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Uni-Klinikum Tübingen

Michael Bamberg zur Klinik-Studie: Länger mit Blaulicht unterwegs

Viele kleine Krankenhäuser werden die nächsten Jahre nicht überstehen, sagt Klinikums-Chef Michael Bamberg.

17.07.2019

Von Angelika Bachmann

Patienten suchen nicht immer die nächstgelegene Klinik auf, sondern sind bereit, auch weitere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um (wie hier im OP der Tübinger Crona-Kliniken) in einem medizinischen Zentrum behandelt zu werden. Archivbild: Ulrich Metz

Deutschlandweit sollten mehr als die Hälfte der Krankenhäuser geschlossen werden: Sie seien zu klein, um die notwendige medizinische Qualität aufrecht erhalten zu können. Zu diesem Schluss kommt die am Montag veröffentlichte Bertelsmann-Studie. Für den Chef des Tübinger Universitäts-Klinikums, Michael Bamberg, ist das keine überraschende Erkenntnis: Kliniken, die weniger als hundert Betten haben, werden in Zukunft kaum bestehen können, sagt Bamberg, der das Tübinger Klinikum seit 1997 leitet.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass es für kleine Häuser immer schwieriger werde, Pflegekräfte und Ärzte zu finden. Auch Nachwuchsmediziner, die ihren Facharzt machen, könne man immer seltener für diese Einrichtungen gewinnen. Krankenhäuser, die nur noch eine Innere Abteilung, eine Chirurgie und eine Anästhesie haben, leiden aber nicht nur an Personalmangel. Auch Patienten nähmen häufig lieber längere Wege zu den medizinischen Zentren auf sich. Selbst bei Notfällen, sagt Bamberg, sei es mitunter sinnvoller, „eine Viertelstunde länger mit Blaulicht unterwegs zu sein“, um dann dort behandelt zu werden, wo Experten aller Fachdisziplinen rund um die Uhr zur Verfügung stehen – und die Ausstattung den neusten Standards entspreche. Oft brauche man für die Erstbehandlung eben nicht nur einen Internisten, sondern zum Beispiel auch noch einen Neurologen oder einen Geriater. Für kleinere Häuser ist es jedoch unmöglich, alle diese Fachdisziplinen zu bedienen.

Kommission zur Krankenhausplanung gefordert

Dem Landessozialminister Manne Lucha habe er schon vor zwei Jahren dringend nahegelegt, eine Kommission zur landesweiten Krankenhausplanung einzurichten, auch um die Entscheidungen nicht allein bei den kommunal Verantwortlichen zu belassen. „Klar: Kein Landrat und kein Oberbürgermeister sieht gut aus, wenn ein Krankenhaus geschlossen wird.“ Schließungen werden sich aber nicht verhindern lassen, ist Bamberg überzeugt. Und wenn es nicht landesweit gesteuert werde, gebe es ein „ungeplantes Krankenhaus-Sterben“.

Klinikums-Chef Michael Bamberg. Bild: Ulrich Metz

Probleme könnten dabei sowohl westlich des Kreises Tübingen entstehen (wo es im Klinikverbund Südwest unter anderem mit den Krankenhäusern Böblingen, Sindelfingen und Herrenberg sowie Calw und Nagold eine Ballung gibt) – als auch im Kreis Reutlingen. „Ich glaube, dass der Kreis Reutlingen sich langfristig auf einen Standort konzentrieren muss“, sagt Bamberg. Für die Albklinik Münsingen und die Ermstalklinik Bad Urach sieht er wenig Zukunftschancen als Krankenhaus klassischer Form – eher als Medizinstandort mit Ärztehaus oder einem Zentrum für Kurzzeitpflege.

„Wir wollen gar nicht alle“

Das Uni-Klinikum auf dem Tübinger Schnarrenberg hat derzeit mehr als 1500 Betten. Die Zahl wird noch einmal steigen, wenn Mitte der 20er Jahre der große Gelenkbau zwischen der Crona und der Medizinischen Klinik gebaut wird. Geplant ist dann die Einrichtung einer geriatrischen Fachabteilung, sagt Bamberg. Auf einen großflächigen Ausbau der Bettenzahlen angesichts möglicher Klinikschließungen sei man aber nicht aus, versichert Bamberg. „Wir wollen gar nicht alle. Wir sind froh, dass wir Reutlingen, Freudenstadt, Balingen und Albstadt haben.“

Mit vielen Krankenhäusern in der Region gibt es bereits Kooperationsprojekte. Das Oberndorfer Krankenhaus zum Beispiel wird von der Tübinger Radiologie mit betreut. Mit der Zollernalbklinik gibt es eine Kooperation zur Telemedizin in der Intensivmedizin. Für die dezentrale Versorgung werde die Telemedizin in Zukunft eine große Rolle spielen, so Bamberg. Sie kann helfen, Fachärzte im ländlichen Raum bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Auch in der Notfallmedizin müsse sie Einzug halten. „Rettungswagen müssen entsprechend ausgerüstet werden, so dass sie zum Beispiel schon mal ein EKG in die Klinik überspielen können, während der Patient noch auf dem Weg ist.“

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Erstellt:
17. Juli 2019, 12:10 Uhr
Aktualisiert:
17. Juli 2019, 12:10 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 12:10 Uhr

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