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Ein Tabu soll an die Öffentlichkeit

Kurse und Werbung: Land nimmt Kampf gegen Analphabetismus auf

Viele Menschen verbergen, dass sie nicht richtig lesen und schreiben können. Millionen mühen sich so auch durch den Berufsalltag. Die Landesregierung will dieses Tabu an die Öffentlichkeit zerren.

24.10.2015
  • DPA

Stuttgart Mit mehr Kursen und einer Werbekampagne will das Kultusministerium die Zahl der Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche senken. "Fast 60 Prozent der Betroffenen sind berufstätig, aber viele sind von Arbeitslosigkeit bedroht", sagt Staatssekretärin Marion von Wartenberg (SPD) gestern in Stuttgart. Daher richte sich die Kampagne auch an Unternehmen: Sie sollen Angestellten Kurse möglichst im Betrieb und während der Arbeitszeiten erlauben, um die Hemmschwelle zu senken, wünschte sich von Wartenberg. Diese Kurse könnten auch wichtige Inhalte für den Job vermitteln. 1,2 Millionen Euro EU-Mittel fließen in die Pläne des Ministeriums. Der Großteil geht an Bildungsträger für neue Kurse.

Zirka eine Million Menschen im Land kann selbst kurze Texte nicht schreiben und verstehen: Sie gelten als so genannte funktionale Analphabeten. "Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller, um das Thema aus der Peinlichkeitsecke herauszuholen", sagt Hermann Huba, Direktor des Verbandes der Volkshochschulen (VHS), die wichtiger Anbieter von Kursen sind. Eine neue zentrale Stelle beim Verband soll die Bemühungen um Alphabetisierung koordinieren. Auch Betriebe, Kammern, Verbände und Gewerkschaften müssten tätig werden, sagt Huba. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück soll das Tabuthema publik machen, dazu kommen Spots im Fernsehen und Internet und andere Werbung.

Diese Öffentlichkeit sei entscheidend, sagt Jan-Peter Kalisch vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung in Münster. Häufig bedürfe es eines hohen Leidensdrucks und der Hilfe von Freunden oder Familie, bis ein Betroffener sein Problem angehe - das müsse aber möglichst früh geschehen, im Alter falle das Lernen schwerer. Tatsächlich seien Kursteilnehmer meist zwischen 40 und 60 Jahre alt. Als "Meister des Versteckspiels" gingen sie durchs Leben, sagt der Experte: Sie behaupteten etwa, sie hätten ihre Brille vergessen - oft vermieden sie aber einfach die Situationen, die sie bloßstellen könnten.

Von bundesweit 7,5 Millionen Betroffenen bildeten sich gerade einmal 20 000 weiter, sagt Kalisch. Ein großes Problem sei die geringe Zahl an Angeboten. Nach den neuesten verfügbaren Zahlen des Verbands von 2013 hatte Baden-Württemberg im Ländervergleich die wenigsten VHS-Alphabetisierungskurse pro Kopf - das habe sich durch mehr Förderung mittlerweile geändert, heißt es aber vom Ministerium.

Kurse und Werbung: Land nimmt Kampf gegen Analphabetismus auf
Will auch Betriebe sensibilisieren: Staatssekretärin Marion von Wartenberg. Foto: dpa

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24.10.2015, 12:00 Uhr
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