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Schadstoffe

Letzte Saison mit Feinstaub-Alarm

Die Stuttgarter Luft wird sauberer, jedoch drohen wegen der zu hohen Stickoxid-Belastung weiterhin Fahrverbote für Euro-5-Diesel.

16.10.2019

Von Daniel Grupp

Auch am Neckartor sinkt stetig die Konzentration an Schadstoffen. Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Seit Montag kann in Stuttgart wieder Feinstaubalarm ausgelöst werden. Die Alarmperiode geht bis 15. April. Weil die Luftbelastung der Landeshauptstadt ständig geringer wird, könnte es sich um die letzte Alarmperiode handeln, falls die Stadt wie im Jahr 2018 erneut unter den erlaubten Grenzwerten bleibt. Erstmals war im Januar 2016 in Stuttgart ein Feinstaubalarm ausgerufen worden.

Die gesetzlichen Grenzwerte für Feinstaub wurden 2018 erstmals an allen Messstationen der Stadt unterschritten – selbst am Neckartor, wo bisher die Luft besonders stark belastet war. Im vorigen Jahr wurde in Stuttgart an 20 Tagen der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten, erlaubt sind 35 Tage. Der Grenze von 40 Mikrogramm für den Jahresmittelwert werde nach Angaben der Stadt an allen Messstationen schon seit 2011 eingehalten.

„Wir sind auf einem guten Weg, in diesem Jahr wieder unter den Grenzwerten zu bleiben. Wenn wir das schaffen, dann stellen wir den Alarm ab Oktober 2020 ein“, kündigte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) jetzt an. Bisher kam es am Neckartor zu 20 Überschreitungstagen. Am Montag lag der Feinstaubwert bei 36 Mikrogramm, die Werte steigen seit vorigen Mittwoch.

Das Wetter ist entscheidend

In austauscharmer Luft reichern sich die Schadstoffe an. Das ist zum Beispiel im Winter bei stabilem Hochdruckwetter der Fall. Regen und Wind sorgen hingegen für saubere Luft. Die Stadt arbeitet mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zusammen. „Wird für die nächsten Tage eine austauscharme Wetterlage angekündigt, lösen wir den Feinstaubalarm aus“, erläutert Pressesprecherin Jasmin Bühler. Nach derzeitiger Prognose zeichne sich bis Samstag kein Alarm ab, ergänzt ihr Kollege Martin Thronberens.

Die CDU-Fraktion des Gemeinderats hätte am liebsten schon auf die aktuelle Feinstaubperiode verzichtet. Schließlich seien 2018 die gesetzlichen Vorgaben eingehalten worden, begründete Fraktionschef Alexander Kotz den Vorstoß. Seiner Ansicht nach schadet der Alarm dem Image der Stadt. Ähnlich sehen dies die Präsidentin der IHK Region Stuttgart, Marjoke Breuning, und IHK-Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl. Aus ihrer Sicht leidet der Ruf Stuttgarts.

Schlechter sieht die Landeshauptstadt bei der Belastung mit Stickstoffdioxid aus. Der NO2-Anteil geht zwar seit Jahren zurück, der erlaubte Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft wird aber an mehreren Messstellen überschritten. Am Neckartor lag sie zuletzt bei etwa 57 Mikrogramm. Die NO2-Belastung ist der Grund für die Fahrverbote für Autos mit älteren Dieselmotoren.

Um diese Belastung weiter zu drücken, werden im Rahmen der Fortschreibung des Luftreinhalteplans verschiedene Ansätze verfolgt. Dazu zählen streckenbezogene Fahrverbote für Euro-5-Diesel und eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 40 auf den Straßen im Kessel. Zudem werden in der Hohenheimer und in der Pragstraße im Umfeld der Messstellen weitere Filtersäulen aufgestellt. Falls dennoch die Grenzwerte überschritten werden, droht ein flächendeckendes Fahrverbot für Euro-5-Diesel. Das wollen aber Landesregierung und Stadt verhindern.

Wegen Verstößen gegen das Fahrverbot für Euro-4-Diesel wurden bis Ende September 3569 Verfahren angestrengt, berichtet die Stadtverwaltung. Teilweise hatten die Betroffenen aber auch Ausnahmegenehmigungen. 545 Bußgeldbescheide wurden bisher erlassen, 118 sind rechtskräftig.

12 740 Fahrzeughalter haben Ausnahmeanträge gestellt. Davon stammen 5746 aus Stuttgart. Bisher wurden 6031 genehmigt und 5107 abgelehnt.

Unabhängig von der Luftbelastung strebt OB Kuhn an, die Zahl der Autos in der Innenstadt deutlich zu verringern. Straßen sollen schmäler werden, Parkplätze sollen verschwinden, der ÖPNV ausgebaut werden. Das hat er jetzt wieder deutlich gemacht. Kuhn erhofft sich davon die Steigerung der Attraktivität Stuttgarts.

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Erstellt:
16. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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