Tschechien

Kurze Hosen für Vaclav

Wie ehrt man einen verstorbenen Präsidenten, zumal wenn er so beliebt war wie Vaclav Havel? Mit kurzen Hosen. So heute in Tschechien.

18.12.2012

Von HANS-JÖRG SCHMIDT

Prag Tschechische Fotografen können sich freuen: Eine Bildstrecke mit tschechischen Männern in zu kurzen Hosen hätte gute Chancen, unter den "Fotos des Jahres" zu landen. Facebook-Aktivisten haben dazu aufgerufen, heute mit gekürzten Beinkleidern aus dem Haus zu gehen. Die Aktion soll an den genau vor einem Jahr verstorbenen Präsidenten Vaclav Havel erinnern. Der hatte in den Wirren der Revolutionstage 1989 keine Zeit, zu einem Schneider zu gehen. Die Folge: Bei seiner Amtseinführung trug er Anzughosen, die deutlich zu kurz waren.

Diese typisch tschechische Aktion, die an Schwejk erinnert, ist jedoch nur eine von vielen, die dem früheren Präsidenten gewidmet wird. Auf dem Prager Wenzelsplatz wird es ein Treffen derer geben, die trotz des vorweihnachtlichen Stresses an Havels Traum von einer besseren Welt glauben. In der Tyn-Kirche auf dem Altstädter Ring wird ein Requiem zu Ehren Havels erklingen.

Die Erinnerung an Havel ist bei den Tschechen lebendig. "Er fehlt uns fürchterlich", sagte Außenminister Karel Schwarzenberg. Selbst Havels langjähriger Widersacher, der heutige Präsident Vaclav Klaus, fand am Wochenende versöhnliche Worte. Klaus hatte sich im Dezember 2011 würdevoll von Havel verabschiedet. Doch noch vor Ende des Trauerjahres lobte er jetzt das Buch seines Vizekanzlers Petr Hajek, der Havel ernsthaft einen "Diener des Teufels" genannt hatte. Das hat die "Haveljaner" unter den Tschechen schwer getroffen. Andererseits wissen auch die, dass die Amtszeit von Klaus in 80 Tagen endet.

Im Alltag blieb kaum etwas von Havel. Zwar übertrafen sich Städte und Gemeinden damit, Straßen, Plätze, Bibliotheken, Museen oder ähnliches nach Havel benennen zu wollen. Aber außer dem Prager Flughafen, der seit Oktober seinen Namen trägt, hat sich kaum etwas getan. Das war im übrigen auch eine Schwejk-Aktion: Havel hat das Fliegen gehasst.

In Prag soll jetzt doch noch eine neue Moldaubrücke Havels Namen tragen, ebenso der Teil des Ufer-Boulevards, wo sich Havels Haus befand. Dennoch dürfte der heutige "Kurze-Hosen-Alarm" dem Präsidenten selbst am meisten gefallen.

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Erstellt:
18. Dezember 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Dezember 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2012, 12:00 Uhr

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