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Politik

Leitartikel · WM-KRISE: Ball der Finsternis

Von Armin Grasmuck Made in Germany - das ist auch im Fußball ein besonderes Qualitätsmerkmal. Wir haben die schönsten Stadien, einige der weltbesten Spieler und die deutschen Profiklubs stehen im interkontinentalen Vergleich sportlich wie wirtschaftlich ausgesprochen gut da.

24.10.2015
  • SWP

Unsere Nationalelf ist die beste rund um den Globus. Sie steht seit jeher für leidenschaftlichen Einsatz, bewundernswerte Ausdauer und aufrichtigen Zusammenhalt. Der Deutsche Fußball-Bund wirkte als größter nationaler Sportverband der Welt wie ein kraftvoller Kosmos, in dem sich alles nur um diese Kugel dreht, die das Publikum verzaubert. Machtvoll, einflussreich, finanzstark - und als Verbund von rund sieben Millionen aktiven Kickern selbstverständlich auch als moralisch einwandfreie Instanz. Diese Zeiten sind vorbei.

Schwarze Kasse, schwarzes Geld, verschwunden in schwarzen Löchern - die Vorwürfe, die rund um die Vergabe der WM 2006 wabern, zeichnen ein düsteres Bild von dem deutschen Fußballverband und seinen Spitzenkräften. Die aktuelle Krise, die den sonst so auskunftsfreudigen Funktionären die Sprache verschlägt, hat die nächste Dimension erreicht: Jetzt bezichtigt Theo Zwanziger, der ehemalige Präsident des DFB, seinen Nachfolger, Wolfgang Niersbach, unverblümt der Lüge. Zwanziger ist zudem der erste Beteiligte, der die Existenz der schwarzen Kasse bestätigt, von der Niersbach noch am Tag zuvor behauptete, es habe sie nie gegeben.

Es ist diese neue, undurchschaubare und ungewohnt verrückte Art des Auftritts, die den DFB in das schlechte Licht rückt. Ausgerechnet Niersbach und sein langjähriger Weggefährte Franz Beckenbauer, zwei Spielmacher, die normalerweise offenherzig, höchst charmant und pointiert die Anhänger zu begeistern wissen, verstricken sich praktisch im Tagesrhythmus in neuen Widersprüchen. Und dann diese Lücken im Gedächtnis: zehn Millionen Schweizer Franken, rund 6,7 Millionen Euro? Überwiesen? An wen und warum? Es mag sich keiner mehr recht erinnern. Dabei sind zehn Millionen Franken eine schöne Summe, überzeugend wie wohl. Sie lassen die Idee von der Weltmeisterschaft im eigenen Land noch bunter strahlen.

Die Geschichte um Sinn und Zweck der zehn Millionen, die Niersbach nach einem Gespräch mit Beckenbauer versucht hat, betont betroffen und seriös zu präsentieren, wirkt wie die Essenz eines äußerst kurzfristig einberufenen Krisendialogs nach dem Motto: Wir sprechen, weil wir sprechen müssen - und nichts genaues weiß man nicht. Ja, es ist wahr. Die zehn Millionen, die vor mehr als zehn Jahren an den Weltverband Fifa überwiesen wurden, gab es. Für wen? Keine Ahnung. Warum? Keine Ahnung. 2002 oder 2005? Weshalb beabsichtigte der Fußballkaiser Beckenbauer das Geld eigentlich aus eigener Tasche vorzustrecken? Warum riet ihm sein Berater davon ab? Welche Rolle spielte Joseph Blatter, der Präsident der Fifa? Und nein, laut Niersbach handelt es sich hier keineswegs um einen Akt der Bestechung. Der DFB-Präsident, seinerzeit an der Seite Beckenbauers im Organisationskomitee der WM 2006 aktiv, gibt an, keine Kenntnis zu haben und der Kaiser kann sich bei aller Liebe einfach nicht erinnern.

Das Vergessen ist keine deutsche Tugend. Es liegt an Niersbach und Beckenbauer, auf schnellstem Weg erhellende Fakten zu liefern, die dem deutschen Fußball helfen, diesem düsteren Verbund aus Sport, Macht und Millionen zu entkommen. Der Präsident steht in der Pflicht, die Gedanken zu sortieren. Sonst erinnert sich ein anderer.

Der eine weiß nichts, der andere kann sich nicht erinnern.

leitartikel@swp.

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24.10.2015, 12:00 Uhr
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