Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Langsam sterben die Wirtshäuser
Unkraut statt Sauerkraut: Viele Traditionshäuser wie dieser Gasthof im Landkreis Wunsiedel müssen schließen. Foto: dpa
Gastronomie

Langsam sterben die Wirtshäuser

Die Ausgehgewohnheiten der Bürger wandeln sich, Nachfolger in der Branche fehlen. Das macht vielen traditionellen Gaststätten auf dem Land zu schaffen. Es gibt aber auch Ideen, wie sie überleben können.

19.09.2017
  • DPA

München. Eigentlich gibt es im deutschen Gastgewerbe derzeit wenig Grund zur Klage: Viele Menschen gönnen sich gern ein schickes Essen im Restaurant, beziehen Essenslieferungen frei Haus oder lassen es sich bei einem Hotelaufenthalt gut gehen. Das beschert der Branche ordentliche Umsatzzuwächse. Doch an vielen traditionellen Wirtshäusern vor allem in ländlichen Regionen geht der Boom vorbei. Seit Jahren schon gehen in immer mehr Dorfschänken, Biergärten und Wirtshäusern die Lichter für immer aus – und mit ihnen verschwindet auch ein gutes Stück Tradition.

Mittelpunkt des Dorflebens

Bundesweit ging die Zahl der Schankwirtschaften in den Jahren von 2009 bis 2015 von knapp 36 700 auf rund 31 100 zurück. Dabei galten gerade die klassischen Wirtshäuser lange Jahre als Mittelpunkt des Dorflebens. Ob Hochzeit, Frühschoppen oder Sonntagsschmaus, ob Schützenfest oder Faschingstanz – viele Einwohner trafen sich dort regelmäßig in geselliger Runde. Zugleich waren die Gasthäuser wichtige Abnehmer örtlicher Metzger und anderer Betriebe. „Wo die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort“, heißt es deshalb auch in einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt aus dem Jahr 2013.

Vor allem für viele jüngere Leute hat das klassische Wirtshaus seine Anziehungskraft verloren. Denn ähnlich wie die Vorlieben beim Essen und Trinken haben sich auch die Ausgehgewohnheiten gewandelt: Statt eine Halbe Bier in einer schummrigen Kneipe genießen sie lieber Cocktails in einer schicken Bar in der Stadt oder einen Latte Macchiato im Caféhaus.

Aber auch die Wirtsleute selbst haben ein Nachwuchsproblem: Oft finden sie niemanden, der sie am Zapfhahn oder in der Küche ablösen will, wenn der Ruhestand naht – und sind deshalb gezwungen, ihre Wirtschaft aufzugeben. Ihre Kinder haben da vielfach längst abgewunken und sich beruflich anderweitig orientiert, sagt Matthias Artmeier, Leiter der Fachbereichs-Geschäftsstelle Gastronomie beim Branchenverband Dehoga Bayern.

Lange Arbeitszeiten bei teils schmalem Verdienst wirkten wenig verlockend auf die jüngere Generation. Aber auch ein Verkauf oder die Weiterverpachtung des Lokals kommt dann häufig kaum noch in Betracht, weil sich auch außerhalb der Familie kaum jemand dafür findet. „Dann ist häufig Leerstand die Folge“, sagt Moritz Sporer von der auf die Tourismuswirtschaft und Freizeitbranche spezialisierten dwif-Consulting GmbH aus München.

Wer gegensteuern und sich auch Kundschaft sichern will, sollte sich möglichst etwas einfallen lassen, sagt Dehoga-Sprecher Christopher Lück. Besondere Events wie ein Barbecue-Abend oder besondere Speisenangebote könnten dabei helfen – ob frischer Fisch, vegane Gerichte, Fleisch aus der Region oder gute Hausmannskost von der Roulade bis zum Linseneintopf. Grundsätzlich biete die Branche Chancen und wachse seit 2010 stärker als die Gesamtwirtschaft, doch gebe es wie überall eben auch Gewinner und Verlierer. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.09.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular