Für Süßes im Sitzen

Kunden sammeln Unterschriften für ihren Lieblingstreff

Die Kundschaft des „Tübinger Zuckerbäckers“ in der Ammergasse will sich ihr Café nicht wegnehmen lassen. Das Baurecht spricht aber mal wieder gegen das Geschäft.

13.02.2010

Von Mario Beisswenger

Tübingen. „Wir wollen weiterhin beim Tübinger Zuckerbäcker zusammensitzen.? Unter dieser Überschrift sammeln die Kunden der Konditorei in der Tübinger Ammergasse Unterschriften. Es müssen schon um die 400 sein, sagt Inhaber Felix Löffler. „Aber ich warte noch auf einen Schwung aus Paris.? Bis dorthin reicht der Ruf seiner Zuckerbäckerei, dessen Ladengeschäft er mit seiner Frau Gabriele seit zwei Jahren betreibt.

Bisher waren sie in der Ammergasse 16, vor kurzem zog der Laden in die Nummer 13. Etwas größer sollte es werden, weil sich die Kundschaft vor allem samstags doch arg drängeln musste, um an den Tresen zu kommen. Doch jetzt schlägt der Bebauungsplan Altstadt wieder einmal zu. Weil die Löfflers nicht nur Gebäck verkaufen, sondern auch Sitzmöbel zum Kaffeetrinken aufstellen, sind sie eine Wirtschaft. Davon darf es keine Neuen geben (siehe Info-Box). Das hat dem Konditormeister und der Hotelfachfrau ein Besuch von der Stadtverwaltung unmissverständlich gesagt.

Ein absichtlicher Verstoß habe bei ihrem Laden nicht dahinter gestanden, sagt Gabriele Löffler: „Das hat sich so entwickelt.? Ihr Mann meinte, dass es Spielraum gibt: „Von der Satzung ist das nicht in Ordnung, aber ich dachte das wird akzeptiert.? Nachdem ihm jetzt gesagt wurde, dass allenfalls zwei Stehtische erlaubt wären, fühlt er sich als Opfer. „Ich glaube, die trauen sich nicht an die Großen ran, da müssen sie einen Kleinen platt machen.?

Ganz das Gegenteil ist der Fall, sagt Werner Hermann vom Baurechtsamt. „Das Thema kommt immer wieder hoch.? So lange der Gemeinderat seinen Beschluss nicht ändert, „dürfen wir keinen Präzedenzfall schaffen?. 2005 habe der Rat an drei Stellen der Altstadt das Wirtschaftsverbot punktuell verändert. Ein Ergebnis ist, das neben dem Affenfelsen beim Nonnenhaus neue Gastronomie entstand. An der alten Silcherschule und im Schlosshof wäre es seither auch rechtlich möglich.

Wenn es nach der Kundschaft ginge, müssten die beiden Endvierziger mit ihrem Café bleiben dürfen. Die Löfflers gründeten die Zuckerbäckerei 1993 in Walddorf und belieferten vor allem die Gastronomie. Sie seien eine „Bereicherung für die Geschmacksqualität in Tübingen? steht auf der Unterschriftenliste. Hermann muss nun gegen die populäre Unterstützung die Regeln aufrecht erhalten. „Wir sind im Gespräch und noch hoffnungsvoll, dass wir eine Lösung finden, die noch konform ist.?

Keine neue Wirtschaft in der Tübinger Altstadt

In dem Bebauungsplan Altstadt aus dem Jahr 1989 legte der Gemeinderat fest, dass „Erweiterungen und Neu-Einrichtungen von Schank- und Speisewirtschaften nicht zugelassen sind?. Der Rat wollte dadurch eine „ausgewogene Nutzungsvielfalt? in der Innenstadt erhalten und die Möglichkeit zur Wohnnutzung. Um „ausreichend Ruhe in den Abend- und Nachtstunden? zu haben, sollten nicht all zu viel Kneipengänger angelockt werden.

Kleine Törtchen darf es geben, ein Kaffee dazu im Sitzen nicht. So sind die Spielregeln in Tübingens Altstadt. Den Gästen passt das gar nicht, wenn es um die Zuckerbäckerei in der Ammergasse geht (im Bild die Inhaber Gabriele und Felix Löffler). Bild: Metz

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Erstellt:
13. Februar 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Februar 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2010, 12:00 Uhr

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