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Gesundheit

Leichter leben mit der Pumpe

Diabetes-Patienten haben eine höhere Lebensqualität, wenn sie Insulin automatisch verabreicht bekommen. Doch die Versorgung mit dem Gerät ist regional unterschiedlich.

05.01.2019

Von HAJO ZENKER

Unauffällig am Körper zu tragen: eine Insulinpumpe. Foto: By BSIP/UIG Via Getty Images

Berlin. Wer an Diabetes Typ 1 leidet, muss ein Leben lang Insulin spritzen. Denn bisher ist die Krankheit nicht heilbar. Besser beherrschbar aber wird sie durch Technik, etwa durch die Insulinpumpe. Oder Sensoren, die ohne Piks den Blutzucker messen. Ob ein Diabetiker aber damit versorgt wird, hängt auch davon ab, wo er in Deutschland wohnt.

„Die Ergebnisse sind eindeutig: Patienten mit Insulinpumpe weisen weniger schwere Unterzuckerungen auf und haben insgesamt bessere Glukosewerte als Patienten, die eine herkömmliche Injektionstherapie erhalten“, sagt Professor Andreas Neu, Vorstand der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Er bezieht sich auf eine Studie, die die Daten von 80 Prozent aller Diabetes-Typ-1-Patienten aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz aus fünf Jahren ausgewertet hat. Insulinpumpen werden nah am Körper getragen und geben entweder über Schlauch und Kanüle oder direkt auf die Haut geklebt kontinuierlich das Insulin ab, das der Organismus des Patienten selbst nicht mehr produziert.

Kein Wunder, dass in Deutschland mittlerweile über die Hälfte aller jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Insulinpumpe nutzt. Nur: In sozial und ökonomisch schwächeren Regionen werden seltener Insulinpumpen eingesetzt. Hier haben zudem die Betroffenen einen höheren Blutzuckerwert und entwickeln häufiger Übergewicht. Das sagt eine weitere neue Studie, die vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung stammt. Die Unterschiede, erläutert Autorin Marie Auzanneau von der Universität Ulm, seien „durch einen regionalen Mangel an materiellen und sozialen Ressourcen“ erklärbar. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass sich die Therapieergebnisse von Patienten in benachteiligten Regionen durch einen häufigeren Einsatz der Pumpentherapie verbessern könnten, meinen die Autoren.

Was also ist zu tun? Nichts, finden die Krankenkassen, die eine Insulinpumpe nur von Fall zu Fall bezahlen. Der AOK-Bundesverband halte die Schlüsse, die in der Studie gezogen werden, „für problematisch“. Aus den Unterschieden könne, so Gerhard Schillinger, Leiter des Stabs Medizin, „nicht automatisch abgeleitet werden, dass die Patienten schlechter versorgt seien. So kann der Blutzuckerwert auch bei Patienten ohne Insulinpumpe sehr gut eingestellt sein“.

Die Meinungen der Gesundheitspolitiker im Bundestag fallen recht unterschiedlich aus. Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen sieht „dringenden Handlungsbedarf“. Die Fehl-, Unter- und Überversorgung müsse endlich überwunden werden – durch eine mit aktuellen Zahlen arbeitende Bedarfsplanung. Die fordert auch Alexander Krauß von der CDU. „Mehr Verschreibungen von Insulinpumpen wird es wohl dort geben, wo es mehr Diabetologen gibt – und umgekehrt.“ Harald Weinberg von den Linken fordert zusätzliche Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung. Denn „Menschen aus der unteren Einkommensschicht haben in jedem Lebensalter ein erheblich höheres Risiko als wohlhabende Menschen, ernsthaft krank oder zum Pflegefall zu werden oder vorzeitig zu sterben.“ Dies spiegele sich auch in der Versorgung von Diabetes-Typ-1-Patienten wider. Professor Axel Gehrke von der AfD sieht die Patienten in der Pflicht. Die konventionelle Insulintherapie mit starrem Spritz-Schema sei für Patienten einfach zu verstehen. Die neuen Behandlungsmöglichkeiten aber erforderten mehr Mitdenken. Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung jedoch habe „erschreckend abgenommen, in sozioökonomischen Problemfällen sogar überproportional“. Sabine Dittmar von der SPD hält es für „Aufgabe und Auftrag der Ärzteschaft, die Versorgung beispielsweise von Diabetes mellitus Typ 1 auf aktuellem medizinisch-wissenschaftlichen Stand sicherzustellen“. Darauf hätten Patienten einen Anspruch – „unabhängig davon, wo sie ihren Wohnsitz haben“. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wollte die Studie jedoch nicht kommentieren.

Zu „Diabetes Typ 1 und 2“ bieten wir am Mittwoch, 16. Januar, eine Telefonaktion mit Ärzten und Diabetesberaterinnen an. Am 12. Januar lesen Sie mehr dazu auf „Blick in die Welt“.

Foto: SWP GRAFIK

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Erstellt:
5. Januar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Januar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Januar 2019, 06:00 Uhr

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