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Politik

Leitartikel · ALTERSVORSORGE: Glückssache

Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, ist im Alter arm dran. Zwar dürften die Renten im nächsten Jahr deutlich steigen.

21.10.2015
  • Von Dieter Keller SWP

Aber das ist nicht mehr als eine Eintagsfliege. Langfristig wird das Rentenniveau deutlich sinken. Das ist vielen Bundesbürgern sehr wohl bewusst. Daher erfreut sich die Lebensversicherung als zusätzliche private Vorsorge großer Beliebtheit. Es gibt über 92 Millionen Verträge. Jeder Bundesbürger vom Baby bis zur Greisin hat also im Schnitt mehr als einen.

Doch der Deutschen liebste Vorsorge wird derzeit in ihren Grundfesten erschüttert. Kritiker zählen schon die Sargnägel für diesen Weg der Altersvorsorge. Die Garantieverzinsung ist bereits auf 1,25 Prozent gesunken. Ab 2016 will das Bundesfinanzministerium den bisher vorgeschriebenen Höchstrechnungszins für neue Verträge ganz abschaffen. Es hält diese Vorgabe nicht mehr für nötig, weil europaweit strengere Vorschriften in Kraft treten, über wie viel Eigenkapital Versicherungen verfügen müssen. Freiwillig können die Versicherer weiter Garantieversprechen abgeben. Aber was sie wert sind, steht in den Sternen.

Den großen Versicherungskonzernen kommt das sehr entgegen. Einige wie Ergo und Generali bieten bereits keine neuen Verträge mit Garantiezins mehr an, weil sie ihnen zu riskant werden. Andere wie der Marktführer Allianz machen das nur noch auf ausdrückliche Nachfrage. Dafür preisen sie neue Vertragstypen ohne garantierte Mindestverzinsung an. Die sollen zwar mehr abwerfen - je nachdem, wie erfolgreich die Gesellschaft das Kapital anlegt. Denn es kostet auch Geld, die Mindestverzinsung sicherzustellen. Aber letztlich wird dem Kunden das ganze Risiko aufgebürdet, kritisieren Verbraucherschützer: Er weiß nur, dass er mindestens herausbekommt, was er einmal eingezahlt hat. Ob es mehr gibt, ist Glückssache.

Darüber müssen sich all jene nicht den Kopf zerbrechen, die schon vor Jahren oder Jahrzehnten eine Lebensversicherung mit einem Garantiezins von bis zu vier Prozent abgeschlossen haben. Das klang damals eher bescheiden. Heute, in Zeiten anhaltender Minizinsen, sind diese Verträge im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Wo sonst bekommt der Anleger ohne großes Risiko noch so viel garantiert? Es wäre Unsinn, eine solche Versicherung vorzeitig zu kündigen. Wer die laufenden Beiträge nicht mehr aufbringen kann, sollte sie beitragsfrei stellen lassen.

Vielmehr stellt sich die Frage, ob alle Versicherer die Zinsversprechen tatsächlich einhalten können, die sie in besseren Zeiten abgegeben haben. Noch fallen Stresstests positiv aus, was jedoch nicht anhalten muss. Steigen eines Tages die Zinsen wieder, kann auch das längerfristig ein Problem für die Gesellschaften werden, weil sie viele Anlagen in den Büchern haben, die wenig abwerfen. Viele vorzeitige Vertragskündigungen könnten sie dann in Bedrängnis bringen.

Wer sich derzeit überlegt, fürs Alter vorzusorgen, ist dumm dran. Bei der klassischen Lebensversicherung und bei Sparanlagen lässt sich nicht abschätzen, ob sie etwas abwerfen. Andere Anlageformen wie Aktien bergen zumindest kurzfristig ein deutlich höheres Risiko von Verlusten. Auch die Politik hilft Anlegern nicht weiter. Sie fördert mit der Riester-Rente die private Vorsorge massiv. Zugleich kalkuliert der Staat sie jedoch als Ausgleich in allen Plänen zum Absenken des Rentenniveaus fest ein, obwohl nicht einmal die Hälfte der Arbeitnehmer diese Möglichkeit nutzt. Fazit: Die Bürger werden mit dem Problem allein gelassen.

Leitartikel · ALTERSVORSORGE: Glückssache

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21.10.2015, 12:00 Uhr
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