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Mobilität

Lichter sollen Einstieg beschleunigen

In Bad Cannstatt wird Deutschlands erster leuchtender Bahnsteig getestet. Er zeigt Fahrgästen an, wo sich die Türen der nächsten S-Bahn befinden und wie voll die Abteile sind.

27.02.2018

Von DOMINIQUE LEIBBRAND

Blick nach unten: Die Signale zeigen die Position von Türen und über Farben die Anzahl der freien Sitzplätze an. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Stuttgart. Etwa zwei Minuten bevor um 13.30 Uhr die S-Bahn nach Herrenberg einfährt, springen am Gleis 2 in Bad Cannstatt die Lichter im Boden an. Die kleinen Punkte zeigen in verschiedenen Farben an, wie lang der Zug sein wird, wo sich die Einstiegstüren befinden werden und in welchem Abteil noch ausreichend Plätze zur Verfügung stehen. Als der Zug dann da ist, zeigt sich: Die Vorhersage hat zugetroffen. Zumindest bei dieser Bahn eine Punktlandung.

Am Montag feierte der erste leuchtende Bahnsteig Deutschlands in Bad Cannstatt Premiere. Sechs Monate will die Bahn dort testen, ob das Lichtsystem dabei helfen kann, den Einstieg in die Züge zu beschleunigen und die Pünktlichkeit der störanfälligen Stuttgarter S-Bahn zu verbessern. Funktioniert das System, könnte es bundesweit an Bahnhöfen installiert werden.

Im eng getakteten S-Bahn-Verkehr zähle jede Sekunde, sagte Dirk Rothenstein, Chef der Stuttgarter S-Bahn, bei der Vorstellung des Projekts. Die kalkulierte Haltezeit der Bahnen betrage 30 Sekunden, besonders in Stoßzeiten könne man das oft nicht einhalten. Häufig drängen sich dann viele Pendler an wenigen Zustiegen. Ziel ist, die Ströme besser zu verteilen. Gute Erfahrungen hat man bereits mit sogenannten Einstiegshelfern gemacht, die seit 2013 am Hauptbahnhof eingesetzt werden. Die Überschreitung der Haltezeiten sei dadurch um knapp 50 Prozent reduziert worden, sagte Reinhold Willing, Sprecher der S-Bahn Stuttgart.

Dirk Rothenstein hofft, dass das Lichtsystem einen ähnlichen Effekt hat: „Wir müssen alles ausprobieren, um unsere Qualität zu verbessern.“ Denn seit Jahren kämpft die S-Bahn Stuttgart, die pro Jahr 127 Millionen Fahrgäste transportiert, mit chronischen Pünktlichkeitsproblemen und musste deshalb wiederholt Strafzahlungen in Millionenhöhe an den Besteller, den Verband Region Stuttgart, leisten.

Für das Projekt wurden am Bahnhof in Bad Cannstatt auf einer Bahnsteiglänge von 210 Metern 670 sogenannte Lichtfaserbetonplatten verlegt. Bad Cannstatt deshalb, weil es die letzte Station vor der äußerst belasteten Stuttgarter Stammstrecke am Hauptbahnhof ist, die alle sechs S-Bahn-Linien befahren. Außerdem ist der Bahnhof stark frequentiert – Wasen, Veranstaltungshallen und das VfB-Stadion befinden sich in unmittelbarer Nähe.

In den Platten leuchten weiße pulsierende Pfeile auf, die die Wartenden in die gelben Bereiche lotsen sollen, wo sich die Türen befinden werden. In zunächst drei Testzügen ermittelt die Bahn zudem über Videokameras in Waggons, wie viele Leute in der jeweiligen Bahn sind. Die Daten werden digital jeweils am vorhergehenden Bahnhof erfasst und in Echtzeit an die Bodenplatten übermittelt. Wie bei einer Ampel bekommen Fahrgäste als Service in Grün, Gelb oder Rot angezeigt, wie voll die Abteile sind. Der Datenschutz werde dabei eingehalten, versicherte Reinhold Willing, die Körper würden gepixelt, es werde nur die reine Anzahl der Insassen erfasst.

Für die Umsetzung des Projekts sind zwei Start-ups zuständig – zum einen Open Capacity, das von einem Münchner in London gegründet wurde und sich auf die Erfassung von Fahrgastzahlen spezialisiert hat. Zum anderen die Berliner Firma Siut, die die Lichtfaserbetonplatten entwickelt hat. Die Kosten von mehr als 750?000 Euro teilen sich die Bahn und der Verband Region Stuttgart, der über ein Innovationsprogramm 350?000 Euro beisteuert.

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Erstellt:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 06:00 Uhr

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