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Professoren denken an Austritt

Lehmbruch und Wehling kritisieren Wegfall des Eschenburg-Preises

Nach der Abschaffung des Eschenburg-Preises erwägen Professoren den Austritt aus der Politologen-Vereinigung, darunter die Tübinger Gerhard Lehmbruch und Hans-Georg Wehling.

30.10.2013

Von RAIMUND WEIBLE

Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling vor dem Institut für Politikwissenschaften, das Eschenburg nach dem Krieg begründet hat. Foto: Klaus Franke

Tübingen Am Wochenende hatte der DVPW-Vorstand entschieden, die nach dem Politikwissenschaftler, Politberater und Publizisten Theodor Eschenburg benannte Auszeichnung nicht mehr zu verleihen. Damit reagierten die Spitzenleute auf die kontroverse Debatte um den 1999 verstorbenen Tübinger Professor. Der renommierte Politologe Hans-Georg Wehling, Schüler von Eschenburg und Mitglied der DVPW, kann die Vorstandsentscheidung nachvollziehen, stellt sich aber nicht dahinter. Der Vorstand habe mit seinem Beschluss versucht, "den Laden zusammenzuhalten", aus dem Dilemma einer möglichen Spaltung der Vereinigung herauszukommen. Es sei jedoch fraglich, ob das geglückt sei. Das werde sich erst später erweisen. Wehling denkt daran, nach all den Vorgängen aus der Vereinigung auszutreten.

In dem Streit um Eschenburg ging es hauptsächlich um das Verhalten des Gelehrten in der Hitler-Zeit. Eschenburg überstand den Faschismus als Inhaber einer Kanzlei, die über zwanzig kleine Industrieverbände betreute. Als Leiter mehrerer Prüfstellen wirkte er, wie der Osnabrücker Politologe Rainer Eisold herausfand, 1938 bei der Enteignung eines jüdischen Betriebs mit. Eine Gutachterin des DVPW kam zu dem Schluss, dass Eschenburg im weitesten Sinne als Mitläufer des NS-Regimes betrachtet werden müsse.

Der Tübinger Politikwissenschaftler Gerhard Lehmbruch hält dem entgegen, Eschenburg sei durch den Kontakt mit Außenminister Gustav Stresemann in der Weimarer Zeit zum überzeugten Republikaner geworden. Eschenburg selbst hatte bekundet, zum Widerstand habe ihm der Mut gefehlt.

Lehmbruch hält die Entscheidung, den Preis abzuschaffen, für eine Bankrotterklärung des Vorstands. Im Moment sehe er keine andere Alternative, als aus dem Verband auszutreten. Der 85-jährige Emeritus will sich mit jüngeren Kollegen über das weitere Vorgehen besprechen.

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Erstellt:
30. Oktober 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Oktober 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2013, 12:00 Uhr

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