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"Mad Max" gewinnt sechs Oscars, "The Revenant" drei, aber "Spotlight" ist bester Film

Leo und die Nacht der Moral

Die 88. Oscar-Verleihung in Los Angeles hatte gleich drei große Gewinner-Filme: "Spotlight", "The Revenant" und "Mad Max: Fury Road". Und sie hatte große Themen: Rassismus und Missbrauch.

01.03.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Los Angeles. 20 nominierte Schauspielerinnen und Schauspieler - alles Weiße. Im Vorfeld der Oscar-Verleihung 2016 hatte das für Empörung gesorgt. "Aber warum protestieren wir eigentlich bei diesen Oscars?", fragte der Moderator der Gala, der schwarze Comedian Chris Rock. Es sei die mittlerweile 88. Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt, und diese "Keine Schwarzen"-Sache habe es davor 71 Mal gegeben. "Da gab es aber keine Proteste", ätzte Rock und spielte dann auf die Sklaverei und auf den alltäglichen Rassismus der 50er und 60er Jahre an. "Wir waren damit beschäftigt, vergewaltigt und gelyncht zu werden", da sei die Frage nach der besten Kamera weniger wichtig. "Und interessiert dich, was die beste Doku ist, wenn deine Großmutter an einem Baum hängt"?

Ja, offensiv wurde während der Oscar-Gala im Dolby Theatre mit dem #OscarsSoWhite-Problem umgegangen. Chris Rock witzelte immer wieder darüber, und es waren oft böse Witze. Ja, da wurde auch ein Wortspiel-Gag mit dem - weißen - Schauspieler Jack Black eingebaut und nach dem beeindruckenden Schwarzen aus "Star Wars" gefragt, natürlich Darth Vader. Aber Rock meinte es ernst, wenn er - vor Abermillionen TV-Zuschauern weltweit - im Hinblick auf den Rassismus in Hollywood sagte: Wer Vielfalt wolle, müsse allen Menschen Chancen einräumen.

Eine ernste Angelegenheit behandelt auch "Spotlight". Gleich den ersten Preis des Abend gewann Thomas McCarthys Film, den für das beste Original-Drehbuch. Und am Ende den letzten, wichtigsten: den für den besten Film. Dazwischen: drei Stunden kein Oscar. Aber mit "Spotlight" zeichnete die Academy eben den Film aus, der am "wichtigsten" ist: ein starkes Aufklärungsdrama über einen Missbrauch-Skandal in der katholischen Kirche.

Missbrauch lautete das Thema ebenso bei den emotionalsten Momenten des Abends: Als Lady Gaga inbrünstig ihren nominierten Song "Til It Happens To You" sang und dazu etliche Missbrauchsopfer auf die Bühne kamen, war das ein eindrücklicher Appell gegen sexuelle Gewalt. Und als der Song-Oscar dann an Sam Smith ("Writing s On The Wall" aus dem Bond-Film "Spectre") ging, widmete er seinen Preis der Community der Schwulen, Lesben und Transgender.

Auch die Macher des zweiten erfolgreichen Films des Abends, des Überlebens- und Rachedramas "The Revenant", nutzten die Show für Appelle. Der Mexikaner Alejandro González I·árritu, der vor einem Jahr für "Birdman" gleich drei Oscars gewonnen hatte und nun erneut als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, rief die Filmwelt dazu auf, dafür zu sorgen, "dass die Hautfarbe genauso unwichtig wird wie die Länge der Haare".

Und Leonardo DiCaprio, der für "The Revenant" seinen überfälligen Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt, nutzte die Zeit auf dem Podium für sein Herzensthema, den Klimawandel: "Lasst uns unseren Planeten nicht als etwas Selbstverständliches ansehen. Genauso wenig, wie dieser Abend für mich etwas Selbstverständliches ist."

Standing Ovations für einen 41-Jährigen? Es kommt nicht alle Tage vor, wie DiCaprio gefeiert wurde. Getoppt wurde das nur von den Ovationen für Ennio Morricone. Der 87-jährige italienische Komponist hatte bislang lediglich einen Ehren-Oscar erhalten, nun bekam er für seine Musik zu Quentin Tarantinos "The Hateful Eight" einen regulären.

Die Auszeichnung dieser lebenden Legende war im Vorfeld der Verleihung aber erwartet worden. Genauso wie der Oscar für Brie Larson (27) als beste Hauptdarstellerin, die in "Room" eine Mutter spielt, die mit ihrem kleinen Sohn in Gefangenschaft lebt. Auch der Nebendarstellerinnen-Oscar für die wunderbare Alicia Vikander (28, "The Danish Girl") war kaum überraschend: Die Schwedin ist der Shooting-Star in Hollywood schlechthin. Dass der britische Theatermann Mark Rylance (55) für "Bridge of Spies" als Nebendarsteller den Oscar erhielt, dürfte dagegen manchen gewundert haben - aber nicht diejenigen, die gesehen haben, wie er in Steven Spielbergs Film den Sowjet-Spion Rudolf Abel verkörpert hat.

Einverstanden dürften die meisten Cineasten ebenso damit sein, dass George Millers fulminantes Endzeit-Action-Spektakel "Mad Max: Fury Road" gleich sechs Goldtrophäen gewann (Schnitt, Ausstattung, Kostüme, Make-Up, Ton, Tonschnitt) und damit die meisten Oscars des Abends - auch wenn es kein politischer Film ist.

Und kommendes Jahr gibt es, jede Wette, schwarze Oscar-Nominierte. Sonst muss Chris Rock noch bösere Witze reißen. Und das will in Hollywood wohl keiner.

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01.03.2016, 08:30 Uhr
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