Stuttgart/Tübingen

Corona-Schnelltests: Land übernimmt Tübinger Weg

Nach dem Gespräch zwischen Lisa Federle und Manfred Lucha ist klar: Das Tübinger Test-Projekt hat Modellcharakter für Baden-Württemberg.

02.12.2020

Von Lisa Maria Sporrer

Oberbürgermeister Boris Palmer stellte am Donnerstag mit Lisa Federle und Dieter-Thomas Kuhn (am rechten Bildrand) die Tübinger Schnelltest-Strategie. Archivbild: Ulrich Metz

Über eine Stunde hat das Vier-Augen-Gespräch zwischen der Tübinger Notärztin Lisa Federle und dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha gedauert. Danach war er nicht nur engagiert, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen möglichst schnell im Notfall Antigen-Schnelltests aus der Landesreserve zukommen zu lassen; er will auch das aktuelle Weihnachtsspendenprojekt des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs, Schnelltests für alle, landesweit nachahmen.

Bei dem Treffen am Montagabend im Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart, sprach Lucha von 25 baden-württembergischen Städten, die an Heiligabend oder vielleicht schon einen Tag zuvor auf zentralen Plätzen kostenlose Schnelltests anbieten könnten. Denn „Stille Nacht, einsame Nacht? Muss nicht sein!“, wie es auf dem Plakat zu der Tübinger Aktion heißt, müsse auch in anderen Landkreisen nicht sein. Nach einem weiteren Telefonat zwischen Federle und Lucha am Dienstagabend ist es mittlerweile offen, ob das Sozialministerium die Aktion nicht doch in mehr Städten organisieren will. Das hänge letztlich auch davon ab, wie sich die „Blaulichtfamilie“ (Deutsches Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter, ASB), die die Tests organisieren und durchführen werden, jeweils aufstellen kann, sagt Federle.

Weder von konkreten Städten und Standorten noch von bestimmten Tagen war etwas in der gemeinsamen Presseerklärung von Lucha und Federle zu lesen. Nur so viel: „Ich habe mich mit Dr. Federle darauf verständigt, dass wir diese vorbildhafte vorweihnachtliche Aktion landesweit übernehmen wollen“, so Lucha.

Tausende Covid-19-Tests wurden am 13. November in der Tübinger Österbergstraße angeliefert. Bild: Fabian Renz-Gabriel

Das Vier-Augen-Gespräch sei sehr konstruktiv und auch freundlich gewesen, erzählt Federle, die ins Ministerium geladen wurde, nachdem sie scharf mit Lucha ins Gericht gegangen war und dem Sozialministerium vorgeworfen hatte, zu spät und zu wenige Schnelltests für die Altenheime bestellt zu haben. Nach dem Treffen seien sie sich aber einig gewesen, dass einem wirksamen Schutz der vulnerablen Gruppen – also gerade auch der Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeeinrichtungen – in der Corona-Pandemie oberste Priorität zukommen muss. Darüber vergisst Federle auch alle vorherigen Streitigkeiten. „Das funktioniert nur als Team“, sagt sie. Und Lucha schreibt: „Lisa Federle ist eine Pionierin der aufsuchenden Hilfe und setzt sich auf bewundernswerte Weise seit langem für die Schwächsten in unserer Gesellschaft ein.“

„Ich freue mich darüber, dass der Sozialminister das ,Tübinger Modell‘ als Vorzeigeprojekt für das Land anerkannt hat. Kein Mensch sollte das Weihnachtsfest einsam und alleine zu Hause verbringen müssen. Deshalb ermöglichen wir es Angehörigen von älteren, kranken und pflegebedürftigen Menschen, sich in der Vorweihnachtszeit kostenlos testen zu lassen, um ihre Lieben dann besuchen zu können. Dadurch können wir die Menschen schützen, ohne sie isolieren zu müssen“, so Federle.

Wann es wo kostenlose Schnelltests gibt

Bisher ist es so: In Tübingen können sich die Menschen am Donnerstag und Freitag (16 bis 18 Uhr) am Marktplatz sowie am Samstag (11 bis 13 Uhr) beim Stadtmuseum kostenlos per Schnelltest untersuchen lassen.

Dienstags steht das Arztmobil zum Schnelltesten in Mössingen, mittwochs in Rottenburg, jeweils von 16 bis 18 Uhr.

Weil sich die Zeiten und auch die Tage kurz vor Weihnachten und an den Weihnachtsfeiertagen aber ändern können, weisen wir jeden Tag, an dem das Arztmobil mit Schnelltests unterwegs ist, mit einem kleinen Kästchen im TAGBLATT darauf hin, wo und wann das Testen angeboten wird.

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Erstellt:
2. Dezember 2020, 14:53 Uhr
Aktualisiert:
2. Dezember 2020, 14:53 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Dezember 2020, 14:53 Uhr

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