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Das Mädchen mit den Stäben

Lera Taranenko leidet unter Skoliose und wird in Tübingen ärztlich behandelt

Die kleine Lera ist ein munteres Kind, streichholzdünn, doch voller Energie. Und die braucht sie auch, denn in ihren sieben Lebensjahren hat sie schon einige Torturen hinter sich gebracht. Das Mädchen leidet unter einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule. Es wurde nun zum zweiten Mal in der Tübingen Orthopädischen Klinik operiert. Es wird nicht der letzte Eingriff sein.

07.10.2015
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Die Kleine will eigentlich nicht darüber reden, lieber mit der Mutter kuscheln oder den kleinen Plüschtier-Zoo betrachten, den sie über sich an den Infusionsgalgen gehängt hat. „Eine Ausstellung“ sagt sie stolz zu ihrer Mutter und zu Dolmetscherin Olga Yubitskaya. Auf ein Interview hat sie keine große Lust. Denn zu oft drängt sich das Thema Krankheit in ihr Leben.

So wurde Valeria Taranenko auch zum Medienstar, das russische Fernsehen brachte schon Beiträge über sie und rührte die Trommel. Russische Zeitungen berichteten schon über ihren arg verkrümmten Rücken und ihre extreme Skoliose. Ohne diese Öffentlichkeit wäre Lera vermutlich längst verloren. Denn die Familie, die in einem Dorf in der Nähe der sibirischen Millionenstadt Omsk lebt, könnte die teure Behandlung des Mädchens nicht bezahlen. Das Kinderhilfszentrum „Raduga“ trieb Spenden für Lera ein und machte so ihre Therapie möglich.

Schon zwei Mal wurde die Kleine in Tübingen operiert, und sie wird noch weitere Operationen durchzustehen haben, bis denn mit 12 Jahren ihre Wirbelsäule versteift wird. Dann werden auch die Titanstäbe, die ihr eingesetzt wurden, ausgetauscht.

Der Rücken war ein ausgeprägtes S

„In Russland hatten die Ärzte Lera komplett aufgegeben“, sagt Olga Yubitskaya, die die Familie erst in Tübingen kennenlernte und ihr seitdem mit Rat und Übersetzung zur Seite steht. Dr. Christian Walter, Oberarzt in der Orthopädischen Uniklinik, zeigt Röntgenbilder, die am Anfang der Behandlung gemacht wurden. Solche extremen Skoliosen (Wirbelsäulen-Verkrümmungen) sehe man in Deutschland selten, sagt der Arzt. Die Krümmung der Wirbelanordnung wird in Cobb-Winkeln gemessen, benannt nach einer Methode, die der Arzt John Robert Cobb entwickelt hat. Bei einem Cobb-Winkel von 50 Grad wird von einer schweren Skoliose gesprochen, das Mädchen hatte zu Beginn der Behandlung eine Krümmung von 130 Grad. „In Deutschland hätte man viel früher interveniert“, so Walter. Bei rechtzeitiger Behandlung wäre die idiopathische Skoliose, also eine Skoliose mit unbekannter Ursache, nicht so weit fortgeschritten.

Bei Lera jedoch hatte der Rücken schon eine extreme S-Form angenommen. Einige Wirbelkörper standen senkrecht, das ganze Rückgrat war nicht nur gekrümmt, sondern auch in sich gedreht. „Das Herz klopfe außerhalb der Rippen“, erinnert sich die Übersetzerin. Das Mädchen litt unter anderem unter schwerer Atemnot. Kaum ein Organ, das nicht von dieser extremen Schieflage beeinträchtigt wurde.

Nicht viele Kliniken haben sich die Operation und die weitere Behandlung der sehr zarten Patientin zugetraut. Vor einem Jahr war sie zum ersten Mal in Tübingen, damals wurden ihr Titanstangen links und rechts des Rückgrats eingesetzt, die Stäbe wurden oben und unten mit Schrauben befestigt, sie können nun, so lange Lera wächst, nachgespannt werden. Die ersten Implantate blieben nicht ohne Komplikationen, gerade bei dünnen Knochen ist das Risiko hoch. Das Mädchen bekam einen Wundinfekt und die Implantate mussten gewechselt werden. Mittlerweile hat sich die Krümmung der Wirbelsäule schon auf 80 Grad verbessert. Am Ende, so Walters Prognose, dürften 20 bis 30 Grad erreicht werden.

Auf dem Korsett flattern Schmetterlinge

Bis dahin wird Lera ein Korsett tragen müssen, das die Firma Nusser und Schaal kostenlos für sie anfertigte. Dieses Korsett muss sie nicht nur tagsüber, sondern auch nachts tragen. Gerade zum Waschen kann es abgenommen werden. Zum Trost sitzen ein paar Schmetterlinge auf dem hellblauen Panzer. Wenigstens das Muster hat sich Lera aussuchen können. Jedes Jahr wird nun ein neues Teil angefertigt. Die Absätze ihrer Schuhe müssen einen Längenunterschied von 2,5 Zentimeter zwischen dem linken und dem rechten Bei ausgleichen.

Mittlerweile ist Lera mit der Mutter wieder nach Hause geflogen. Das Leben auf dem kleinen Bauernhof der Eltern wird für das Mädchen immer noch voller Einschränkungen sein. In eine öffentliche Schule kann es noch nicht gehen und auch nicht herumtoben wie andere Kinder seines Alters. Doch Oberarzt Walter ist guter Dinge, dass Lera eines Tages ein weitgehend normales Leben führen kann. Die Wirbelsäule wird auch nicht komplett versteift, im unteren Bereich wird man sie, so weit es geht, beweglich halten. Die Stäbe im Inneren des Körpers werden Lera aber auf immer begleiten, denn ohne sie würde die Skoliose weiter fortschreiten.

Info: Leras bisherige Behandlung in der Klinik kostete 80 000 Euro, damit sind die Spenden aufgebraucht. Die Therapie geht jedoch weiter, die Familie ist also weiterhin auf Spenden angewiesen. Wer helfen will, kann auf das Konto des Kinderhilfszentrums Raduga bei der Volksbank Kempten Geld überweisen, IBAN DE67 6629 1400 0005 1892 09. Stichwort „Valeria Taranenko“.

Lera Taranenko leidet unter Skoliose und wird in Tübingen ärztlich behandelt
Lera Taranenko ist sieben Jahre alt und leidet unter schwerer Skoliose. Zur Behandlung kommt sie jedes Jahr in die Tübinger Orthopädische Klinik.

Lera Taranenko leidet unter Skoliose und wird in Tübingen ärztlich behandelt
Christian Walter, Oberarzt in der Orthopädischen Uniklinik

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07.10.2015, 12:00 Uhr
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