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Ohne Deutsch kein Job

Land will dem Mangel an Sprachkursen für Flüchtlinge entgegenwirken

Tausende Flüchtlinge suchen in Baden-Württemberg nach Arbeit. Doch sie scheitern häufig selbst mit einer guten Ausbildung. Grund: ein Mangel an Deutschkursen. Die Politik will gegensteuern.

22.10.2015
  • SWP

Stuttgart Egal ob Schiffsoffiziere, Architekten oder Ärzte: Selbst mit guter Ausbildung haben es viele Flüchtlinge im Land schwer, eine Arbeit zu finden. Sie scheitern häufig an der Sprache. Die Politik will den Einstieg von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt jetzt beschleunigen. Schon bei ihrer Ankunft in den Landeserstaufnahmestellen (Lea) sollen berufliche und sprachliche Fähigkeiten erfasst werden. Das Problem: Es dauert oft zu lang, bis Asylbewerber Deutsch lernen können.

"Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Grundvoraussetzung für die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt", sagt Christian Rauch, Chef der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit (BA). "Momentan ist das Angebot an Sprachkursen noch zu gering und die Wartezeiten sind zu lang."

Bei den von der Arbeitsagentur und Kommunen gemeinsam geführten Jobcentern sind derzeit laut Rauch 6782 anerkannte Asylbewerber arbeitslos gemeldet. Mehr als 80 Prozent von ihnen hätten "absolut gar keine Deutschkenntnisse", die Jobvermittlung sei "extrem schwierig." Zwischen der Ankunft der Flüchtlinge und der Möglichkeit, die deutsche Sprache von Grund auf zu lernen, vergingen teilweise sechs bis acht Monate, so Rauch.

Die Hälfte dieser Kurse findet an Volkshochschulen statt. Der Deutsche Volkshochschulverband rechnet damit, dass durch diese Öffnung "nahezu doppelt so viele Menschen an den Kursen teilnehmen werden", wie ein Sprecher sagte. Schon heute sei der Lehrermangel das größte Problem, viele Schulen hätten ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Situation sei nur mit zusätzlichen finanziellen Mitteln zu bewältigen.

Dass sich der Enpass an Lehrern noch verschärfen könnte, sieht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nicht: "Wir haben von unserer Seite alle Vorbereitungen getroffen", sagte eine Bamf-Sprecherin. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann davon ausgegangen werden, dass genug Lehrkräfte und Kurse vorhanden sind." Die BA will im Land Deutschkurse für mehr als 10 000 Flüchtlinge finanzieren. Die Kurse sollen noch dieses Jahr beginnen. Sie seien für jene Asylbewerber, die gute Anerkennungschancen hätten, bisher aber nicht an einem Integrationskurs des Bamf hätten teilnehmen können.

Auch die Landesregierung will eine schnellere Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt ermöglichen. "Unser Ziel ist es, möglichst früh einen Beratungsprozess zu starten, der mit einer Standortbestimmung beginnt", sagte die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) gestern bei einem Besuch in der Lea in Meßstetten (Zollernalbkreis). Dazu sollen erstmals in allen Leas flächendeckend Sprachkenntnisse und Qualifikationen von Asylbewerbern erfasst werden. Vorher gab es solche Erhebungen nur vereinzelt in Modellprojekten.

Vorreiter ist seit Juli die Lea in Meßstetten, die anderen Standorte sollen folgen. Ermittelt werden dort etwa Sprachkenntnisse, Schul- und Berufs- und Studienabschluss, Berufserfahrungen, und ob Nachweise wie Zeugnisse und ein Führerschein vorhanden sind. Die Informationen sollen dann den für die Koordinierung der Integrationsmaßnahmen in den Stadt- und Landkreisen zuständigen Netzwerken und deren Partnern wie Jobcenter, Kammern, Ausländerbehörden und Schulämtern zu Verfügung stehen.

Land will dem Mangel an Sprachkursen für Flüchtlinge entgegenwirken
Deutschunterricht für Flüchtlinge: Schon bei ihrer Ankunft in den Landeserstaufnahmestellen sollen berufliche und sprachliche Fähigkeiten erfasst werden. Foto: dpa

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22.10.2015, 12:00 Uhr
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