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Kulturkampf auf Knöchelhöhe
Die Reste der Lenin-Statue in Charkow. Foto: afp
Ukraine

Kulturkampf auf Knöchelhöhe

30.12.2015
  • STEFAN SCHOLL

In der Ukraine tobt ein antisowjetischer Kulturkampf. Statuen russischer Revolutionshelden fallen, Straßen, Plätze, ja sogar ganze Städte sollen umbenannt werden. Im April verabschiedete das Parlament in Kiew ein sogenanntes "Desowjetisierungsgesetz". Es verbietet alle Symbole der als totalitär verurteilten UdSSR. Der Kulturkampf richtet sich auch gegen den großen, angriffslustigen und sowjetnostalgischen Nachbarn Russland.

Besonders umkämpft sind die gut 3000 Lenin-Denkmäler im Land. Eines in der ostukrainischen Kleinstadt Smijewka haben Behörden heimlich entfernt - zum "Renovieren", wie sie behaupten, um die sehr sowjetisch gesinnte Bevölkerungsmehrheit nicht noch mehr zu erbosen. In Odessa hat ein Bildhauer den zentralen Lenin in Darth Vader umgebaut. Und in Charkow holten patriotische Aktivisten den 8,50 Meter hohen Bronzerevolutionär mit einer Kettensäge von den Beinen. Nun stehen nur noch seine Stiefel auf dem fast 12 Meter hohen Granitsockel. Spötter reden vom "Denkmal für Lenins Stiefel".

Doch nicht nur Denkmäler kippen. Auch mehr als 900 Städte und Dörfer, hunderttausende Straßen sind umzubenennen. Die Städte "Krasnoarmeisk" oder "Dscherschinsk", "Kolchos"-, "Oktober"- oder "Panzer"-Straßen, die Zeitung "Komsomolskaja Prawda". Und ist "Karl Marx" ein deutscher Philosoph oder ein kommunistischer Götze? Beamtenköpfe rauchen, nicht nur Altkommunisten murren. Bei einer Online-Abstimmung in Dnjepropetrowsk stimmten 52 Prozent der Teilnehmer für den altgewohnten Zungenbrecher. Egal, ob damit ein längst vergessener Lokalbolschewik namens Petrowski oder der Heilige Petrus gemeint ist.

Abgesehen vom ideologischen Standpunkt kosten Denkmäler und Straßenschilder für neue, ukrainische, Helden viel Geld. "Wieso streichen wir nicht einfach das I-, schreiben ein O und ein N dazu", schlägt der pensionierte Physiklehrer Pawel Lisa in dem Dörfchen Schiludowka bei Charkow vor. "Und machen aus allen Lenin-Straßen John Lennon-Straßen. Für seine Musik braucht sich jedenfalls niemand zu schämen."

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30.12.2015, 08:30 Uhr
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