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Kritik: Gemeinschaftsschule werde bevorzugt

Lehrer und Verbände bangen um Realschule

Lässt Grün-Rot im Zwei-Säulen-Modell noch Platz für die Realschule? Lehrer- und Wirtschaftsverbände fürchten, dass nicht. Sie warnen vor den Folgen.

23.10.2015
  • DPA

Stuttgart Realschul-, Berufsschullehrer und Bund der Selbstständigen (BDS) machen Front gegen das Kultusministerium und fordern den Erhalt der Realschule. Trotz steigender Anforderungen habe die Realschule die schlechtesten Rahmenbedingungen, sagte die Landeschefin des Realschullehrerverbands (RLV) Irmtrud Dethleffs-Niess gestern. Das werde die Qualität der Mittleren Reife schwächen. "Eine solche Entwicklung schadet dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg." Der BDS als Vertreter kleiner Firmen unterstrich die Bedeutung der Realschule als Pool für Azubis in Zeiten des Fachkräftemangels.

Sinke die Qualität der Mittleren Reife, müssten die Firmen "nachfüttern", anstatt sofort mit der Ausbildung zu beginnen, sagt BDS-Chef Günther Hieber. Klagten im 2010 im Land noch rund ein Viertel ihrer Firmen über fehlende Bewerbungen, hat sich die Zahl mittlerweile mit gut 60 Prozent mehr als verdoppelt. Gerade das Handwerk suche händeringend Lehrlinge. Hier böten junge Flüchtlinge Chancen. Dafür müsse aber die sprachliche Ausbildung vorgeschaltet werden. "Sonst geht alles ins Leere."

Realschulen seien laut Dethleffs-Niess im Vergleich zu Gemeinschaftsschulen schlechter gestellt. Die von Grün-Rot eingeführte Schulart sei bei Personal- und Sachkosten doppelt so gut ausgestattet. Vor allem für individuelle Förderung sei die Zeit in der Realschule mit sechs Poolstunden pro Zug zu gering bemessen. Die Gemeinschaftsschule erhalte 20 Stunden dafür. Zudem sei der Klassenteiler niedriger. Realschullehrer könnten sich angesichts der Inklusion und Aufnahme von Flüchtlingskindern mit ihrer ohnehin heterogenen Schülerschaft in vollen Klassen leicht überlastet fühlen, klagte Dethleffs-Niess.

Auch der Verbund von Realschule und beruflichem Schulwesen dürfe nicht gefährdet werden, forderte der Berufsschullehrerverband (BLV). So stammten 70 Prozent der Schüler der beruflichen Gymnasien, 64 Prozent der Schüler von Berufskollegs aus Realschulen, sagte Verbandschef Herbert Huber.

Die Verbände befürchten, Grün-Rot wolle die Realschulen durch die Schulgesetzänderung in Richtung Gemeinschaftsschule drängen. Damit werde festgeschrieben, dass Realschulen nicht auf gymnasialem Niveau unterrichten dürften, meinte Dethleffs-Niesss. "Wir wollen aber alle Niveaus bedienen."

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23.10.2015, 12:00 Uhr
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