Backes nicht zufrieden gewesen, sagte er im Vorfeld. Während die Polizei im Nachgang von 1800 Menschen beim Aufzug am Wilhelmsplatz und 2000 bei der Abschlusskundgebung vor der Oper sprach, ging Backes beim zufriedenen Blick über die Menge von 3000 bis 5000 Personen aus.

Der Ex-„Nachtcafé“-Moderator betonte auf der Bühne unter dem Jubel der Menschen: „Wir meinen es ernst.“ Die Stadt sei bei ihrer Entwicklung hin zur autogerechten Stadt unter die Räder gekommen, hinke in ihrer Entwicklung etlichen größeren Kommunen hinterher und mache als Feinstaub- und Stau-Stadt von sich reden, monierte er. „Wir erobern unsere Stadt zurück“, rief Backes den klatschenden Menschen zu.

„Das Ziel muss man unterstützen. Da muss man sich nicht viel drüber unterhalten, dass an der Kulturmeile etwas getan werden muss“, fand etwa Besucher Jörg Gaiß, ein Stuttgarter. Etliche Marschierende hatten Banner und Plakate mit Parolen wie „Rathaus, wach auf“, „Vorfahrt Kultur“ oder „Kultur statt PS“ dabei. Vor dem Landtag wurde unter viel Applaus symbolisch ein Stück Rasen ausgerollt – Motto: „Rasen statt rasen“ –, bevor die Menschen zusammen mit dem Staatsopernchor „Grün, grün, grün sind alle meine Straßen“ als Kanon sangen.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) betonte, das Anliegen zu unterstützen. Immerhin kämpfen er und „Aufbruch Stuttgart“ aktuell an derselben Front, wenn auch aus unterschiedlichen Motivationen. Während es der Initiative um ein besseres Kultur-Erleben geht, setzt sich die Rathausspitze wegen zu hoher Schadstoffbelastungen für weniger Verkehr ein. Kuhn kündigte einen Wettbewerb an, der Möglichkeiten aufzeigen soll, wie der Verkehr umgeleitet werden könnte. Nach seinem Dafürhalten müssten diese Planungen über den Charlottenplatz hinaus bis mindestens zum Marienplatz gehen. Und auch in Richtung Gemeinderat sagte er, „wir müssen alle drauf achten, dass wir Mehrheiten bilden für diese Bewegung“, wobei er betonte, dass das Gegeneinander-Ausspielen von Automobilindustrie und Bürgern aufhören müsse.

Backes selbst zeigte sich überrascht, wie schnell der Prozess angelaufen und das tot geglaubte Thema beruhigte B 14 wiederbelebt worden sei: „Es ist uns gelungen, es wieder ganz oben auf die Agenda zu bringen.“

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18.09.2017, 06:00 Uhr
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