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Beleibter Protestant

Landesmuseum widmet sich dem württembergischen Herzog Christoph

Der vor 500 Jahren geborene Herzog Christoph von Württemberg war einer der wichtigsten deutschen Fürsten im Reformationszeitalter: Das Landesmuseum in Stuttgart stellt ihn in einer großen Ausstellung vor.

23.10.2015
  • JÜRGEN KANOLD

Stuttgart Eine Ausstellung des Landesmuseums, die mit einem Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche eröffnet wird? Mit einer Predigt von Landesbischof Frank Otfried July? Ja, man feiert heute Nachmittag mit Herzog Christoph jenen Renaissancefürsten, der in seiner Regierungszeit von 1550 bis 1568 die Reformation endgültig im Lande verankerte und dessen 1559 erlassene "Große Württembergische Kirchenordnung", verfasst von Johannes Brenz, über die deutschen Grenzen hinaus Beachtung gefunden hatte: ein 568 Seiten starkes Regelwerk, das auch das soziale und politische Leben in Württemberg prägte.

1515, also vor 500 Jahren, kam dieser Christoph in Urach auf die Welt. Und nur zwei Jahre später, 1517, nagelte Martin Luther seine 95 Thesen in Wittenberg ans Tor der Schlosskirche. Diese Ausstellung jetzt im Alten Schloss mit rund 250 Objekten, gefördert von der Bundesregierung, ist schon mal ein Beitrag zum Reformationsjubiläum und richtet den Blick auf Württemberg.

Und sie zeigt einen "top aktuellen" Herzog Christoph, der damals eine "Bildungsoffensive" gestartet hatte, wie Landesbischof July gestern vor der Presse sagte. Dass die Jugend "der hoechst schatz einer Burgerschaft" sei, hatte schon Johannes Brenz, der "Cheftheologe" Christophs, erkannt. Der Herzog nun wandelte Klöster in Schulen um, von Blaubeuren bis Lorch, und die Absolventen der höheren Lateinschulen in Bebenhausen, Herrenalb, Hirsau und Maulbronn konnten direkt an die Universität nach Tübingen wechseln.

Landesbischof July geht so weit, dass er Christoph geradezu als einen Mitbegründer des heute bedeutenden Wirtschaftsstandorts Württemberg rühmt. Auch seien in Christophs Regierungszeit vorbildhaft barmherzig Glaubensflüchtlinge aus ganz Europa aufgenommen worden, betont July. In der "Armenkastenordnung" habe der Herzog die christliche Pflicht angemahnt, den Menschen zu helfen, "die gar mit tieffer armut, alter oder sonst schwerer leibs kranckheit dermassen beladen, das sie nitmehr arbeiten und dienen mögen". Und noch in seinem Testament sorgte sich Christoph, dass die Fürsten nicht ihre eigene Wollust und "weltliche Üppigkeit" suchen sollten, sondern "den gemeinsamen Nutzen vor dem eigenen" befördern.

Apropos Üppigkeit: Christoph war derart beleibt, dass er nicht reiten konnte und ihn sein Vater, Herzog Ulrich, warnte: Er werde noch "so feist wie eine Mastsau". Das Landesmuseum zeigt Harnische aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, die Ulrich und Christoph gehörten - dass der Sohn nicht in die taillierte, sondern in die massige Rüstung passte, ist klar. Der friedvolle Christoph, der fromme und edle Herrscher, er regierte nicht spartanisch. Er war Lutheraner, aber zeitgemäß ein Renaissancefürst, auch ein Netzwerker, der die Töchter dynastisch verheiratete.

Die Ausstellung erzählt das mit vielen Exponaten: zum Beispiel mit einer Armbrust. Über 500 Schützen waren 1560 in Stuttgart bei einem 18 Tage langen Armbrustschießen. Christoph war überhaupt ein passionierter Jäger, auch anderer Müßiggang, darunter Glücksspiel, war ihm nicht fremd. Die Hofkapelle hatte gute Zeiten unter ihm. Und eine "Bauwut" legte er an den Tag, im ganzen Land, nicht zuletzt erweiterte er das mittelalterliche Wasserschloss in Stuttgart zur repräsentativen Residenz mit dreiflügeligem Arkadenhof - im Alten Schloss in Stuttgart hat seit 1969 das Landesmuseum Württemberg seinen Sitz.

Was das gekostet haben mag? Offenbar gelang es Christoph, gut hauszuhalten in seinem Herzogtum - er führte auch keine Kriege. Hohe Wertschätzung war ihm in späteren Jahrhunderten gewiss, was nicht zuletzt das Denkmal auf dem Schlossplatz in Stuttgart beweist.

Das jüngste Exponat der Ausstellung ist eine Flasche Lemberger: "Herzog Christoph"-Wein aus Cleebronn-Güglingen, wo übrigens im Gasthof "Herzogskelter" ein "Herzog Christoph Teller" angeboten wird mit "einer Scheibe Rinderfilet und zwei Schweinemedaillons mit Champignonrahmsoße, Jus, Maultasche, Spätzle und Salat mit Sauerrahmdressing". Eine richtige Herzog-Christoph-Portion.

Sehr irdisch ist auch der erhaltene Privatnachlass des Monarchen: einzig ein Deckelbecher aus Elfenbein, der nachweislich ihm gehörte. Christoph ist eher mit seinen Taten in der Geschichte präsent.

Landesmuseum widmet sich dem württembergischen Herzog Christoph
Stattlich, beleibt, aber auch ein Friedensfürst, der eine Bildungsoffensive startete: Herzog Christoph von Württemberg. Fotos: © H. Zwietasch; Landesmuseum Württemberg

Landesmuseum widmet sich dem württembergischen Herzog Christoph
Die Residenz des Renaissancefürsten: das Alte Schloss in Stuttgart mit dem Arkadenhof - heute Landesmuseum.

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23.10.2015, 12:00 Uhr
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