Elektropop

Lady Gaga: Tanzen als Therapie

Lady Gaga singt auf dem neuen Album „Chromatica“ in vielen Songs über den Umgang mit Schmerz.

30.05.2020

Von Lisa Forster

Das Cover der neuen Platte von Lady Gaga. Foto: Universal Music/dpa

Berlin. Mobbing, Depressionen, chronische Schmerzen und eine Vergewaltigung – Stefani Joanne Angelina Germanotta – alias Lady Gaga – spricht offen über Traumata. Das ist gut zu wissen, wenn man sich „Chromatica“, das neue Album der 34-jährigen amerikanischen Popmusikerin anhört. Denn die Verarbeitung dieser Erlebnisse zieht sich durch – auch wenn man das beim ersten Hören kaum merkt.

Zum Beispiel in der Single „Rain on Me“, einer Zusammenarbeit mit Ariana Grande. „I‘d rather be dry, but at least I‘m alive“ (etwa: Ich wäre lieber trocken, aber zumindest bin ich am Leben), singen die Musikerinnen .

Grande hat selbst in ihrer Karriere schlimme Erfahrungen gemacht. Dass „Rain on Me“ am dritten Jahrestag des Selbstmordattentats veröffentlicht wurde, bei dem am 22. Mai 2017 auf einem Konzert von Grande in Manchester 22 Menschen und der Attentäter starben, ist vermutlich kein Zufall.

Mit diesem Song ist der Grundstein gelegt für das Thema, das „Chromatica“ bestimmt: Tanze mit dem Schmerz und mache ihn dadurch erträglich. Ein Album wie eine Therapie.

In „Free Woman“ geht es darum, dass die Sängerin Kontrolle über sich selbst gewinnt – auch das ein Anlass zum Tanzen: „This is my dancefloor I fought for“ (etwa: Das ist meine Tanzfläche, für die ich gekämpft habe).

Musikalisch kehrt Lady Gaga nach Ausflügen in die Folk-Musik mit dem Film „A Star is born“ zu dem zurück, wofür sie ab 2008 berühmt geworden ist: Elektropop mit einfachen, krachenden Melodien. „Stupid Love“ etwa, die erste Single-Auskopplung aus ihrem sechsten Studioalbum, ist eine klassisch stampfende Lady-Gaga-Tanznummer mit donnernden Synthesizern. Viele der Songs erinnern an Dancepop aus den 90er Jahren. Doch mit alten Krachern wie „Bad Romance“ oder „Born This Way“ kann leider nicht einmal ein Duett mit Elton John („Sine from Above“) mithalten. Lady Gaga betont in Interviews regelmäßig, dass Selbstliebe und Güte ihr Schaffen motivierten. Ihre „Born This Way“-Stiftung betreibt neuerdings eine digitale Plattform, auf der junge Menschen etwa ihre Erfahrungen mit Mobbing schildern können.

Dahinter mag Marketing-Kalkül stecken. Doch es gibt wenig Popmusikerinnen, die so offen Themen wie psychische Gesundheit oder sexuelle Gewalt ansprechen. In Zeiten, in denen etwa Hass und Hetze im Internet erschreckend weit verbreitet sind, ist es deshalb eine gute Geste, wenn Popstars ihrem Millionenpublikum sichere digitale Räume schaffen oder ermutigende Botschaften mit auf den Weg geben.

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Erstellt:
30. Mai 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Mai 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2020, 06:00 Uhr

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