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Kurden im Nordirak stimmen über Unabhängigkeit ab
Dieser Autofahrer in Erbil ist seiner Zeit voraus: Er überklebt das Wort „Irak“ auf dem Kennzeichen mit der kurdischen Flagge. Foto: afp
Referendum

Kurden im Nordirak stimmen über Unabhängigkeit ab

Die Region um die Hauptstadt Erbil ist weitgehend autonom, doch viele Politiker wollen mehr. Das ist den Nachbarländern ein Dorn im Auge.

22.09.2017
  • MARTIN GEHLEN

Erbil. Erbil ist gespickt mit kurdischen Flaggen, rot-weiß-grün, in der Mitte die goldgelbe Sonne. Ferhad sitzt in der nordirakischen Stadt mit seinen Freunden in einem Café im großen Bazar unterhalb der Zitadelle. „Wir als Nation haben den Wunsch nach Freiheit“, sagt der 42-Jährige, der an der Universität als Dozent arbeitet. „Freiheit ist etwas ganz Natürliches, das gilt für Einzelne genauso wie für ganze Völker.“ Darum werde er am Montag mit Ja stimmen, wenn die knapp fünf Millionen Kurden des Nordirak in einem Referendum über ihre Unabhängigkeit von Bagdad entscheiden. „Endlich haben wir die Möglichkeit, eine bessere Zukunft zu schaffen – für uns und unsere Kinder“, sagt er.

Auch wenn das Votum nicht bindend ist, hat es trotzdem große Symbolkraft. Kein Tag vergeht, ohne dass die Kurden nicht gedrängt werden, das Referendum abzublasen oder zumindest zu vertagen. Das irakische Parlament verurteilte die Abstimmung als verfassungswidrig. Das Verfassungsgericht ordnete den Stopp an, ohne dies durchsetzen zu können. Aber auch innerhalb der kurdischen Autonomiegebiete sind die Meinungen gespalten.

Vorangetrieben hat das Projekt Masoud Barzani, seit 2005 Präsident des Nordirak und Chef der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK). Und während in der Barzani-Hochburg Erbil Autofahrer bereits Kurdistan statt Irak auf ihre Nummernschilder kleben, reagieren viele in der Oppositionsstadt Sulaimaniyya eher skeptisch. Zwar plädieren auch hier die meisten für eine Unabhängigkeit, das Referendum zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch halten sie für kontraproduktiv.

Die irakische Führung in Bagdad fürchtet vor allem, eine Abspaltung der Kurden könnte den Zerfall des Irak endgültig besiegeln. Die beiden großen Nachbarn Türkei und Iran dagegen haben Sorge, das nordirakische Vorbild könnte bei ihren kurdischen Minderheiten Schule machen. Die Regierung in Ankara ließ an der Grenze Truppen aufmarschieren. Auch der Iran droht mit Konsequenzen. „Wenn Sie das tun, erwarten Sie nichts Gutes von uns“, beschied ein persischer Diplomat einer kurdische Delegation.

Barsch fiel die Reaktion der USA aus, die zu den wichtigsten Verbündeten gehören. Für das Weiße Haus lenkt der Urnengang von den Anstrengungen ab, den IS zu besiegen. Man fordere die Regionalregierung auf, das Referendum abzusagen. In das gleiche Horn stießen UN-Generalsekretär Antonio Guterres und mehrere europäische Staaten. „Das Referendum ist ein Fehler“, urteilte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon, der nach Erbil reiste, um Barzani die Abstimmung auszureden – ohne Erfolg.

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22.09.2017, 06:00 Uhr
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