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Medizin

Lebensretter am Limit

Lange Schichten, müde Ärzte, viele Kranke – der Arbeitsalltag in Krankenhäusern wird immer härter. Ärztevertreter beklagen, dass zu wenig kontrolliert wird.

26.09.2019

Von JENS SCHMITZ

Vor allem im OP kann es gefährlich werden, wenn zu lange gearbeitet wird. Foto: Arne Dedert/dpa

Der größte deutsche Ärzteverbund fordert die Landesregierung auf, ärztliche Arbeitszeiten in Krankenhäusern besser zu kontrollieren. Eine Online-Petition soll diese Forderung stützen. Es gehe um die Sicherheit der Patienten, sagten Landes-Vertreter des Marburger Bunds in Stuttgart. „In den vergangenen Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen im ärztlichen Dienst in den Kliniken in Baden-Württemberg massiv verschärft“, sagte der Landes-Chef des Marburger Bunds, Frank Reuther. „Von unseren Mitgliedern, hauptsächlich Krankenhausärzte, bekommen wir täglich Anrufe, die von Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz sprechen.“ Die öffentliche Hand habe die Pflicht, die Einhaltung von Gesetzen zu kontrollieren.

Reuthers Stellvertreterin Sylvia Ottmüller berichtete, die vorgeschriebenen Ruhephasen in 24-Stunden-Schichten fänden etwa inzwischen überhaupt nicht mehr statt; zum Teil werde einfach durchgearbeitet. „Da kann es zu Fehlern kommen“, warnte Reuther. Aus Sicht des Marburger Bundes tragen unattraktive Arbeitsbedingungen auch zum Ärztemangel bei.

Hohe Diskrepanz

In Baden-Württemberg habe es im Vergleich zu Bayern und Nordrhein-Westfalen 2018 nicht nur deutlich weniger Kontrollen zur Arbeitszeit gegeben, rügen die Ärztevertreter unter Berufung auf eine branchenunabhängige Bundestagsanfrage. Die Diskrepanz bei den Beanstandungen sei sogar noch höher: In Bayern waren es 3026, in Baden-Württemberg 28.

2017 und 2018 hat der Marburger Bund nach eigenen Angaben beim Ministerium für Wirtschaft und Arbeit eine zeitlich begrenzte Schwerpunktprüfung angeregt. Ohne Erfolg jedoch, berichtete Vorstandsmitglied Jörg Woll: „Das Ministerium hat uns mitgeteilt, dass es keine eigenen Erkenntnisse über eine steigende Anzahl von Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz in den Krankenhäusern haben würde.“

Die Zuständigkeiten sind kompliziert, auch politisch: Die Kontrolle obliegt den Gewerbeaufsichtsämtern der Kreise, deren Landräte oft Aufsichtsratsvorsitzende bei Krankenhäusern sind. Die Rechts- und Fachaufsicht liegt bei den Regierungspräsidien. Sie haben dem Marburger Bund mitgeteilt, sie hätten nicht die Ressourcen für anlasslose Kontrollen.

Die Dienstaufsicht über die Kontrolleure wiederum hat unter anderem das Ressort von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), das Umwelt- und Arbeitsschutz gemeinsam betreut. Untersteller liegt mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) im Clinch um eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag, wonach die Aufsicht für den Arbeitsschutz in Hoffmeister-Krauts Bereich übergehen soll. Die CDU-Frau hat für den nächsten Doppelhaushalt 113 neue, rein dem Arbeitsschutz gewidmete Stellen beantragt. Informationen unserer Zeitung zufolge sind sie von Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) aber nicht vorgesehen.

Der Marburger Bund fordert die Landesregierung auf, neue Stellen zu schaffen, um regelmäßige, anlasslose Kontrollen zu ermöglichen. Die Zuständigkeit soll von den Kreisen zu den Regierungspräsidien wechseln. Die politische Zuständigkeit für den ärztlichen Bereich soll an das Sozialministerium gehen.

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Erstellt:
26. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 06:00 Uhr

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