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Kein Verkehr im Rotlichtviertel

Leonhardstraße wird versuchsweise von 14 bis 5.30 Uhr Fußgängerzone

Um der Elends- und Armutsprostitution sowie dem aggressiven Straßenstrich im Stuttgarter Leonhardsviertel entgegenzuwirken, wird eine Sperrung der Leonhardstraße für den Autoverkehr erprobt.

07.09.2012
  • SEBASTIAN STEEGMÜLLER

Stuttgart. "Es ist angedacht, die Leonhardstraße zwischen Jakobstraße und Weberstraße in einem Verkehrsversuch zwischen 14 und 5.30 Uhr zu sperren", bestätigt Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Dies entspräche den bereits praktizierten Schließzeiten der nahe gelegenen Pfarrstraße und würde vom gleichen Schließdienst übernommen werden. "Sollte sich der Testlauf bewähren, kann eine Umgestaltung zur Fußgängerzone erfolgen."

Allerdings erst, sobald die dafür erforderlichen Mittel im Haushalt bereitgestellt werden. "Für Planung und Bauzeit sind insgesamt zwei Jahre zu veranschlagen." Auch vor der Einrichtung des zeitlich begrenzten Versuchs müsse noch die Regelung durch den Bezirk mit den Anwohnern abgestimmt und die Finanzierung geklärt sein. Möglich sei, laut Stadtoberhaupt, auch die Änderung der Verkehrsführung direkt am Leonhardsplatz. Er könnte ebenfalls autofrei werden.

Bis es jedoch soweit ist, ist es noch ein langer Weg. Denn "die dafür notwendigen Maßnahmen haben Kosten und Einschränkungen für das Quartier zur Folge, die im weiteren Entscheidungsprozess mit den Vorteilen dieser Änderung abgewogen werden müssen", sagt OB Schuster. Zurückgestellt wurde indes das neue Beleuchtungskonzept für die Leonhardskirche und das Gustav-Siegle-Haus, das für die Grünen eine städtebauliche Aufwertung bedeuten würde.

Die Kosten für die Umsetzung wurden durch die ENBW auf rund 100 000 Euro geschätzt. Im Haushalt wurden jedoch keine Mittel für dieses Thema bewilligt. Auch die 80 000 Euro teure Modernisierungen der Straßen- und Platzbeleuchtung im Leonhardsviertel sei "derzeit aufgrund der Budgetkürzungen nicht realisierbar", so Schuster weiter. "Die Mittel werden im kommenden Doppelhaushalt beantragt werden. Vorher können die Projekte nicht in Angriff genommen werden."

Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin Mitte, wird weiter für eine Modernisierung der Beleuchtung im und am Gustav-Siegle-Haus kämpfen. "Das Gebäude wird am 5. Oktober 100 Jahre alt, da sollte es auch im entsprechenden Rahmen präsentiert werden." Auch rund um die Leonhardskirche sei städtebaulich noch vieles möglich. Dass die Verwaltung den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger mit der Sperrung der Leonhardstraße nach vier Jahren nachkommt, freut die Bezirksvorsteherin indes. "Sie haben sich bereits 2008 bei einem runden Tisch schon für eine Fußgängerzone ausgesprochen."

Vor allem das Imponiergehabe mancher Freier in ihren Autos, also quietschende Reifen, und der Suchverkehr seien den Anwohnern auf die Nerven gegangen. "Manche Autofahrer machen sich einen idiotischen Sport daraus, im Rotlicht-Viertel an den Fußgängern und den Prostituierten vorbei zu beschleunigen. Sowohl für Passanten als auch Gastronomen ist die Situation in der Sackgasse unerträglich."

Selbst im Milieu habe man sich teilweise für eine Sperrung ausgesprochen. "Ich hoffe, dass die Maßnahme zeitnah umgesetzt wird", sagt Kienzle, die sicher ist, dass sich die Fußgängerzone bewähren wird. "Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn man sie ohne Testphase gleich festgezurrt hätte." Der Autoverkehr im Rotlicht-Milieu sei genauso unnötig wie der Straßenstrich im Leonhardsviertel.

Leonhardstraße wird versuchsweise von 14 bis 5.30 Uhr Fußgängerzone
Die Leonhardstraße wird vorerst durch eine Schranke von 14 bis 5.30 Uhr für den Verkehr gesperrt werden. Foto: Archiv

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07.09.2012, 12:00 Uhr
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