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Kunst sehen lernen
Das Kunstwerk „Mirjam“ (2009) von Claudia E. Weber im Landschafts- und Skulpturengarten der Familie Bauer am Weißen Hirsch in Dresden. Foto: Arno Burgi/dpa
Haus und Garten als Galerie: Axel und Barbara Bauer sammeln leidenschaftlich und kenntnisreich

Kunst sehen lernen

Axel Bauer ist mit Kunst aufgewachsen. Seine Frau steckte er mit der Leidenschaft an. Ihr Dresdner Haus und Garten sind voll von Malerei und Grafik.

24.08.2016
  • SIMONA BLOCK, DPA

Dresden. Stephan Balkenhols „Männerkopf“ steht im Wintergarten. „Das Material ist nicht witterungsbeständig“, erklärt Barbara Bauer. Dabei würde das riesige Porträt gut zu „Mirjam“ passen, einer Dame aus Eiche von der Schweizer Künstlerin Claudia E. Weber. Die steht im Freien, vor dem Gartenhaus des Anwesens der Juristin und ihres Mannes im Dresdner Nobelviertel Weißer Hirsch. 47 weitere, teils tonnenschwere Exponate sind im weitläufigen, rund 5000 Quadratmeter großen Garten arrangiert. Von der Straße aus sichtbar ist eine scheinbar mit Skorpionen ringende Figur von A.R. Penck. „Sie sieht im wechselnden Licht über den Tag immer anders aus“, sagt Rechtsanwalt Axel Bauer. Auch das „Zeichen“ von Stephan Plenckers auf dem Vordach des Hauses macht klar, dass hier Kunstliebhaber wohnen. Eine Arbeit aus Mooreiche von Hans Brockhage indes braucht wie der Balkenhol den Schutz des Innenraums.

„Meine Mutter war Malerin, mein Onkel Heinrich Brocksieper Bauhaus-Künstler“, erzählt Bauer. Ihre Werke bildeten den Grundstock der mittlerweile rund 80 Arbeiten umfassenden Sammlung der Bauers. „Mit der Kunst haben wir angefangen, als die Kinder groß genug waren“, sagt seine 68-jährige Frau. Davor fehlte die Zeit dafür.

Gesammelt wird nach der Maxime: „Was uns nicht gefällt, kommt nicht ins Haus.“ Bis auf einen Bronzekopf von Hanns Bolz von 1915 besitzen die Bauers ausschließlich Nachkriegskunst. „Sie haben sich dem Ort angenähert, wo sie leben, und mit regionalen Künstlern angefangen, dann auch nationale und zuletzt internationale dazugeholt“, sagt ihr Freund Ulrich Bischoff, der frühere Direktor der Galerie Neue Meister. Der erste Ankauf für ihren Skulpturengarten im Jahr 1997 war Zufall: das Werk „Sieben“ aus meterhohen Holzsäulen von Fritz-Peter Schulze aus dem nahen Radebeul.

Nach und nach füllte sich das Areal, das der Sammlerin zufolge „zum Gärtnern nicht taugt“, mit Kunst – erworben bei Auktionen, von Galerien oder direkt aus den Ateliers ihrer Schöpfer. Zwischen Efeu und wilden Erdbeeren stehen Arbeiten ortsansässiger Künstler wie Karl-Heinz Adler, Peter Makolies und Eberhard Göschel, aber auch von internationalen Stars wie Andreu Alfaro, Tony Cragg und David Nash. Das Spektrum der Objekte reicht von einer ausgehöhlten „Nuss“ aus Eichenholz über eine Installation mit Raben bis zu einem fast zehn Meter langen schwingenden Titanstab.

„Ich will zeigen, dass die dreidimensionale Kunst im 21. Jahrhundert etwas ist, was voranschreitet und Potenzial hat“, erklärt die frühere Staatsanwältin. Entscheidend bei der Auswahl seien der Standort und die Blickachsen. „Wir sind uns fast immer einig, das Gestalten aber ist Sache meiner Frau“, sagt ihr 69-jähriger Mann. Anders als viele andere sammelten Bauers nie in Konkurrenz zu Museen und „nicht querfeldein“, sagt Bischoff. Sondern systematisch und mit hohem Anspruch an die Qualität. Ihre Kennerschaft sei von Erwerbung zu Erwerbung gewachsen. „Man sieht sich in die Qualität ein“, meint Barbara Bauer, die 1993 mit Mann und Kindern von Hamburg nach Dresden zog. 1994 gründete das Paar die Gesellschaft für moderne Kunst, die die Galerie Neue Meister fördert und wichtige Ausstellungen möglich macht.

„Erst kürzlich ist innerhalb von zwei Tagen so viel Geld zusammengekommen, dass ein nicht finanzierbares Projekt realisiert wird“, erzählt die Direktorin des Albertinums bei den Staatlichen Kunstsammlungen, Hilke Wagner. Auch dabei kaufe das Ehepaar Bauer nicht nach dem Verzeichnis der teuersten Kunstwerke. „Sie unterstützen Sachen, die für das Museum auch wirklich von Bedeutung sind“, sagt Bischoff. „Es bräuchte mehr von solchen Sammlern und Mäzenen.“

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24.08.2016, 06:00 Uhr
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