Studium

Landärzte: 75 Studenten pro Jahr

Regierung will die Ausgewählten auf zehn Jahre verpflichten. Bei Vertragsbruch drohen 250 000 Euro Strafe.

26.09.2020

Von LSW

Wird seltener: Hinweisschild auf einen Arzt. Foto: Tom Weller/dpa

Stuttgart. Die grün-schwarze Landesregierung will am Dienstag die Kabinettsvorlage zu einer Landarztquote beschließen. Das bedeutet, von 2021 an sollen 75 Studienplätze in der Humanmedizin an Interessenten vergeben werden, die Landarzt werden möchten, aber nach dem herkömmlichen Verfahren keinen Studienplatz bekommen haben.

Diese Studenten verpflichten sich, nach ihrem Studium für zehn Jahre als Hausarzt in einem Gebiet zu arbeiten, in dem es Ärztemangel gibt. Halten sie sich nicht an den Vertrag, droht ihnen laut der Kabinettsvorlage eine Strafe von bis zu 250 000 Euro.

Die Landesregierung verspricht sich von der Landarztquote eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung auf dem Land. „Es ist zu erwarten, dass viele dieser Ärztinnen und Ärzte auch nach Ablauf der Verpflichtungszeit von zehn Jahren weiterhin an dem Praxisort tätig bleiben werden, da sie sich dann bereits über einen längeren Zeitraum etabliert haben“, heißt es in einer Anlage zur Kabinettsvorlage.

KVBW zeigt sich skeptisch

Man rechne fest damit, die ersten Plätze bereits zum Sommersemester 2021 in Tübingen über die Quote vergeben zu können, schrieb Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart. An anderen Unis beginne das Verfahren erst zum Wintersemester, da dort nur dann das Medizinstudium beginnt.

Im Frühjahr 2021 soll das Auswahlverfahren starten. Die Landesregierung rechnet mit rund 1350 Bewerbungen im Jahr. Für die Bewerbung, die Beratung und die Überwachung soll extra eine Stelle eingerichtet werden. Die Landesregierung plant mit Kosten von rund 1,3 Millionen Euro im Jahr 2021 und von 2022 an mit rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) geht von derzeit knapp 640 unbesetzten Stellen für Hausärzte aus. Von den 7073 Hausärzten (Stand: 1. Juli) im Land seien 37 Prozent über 60 Jahre alt. Die KVBW betrachtet die Quote mit Skepsis. Es dauere mindestens zwölf Jahre, bis der erste Arzt damit auf dem Land seine Arbeit aufnehme. dpa

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Erstellt:
26. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. September 2020, 06:00 Uhr

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