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Bonus-Zahlungen nicht mehr am wichtigsten

Leistung im Team und Anerkennung sind bei Führungskräften gefragt

Wer einen Spitzenjob macht, soll mit einer Extra-Geldspritze belohnt werden - so das Grundprinzip von Boni. Doch dieses Konzept wackelt. Geld sei ein schlechter Motivator, sagen Experten - und ein Großkonzern.

23.10.2015
  • DPA

Stuttgart Ego war gestern, künftig geht es ums Kollektiv. Statt bei der Sondervergütung auf individuelle Ziele zu setzen, werden Extrazahlungen an einer Gemeinschaftsleistung gemessen - dies kann ein Geschäftsbereich sein oder die gesamte Firma. Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch geht hier als erster deutscher Großkonzern voran, ab 2016 sind individuelle Boni für Führungskräfte dort Geschichte.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sieht man beim Thema Vergütung von Fach- und Führungskräften seit einigen Jahren einen Trend vom Individuellen zum Kollektiven. "Großunternehmen und Mittelständler denken über die Weiterentwicklung ihrer Vergütungssysteme nach; sie merken, die herkömmlichen Systeme haben Grenzen", sagt DGFP-Chefin Katharina Heuer.

Die Zeiten, in denen Mitarbeiter ihren beruflichen Erfolg über Geld und Karriere definierten, seien längst vorbei. "Heute wollen Mitarbeiter erfahren, dass ihre Arbeit Sinn macht, nachhaltig ist und wertgeschätzt wird." In einer digitalen und virtuellen Arbeitswelt werde die Messung der individuellen Leistung immer schwieriger, sagt Heuer. Die Leistung von Teams, Bereichen und des Gesamtunternehmens sei hingegen leichter messbar - etwa an fertigen Produkten, Verkaufszahlen oder dem Umsatz.

Die alte Praxis einzelner Extrazahlungen bleibt dennoch dominant. Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst & Young unter 2200 Arbeitnehmern in Deutschland liegt der Anteil von Mitarbeitern mit teilweise erfolgsabhängiger persönlicher Bezahlung in den Branchen Banken, Energie und IT bei etwa der Hälfte; im Bau, Maschinenbau und in der Autobranche bei etwa einem Drittel. Auf allzu viel Unmut stößt das Thema nicht. Auf die Frage, wie sie leistungsabhängige Bezahlung fänden, antworten etwa drei Viertel der Befragten sehr gut oder eher gut. Nur ein Viertel ist prinzipiell nicht begeistert.

Fachleute sind aber überzeugt: Die Bezahlung wird unter hochqualifizierten Mitarbeitern weniger wichtig, dies belegen auch Studien. Heute spielen weiche Faktoren eine größere Rolle, etwa eine Betriebs-Kita für den Nachwuchs oder flexiblere und familienfreundlichere Arbeitszeiten. Auch mehr Verantwortung ist hoch im Kurs.

Boschs Abschied vom "Extrageld für Einzelerfolg" ist Teil dieser Entwicklung. "Wir müssen die Menschen in einer modernen Welt anders führen, nämlich über den Sinn", sagt Chef Volkmar Denner. Sie müssten das Gefühl haben, Nutzen zu stiften. "Dann setzen wir viel größere Kräfte frei als mit Geld."

Dies findet unter Fachleuten Zustimmung. Arbeitssoziologin Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim weist zudem auf Risiken bei finanziellen Boni hin. "Ein Bonus wird für Mitarbeiter schnell zur Selbstverständlichkeit - wenn der dann in einem Jahr nicht kommt, sind sie demotiviert."

Aber lädt es nicht quasi zum Däumchendrehen ein, wenn Bonus-Einzelziele wegfallen und ein Mitarbeiter sich im Gesamtkollektiv verstecken kann? Nicht unbedingt, schließlich könne etwa durch Teamgeist die Motivation hochgehalten werden, sagt Henning Curti von Ernst & Young. "Man darf mit einem kollektiven Bonus nicht den Eindruck entstehen lassen, man kümmere sich nicht mehr um die individuelle Leistung."

Leistung im Team und Anerkennung sind bei Führungskräften gefragt
Bei Mitarbeitergesprächen geht es künftig nicht mehr nur darum, möglichst hohe Bonuszahlungen für gute Leistungen zu erhalten. Foto: Fotolia.com

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23.10.2015, 12:00 Uhr
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