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Leitartikel · FASTNACHT: Ver-rückt werden

Leitartikel · FASTNACHT: Ver-rückt werden

06.02.2016
  • SWP

Von Petra Walheim

Da haben wir sie also wieder, die gute alte Fastnacht oder Fasnet, den Fasching oder Karneval, wie auch immer man diese närrischen Tage nennen mag, an denen das Feiern und Fröhlich-Sein im Mittelpunkt stehen sollen. Aber geht das? Angesichts von hunderttausenden Menschen, die vor Krieg und Terror zu uns geflüchtet sind? Angesichts heimtückischer Anschläge auf Flüchtlingsheime - seit Neuestem auch mit Kriegswaffen, wie in Villingen-Schwenningen, und mit der latenten Gefahr im Hintergrund, dass sich irgendwo im Land massenhafte sexuelle Übergriffe auf Frauen - wie an Silvester in Köln - wiederholen könnten?

Die Antwort ist ein klares und laut hinausgerufenes "Jaaaaa"! Ja, Leute, feiert, macht Fasnet, tanzt auf den Straßen und in den Hallen, präsentiert eure Kostüme, Häser, Kleidle und zeigt denen, die Gewalt streuen und Ängste schüren, dass sie nicht gewinnen können. Nie!

Wem wäre auch geholfen, würde die Fasnet eingeschränkt? Selbst in Köln wurde entschieden, den Karneval zu feiern. Und das ist gut so. Allerdings wird diese Fasnet schon etwas anders sein als die tollen Tage der Vergangenheit. Zumindest was die Präsenz der Polizei angeht. Überall, wo größere Umzüge stattfinden, wird es Ansammlungen von Polizisten geben. In manchen Orten werden die bekannten Krawall-Plätze, die Hotspots, per Videokameras beobachtet. Nicht selten zum ersten Mal, wie in Konstanz. Dort werden die Marktstätte und der Bahnhofsvorplatz technisch überwacht, weil die Zahl der Beamten begrenzt ist und die, die Dienst haben, nicht überall sein können.

Neu könnte in dieser Fasnet auch sein, dass mehr wehrhafte Frauen unterwegs sind. Seit den Übergriffen in Köln haben viele einen Selbstverteidigungskurs absolviert oder sich mit Pfeffersprays eingedeckt. Gut möglich, dass Männer, in betrunkenem Zustand mutig geworden, ihr blaues Wunder erleben, wenn sie couragierten Frauen zu nahe kommen. Doch auch da sollte gelten: alles mit Maß und Ziel. In der allgemeinen Hysterie um Anschläge und Übergriffe wird gern mal übers Ziel hinausgeschossen und überzogen reagiert. Nicht jeder Narr, der einen Annäherungsversuch macht, hat Böses im Sinn.

Es ist nichts Neues, dass in der Fastnacht gern und viel getrunken wird. Dass Menschen im Schutz ihrer Masken über die Stränge schlagen und unter dem Einfluss von zu viel Alkohol aggressiv werden. Das wird diesmal nicht anders sein, die hohe Polizeipräsenz wird daran nichts ändern. Aber es könnte doch auch sein, dass Narren, durch die Ereignisse der Vergangenheit sensibilisiert, besser aufeinander achten, mit Courage und Bedacht bei brenzligen Situationen eingreifen und Hitzköpfe herunterkühlen. Courage sei gefragt, nicht, den Helden zu spielen, empfiehlt die Polizei.

Was die Flüchtlinge angeht, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Fastnacht erleben, ist der beste Weg, sie einzubinden, soweit das möglich ist. Zumindest sollten sie wissen, was das zu bedeuten hat, wenn die sonst so korrekten Deutschen plötzlich verkleidet und außer Rand und Band unterwegs sind, seltsame Lieder singen und Gedichte aufsagen. Die Asylsuchenden könnten auf die Idee kommen, alle seien verrückt geworden. Vielleicht wäre das gar nicht so schlecht, wenn die Menschen etwas ver-rückt würden. Hingerückt zu mehr Offenheit, Herzlichkeit und Toleranz Fremden gegenüber. Dann könnte es passieren, dass die Fasnet 2017, zumindest die freie Fasnet, noch bunter und origineller wird als bisher - mit ein paar syrischen oder afghanischen Elementen.

Schunkeln,

tanzen,

lachen

leitartikel@swp.de

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06.02.2016, 08:30 Uhr
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