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Lebens-Wert

Lässig. Ungezwungen. Frei.

Stars & Stripes – unter diesem Label vertreibt Robert Kastori – inzwischen gemeinsam mit Sohn Simon – seit 30 Jahren Western Fashion. Das Unternehmen mit Sitz in Kirchentellinsfurt hat sich zum europaweit führenden Großhändler in diesem Bereich etabliert. Die Kastoris vertreiben aber bei weitem nicht nur Textilien, sondern stehen für ein ganz besonderes Lebensgefühl.

05.10.2018
  • TEXT: Birgit Pflock-Rutten|FOTOs: Jörg Romanowski

Der Einstieg in den Handel mit Westernmode verlief mit Aufs und Abs. 1982 begann Robert Kastori mit einem Garagenverkauf. Es folgte ein Laden in der Reutlinger Lederstraße, der Durchbruch blieb allerdings aus. Ab 1986 waren Robert Kastori und seine Frau Michaela mit einem Riesentruck auf Festivals unterwegs –dort florierte das Geschäft. 1988 schließlich gründete er „Stars & Stripes“, als Großhandel für Westernkleidung. Zehn Jahre später zieht sich Kastori ganz vom Einzelhandel zurück.

Den reinen Import der Textilien ergänzte Kastori dann mit der Produktion des eigenen Labels. Ein mutiger Sprung: „Vor dem ersten Container hatte ich richtig Angst – diese Menge musste erstmal verkauft werden!“ Aber dem Label gelang ein furioser Start: 290000 Mark Umsatz im ersten Jahr, im dritten Jahr waren es schon 1,2 Millionen. „Der Markt war damals nicht bedient, dementsprechend groß war die Nachfrage.“ Parallel sorgte die Wende für einen weiteren Schub. „Die Nachfrage nach Western Fashion in den neuen Bundesländern war enorm. Wir haben die USA nach Chemnitz, Leipzig und Dresden gebracht“, schmunzelt Kastori.

Nach mehreren Umzügen im Reutlinger Stadtbereich erfolgte 2006 der Umzug in das heutige Firmengebäude in der Johannesstraße in Kirchentellinsfurt. Büro- und Lagerfläche wurden verdoppelt, die Strukturen optimiert und neue Software installiert. Das Fazit: 30 Prozent Umsatzsteigerung. „Wir bekamen schon Panik, dass der Platz wieder nicht reicht.“

Westernmode weltweit begehrt

Stars & Stripes ist ein Familienunternehmen: Sohn Simon ist vor rund sechs Jahren in die Geschäftsleitung eingestiegen, zusammen mit seinem Vater entwirft und designt er auch die Kollektionen. Robert Kastoris Ehefrau Michaela ist für Marketing und Mediengestaltung zuständig. Daneben sind sechs Festangestellte im Unternehmen beschäftigt. Produziert wird in Mexiko, Kolumbien, China, Indien, Pakistan, Türkei und in den USA.

Seit seiner Gründung hat sich Stars & Stripes zum europaweit führenden Großhändler im Bereich Western Fashion entwickelt. Im Sortiment sind Hüte, Westen, Jacken, Hemden, Cowboystiefel und Accessoires – für nahezu alle Styles von Westernreiten über Rockabilly, Old Style bis zum Line Dance. „Keiner hat sich so etabliert wie wir“, sind die Kastoris ein bisschen stolz.

Auch über die Grenzen Europas hinaus ist das Unternehmen aktiv. „Kanada zum Beispiel ist durch die aufgehobenen Handelsbeschränkungen ein offener Markt für uns“, so Robert Kastori. „Auch in den USA – wo Western ein großer Markt ist – waren wir mit zwei Ketten in Kontakt, die sehr interessiert waren.“ Letztendlich konnten diese aber die Importbarrieren nicht erfüllen –die Nebenkosten wären zu hoch gewesen.

Alles in allem: „Unsere Branche hat Zukunft,“ sind die Kastoris überzeugt. Um die Privatkunden, die in Kirchentellinsfurt vor dem Firmengebäude stehen und einkaufen wollen, nicht wieder wegschicken zu müssen, hat Stars & Stripes seit Juni einen Outletstore ganz im Western-Style eingerichtet, der freitags und samstags geöffnet hat.

Handel ist nicht politisch

Erst in jüngerer Zeit gab es bei Stars & Stripes unerwartete Umsatzrückgänge. Einen der Gründe dafür vermuten die Kastoris darin, dass sie „coolen“ USA etwas an Image und ihrer Vorbildfunktion verloren haben. Nicht nur wegen der derzeitigen politischen Situation. „Auch aus der Musikszene oder dem Sport kommen keine wirklich neuen Trends mehr,“ so Simon Kastori. Aber das Bewährte bleibt ja: „Harley und Amicars sind nach wie vor cool. Die Lagerfeuerromantik ist unserer Szene nicht zu nehmen!“ Bei Robert Kastori, selbst passionierter Harleyfahrer, ist die Begeisterung nicht zu überhören. Das Politische bleibt bei ihm außen vor: „Handel ist nicht politisch“, sagt er. Auch Religion sei kein Thema unter Geschäftsleuten. „Handel überbrückt Grenzen und Spannungen. Megakonzerne hingegen, die politischen Einfluss auf Regierungen nehmen, machten den Handel kaputt“, ist er überzeugt. „Aber die Freiheit, dass wir uns unser Lebensgefühl und unseren Lebensstil selbst heraussuchen können, die wollen wir uns von niemanden nehmen lassen“, sind sich Vater und Sohn einig.

Events in aller Welt

Das Kirchentellinsfurter Unternehmen ist weit über den Handel hinaus in der Szene bekannt. „Wir sind DIE Ansprechpartner für das Thema Western und die entsprechenden Events“, sagt Simon Kastori. Eine Fotowand im Showroom zeugt von den unzähligen Begegnungen mit den Großen aus Film-, Mode- und Showbranche – mit den Klitschkos, bei Events von Hugo Boss, bei Filmpremieren, bei Fotoshootings in Kalifornien – und, und, und... Zu den großen Kunden zählen Eurodisney, auch Chanel und YSL hat das Unternehmen schon mit Accessoires ausgeholfen. Die Tänzer um Madonna wurden auf ihrer Europatournee für deren Hit „Don´t tell me“ ausgestattet. Stars & Stripes war bei den Deutschlandpremieren von „Django Unchained“ und „Lone Ranger“ mit im Boot, und mit dem Label wurde auch die ganze Dallas-Familie eingekleidet, als sie 2007 in Europa auf Charity-Tour war.

Im vergangenen Jahr bekamen die Kastoris sogar Post von der Produktionsfirma von Steven Spielberg, die das Hemd „Kevin“ für die Dreharbeiten verwenden wollte. „Wir haben jetzt einen Hollywood-Vertrag“, grinst Simon Kastori. „Es ist eine große Ehre für uns. Solche Sachen passieren uns immer wieder und wir wissen nie, was noch auf uns zukommt.“

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05.10.2018, 08:00 Uhr
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