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Amerikanisches Traumschiff verrottet

Legendärem Ozeanriesen "SS United States" droht die Verschrottung

Sie galt als einer der schönsten Luxusliner und hält den Rekord für die schnellste Atlantikquerung: Die "SS United States" war einst das Traumschiff der USA. Nun verrottet es. Ist der Ozeanriese privat zu retten?

20.10.2015
  • BRIGITTE DUSSEAU, AFP

Philadelphia Die "SS United States" war das schnellste und luxuriöseste Linienschiff seiner Zeit, in den 50er und 60er Jahren verkehrte es zwischen New York und Europa. Zu den Passagieren gehörten Stars wie Marilyn Monroe, Coco Chanel und Marlon Brando. Auch vier US-Präsidenten überquerten den Atlantik an Bord des Ozeanriesen. Heute dümpelt der einst stolze Dampfer in einem Hafenbecken in Philadelphia vor sich hin. Eine Bürgerinitiative will die "SS United States" vor der Verschrottung bewahren.

"Es war das schönste Schiff der Welt", sagt der 82-jährige Joe Rota, der auf dem Linienschiff als Liftjunge und als Fotograf arbeitete. "Was für ein amerikanisches Symbol." Statt nahe der Freiheitsstatue liegt die "SS United States" nun in Sichtweite einer Ikea-Filiale. Die Farbe blättert ab, die Schornsteine sind von der Sonne gebleicht. Die gediegene Innenausstattung ist längst ausgebaut, beim Gang durch die kahlen Gänge unter Deck hallen die Schritte nach.

Auf seiner Jungfernfahrt am 3. Juli 1952 brach der gut 300 Meter lange Dampfer den Rekord für die schnellste Atlantiküberquerung. Drei Tage, zehn Stunden und 40 Minuten brauchte das Schiff von New York ins englische Southampton - die Bestmarke steht bis heute. Gebaut wurde die "SS United States" mit Unterstützung der US-Regierung, die den Ozeanriesen im Kriegsfall als Truppentransporter einsetzen wollte. Neben Southampton steuerte das Linienschiff später auch Bremerhaven an. Im April 1953 wählte Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) die "SS United States", um zu seinem ersten Staatsbesuch in die Vereinigten Staaten zu reisen. Insgesamt beförderte der Dampfer eine Million Passagiere auf der Route zwischen den USA und Europa, bis er im November 1969 nach 400 Fahrten außer Dienst gestellt wurde.

Die "SS United States" bot Platz für 2000 Passagiere und 1000 Besatzungsmitglieder. An Bord befanden sich drei Orchester, ein Ballsaal, zwei Kinos, 20 Aufzüge und ein Schwimmbad. "Die Technologie, der Komfort, die Geschwindigkeit, das Essen, alles war so perfekt", erinnert sich Rota. "Wir hatten nie einen Ausfall, wir waren niemals verspätet." Alles, was in der Nachkriegszeit Rang und Namen hatte, reiste mit der "SS United States".

Sogar Leonardo da Vincis "Mona Lisa" kehrte auf dem Dampfer von einer Sonderausstellung in der National Gallery in Washington in den Louvre nach Paris zurück. Das Kunstwerk hatte seine eigene Kabine, vor der Schuhe der Größe 48 abgestellt wurden. Offenbar sollten die Passagiere glauben, dass ein großer und kräftiger Mann zum Schutz des Gemäldes in der Kabine sei.

Bald wählten aber immer mehr Reisende das Flugzeug, um den Atlantik zu überqueren. Der Betrieb der "SS United States" lohnte sich nicht mehr. Der ausgemusterte Ozeanriese wechselte mehrfach den Besitzer, Pläne wie die Umwandlung in ein Kasino oder ein Kreuzfahrtschiff wurden aber verworfen. Im Jahr 1984 wurden die Möbel und die Innenausstattung versteigert. Seit 2011 befindet sich das Schiff im Besitz einer Bürgerinitiative, die für eine Erhaltung des legendären Dampfers kämpft.

An der Spitze der Bemühungen steht Susan Gibbs, Enkeltochter des Architekten William Francis Gibbs, der die "SS United States" einst entworfen hatte. Die Initiative bemüht sich um Spender und Investoren, als Zukunft für den Ozeanriesen schwebt den Mitgliedern eine Nutzung der 46 000-Quadratmeter-Fläche als Hotel, Apartmentkomplex, Büro oder Museum vor.

Die Kosten für den Liegeplatz in Philadelphia betragen allerdings 60 000 Dollar (52 000 Euro) im Monat, die trotz vieler Spenden aus den USA und der ganzen Welt nur schwer aufzubringen sind. "Wir waren niemals näher dran, die ,SS United States' zu retten, und wir waren niemals näher dran, sie zu verlieren", sagt Gibbs.

Legendärem Ozeanriesen "SS United States" droht die Verschrottung
Der einst stolze Luxusliner rostet in einem Dock in Philadelphia vor sich hin. Liegekosten im Monat: 52 000 Euro. Foto: afp

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20.10.2015, 12:00 Uhr
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