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Frankfurt/Köln

Lärmwirkung auf Gesundheit offenbar geringer als angenommen

Chronischer Verkehrslärm birgt nach dem Ergebnis der Lärmwirkungsstudie NORAH geringere Gesundheitsrisiken als bisher angenommen.

29.10.2015
  • dpa

Frankfurt/Köln. Das ist das Fazit von Wissenschaftlern mehrerer Disziplinen, die fünf Jahre lang die gesundheitlichen Auswirkungen von Flug-, Straßen- und Schienenlärm im Rhein-Main-Gebiet sowie in den Regionen Köln-Bonn und Stuttgart untersuchten. NORAH steht für Noise-Related Annoyance, Cognition and Health. Neben Fluglärm wurde auch der Lärm von Straßen- und Schienenverkehr einbezogen.

Verkehrslärm könne das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen, berichteten die NORAH-Autoren am Donnerstag in Frankfurt. Ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken, habe sich vor allem bei Menschen gezeigt, die dauerhaft Fluglärm ausgesetzt sind. Diese psychischen Folgen seien bisher kaum beachtet worden.

In Teilstudien hatten sich die Forscher mit der Lebensqualität, dem Schlafverlauf, der Häufigkeit von Krankheiten im Rhein-Main-Gebiet und der Veränderung des Blutdrucks in Lärm-Gebieten beschäftigt. Subjektiv fühlten sich die Menschen rund um alle untersuchten Flughäfen stark belästigt. Diese Beeinträchtigung der Lebensqualität sei bei gleichbleibendem Dauerschallpegel in den vergangenen Jahren gestiegen. Aber anders als in früheren Studien sei bei den NORAH-Untersuchungen kein Effekt auf den Blutdruck nachweisbar gewesen.

Positive Wirkung bescheinigen die Wissenschaftler dem Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen: Seit 2011 eine sechsstündige Ruhezeit in der Nacht eingeführt wurde, schlafen die Anwohner nach den Ergebnissen der Studie besser. Die Einstellung zum Flugverkehr spielt offenbar eine Rolle: Menschen, die der Fliegerei positiv gegenüberstehen, schlafen besser als Flugverkehr-Kritiker.

Auch am Flughafen Köln/Bonn fühlen sich Anwohner durch den Fluglärm massiv gestört und beklagen gesundheitliche Folgen. Seit Jahren beschäftigt der Airport die Gerichte. Zu den Forderungen von Gegner des umfangreichen Flugbetriebs gehört ein Nachtflugverbot. Mehrere Kläger hatten jüngst beim Oberverwaltungsgericht in Münster die Rechtmäßigkeit des Flughafenbetriebs in Frage gestellt. Das Gericht wies die Klage im Juli als unzulässig ab.

Für die Studie wurde die Belastung durch Flug-, Straßen- und Schienenlärm im Raum Frankfurt für 900 000 Gebäude berechnet. Zusätzlich wurden Lärmdaten von je 2500 Anwohnern der Flughäfen Köln-Bonn und Stuttgart erhoben. Zur Belästigung wurden 29 000 Flughafen-Anwohner befragt, für die Krankheitsrisiken wurden Krankenkassendaten von rund einer Million Menschen im Rhein-Main-Gebiet ausgewertet, an der Schlafstudie nahmen rund 200 Menschen teil, an der Blutdruckstudie 844 Menschen.

Das Ergebnis der Teilstudie zur Entwicklung von Kindern ergab, dass Grundschulkinder bei ständigem Fluglärm langsamer Lesen lernen. Mindestens einen Monat länger als andere brauchen Zweitklässler dafür in Grundschulen rund um den Frankfurter Flughafen. Dieses Ergebnis wurde bereits vor einem Jahr veröffentlicht.

Die Lärmwirkungsstudie NORAH sei international die bislang umfangreichste Studie zu den Auswirkungen von Verkehrslärm auf Gesundheit und Lebensqualität von Menschen, sagte Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsmitglied des Frankfurter Forums Flughafen und Region, das die Studie in Auftrag gegeben hatte. Es sei beruhigend, dass die befürchteten schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch den Flugverkehr im Rhein-Main-Gebiet nicht zu erkennen seien. Aber: «Verkehrslärm insgesamt stellt ein relevantes Thema dar, so dass auch bei der Straße und Schiene der Lärmschutz eine entsprechende Beachtung bekommen muss.»

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29.10.2015, 12:00 Uhr
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