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Kritik an geplanten Kürzungen bei Schulpsychologen – Ministerium weist Vorwürfe zurück
Große Unterschiede in der Betreuung. SWP GRAFIK
„Die Situation ist desaströs“

Kritik an geplanten Kürzungen bei Schulpsychologen – Ministerium weist Vorwürfe zurück

Nach dem Massaker von Winnenden waren Schulpsychologen gefragt wie nie. Nun sollen im Land Stellen eingespart werden – das löst heftige Kritik aus.

15.08.2016
  • JULIA GIERTZ, DPA

Stuttgart. Trotz der jüngsten Gewalttaten Heranwachsender will die grün-schwarze Landesregierung nach Darstellung der Lehrergewerkschaft GEW bei den Schulpsychologen sparen. „Es ist ein Unding, dass wir nicht einmal die Hälfte der nach dem Amoklauf von Winnenden geplanten zusätzlichen Stellen besetzt haben und deren Zahl jetzt nochmals weiter nach unten gehen soll“, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz in Stuttgart. Auch der Verband der Schulpsychologen zeigte sich empört angesichts wachsender Herausforderungen durch Mobbing, Schulverweigerung und Flüchtlingsintegration.

Laut einem Erlass von Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) sollen unbefristete Stellen zunächst nicht wiederbesetzt werden. In welchem Umfang das geschehen soll, geht aus der Verfügung nicht hervor.

Nach dem Amoklauf eines Schülers in Winnenden mit 16 Toten sollte die Zahl der Schulpsychologen an den Beratungsstellen im Südwesten auf 194 erhöht werden. An den 29 Beratungsstellen seien aber derzeit nur 144 davon besetzt, kritisierte Moritz. Grund seien Elternzeit, Krankheit oder Weiterbildung von Kollegen. Vertretungen seien schwer zu organisieren.

Nach Angaben des Schulpsychologenverbandes soll ein gutes Dutzend der Stellen gar nicht wieder besetzt werden. „Im Grunde genommen ist die Situation desaströs, weil ganz viele Beratungsstellen nicht so besetzt sind, wie sie es sein sollten“, sagte Landeschefin Nina Großmann. Nach Ansicht von Moritz spart die grün-schwarze Landesregierung an der falschen Stelle. „Auch mit Blick auf die Schuldenbremse darf man nicht an Maßnahmen sparen, die junge Menschen in schwierigen Lagen stabilisieren und damit für die Zukunft fit machen und so dem Staat Kosten ersparen.“ Der Einsatz von Schulpsychologen sei keine Kür, sondern Pflicht.

Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, es sei richtig, dass die Kultusverwaltung Einsparauflagen von der Vorgängerregierung aus 2011 bewältigen müsse. Es gehe dabei um 28 Stellen bei den staatlichen Schulämtern, die bis 2020 abgebaut werden müssten. Bei diesen Behörden sind auch die Schulpsychologen angedockt. Bislang stehe jedoch noch nicht fest, ob, wie und in welchen Bereichen die Stelleneinsparungen tatsächlich erfolgen. Bis zum Herbst will das Ministerium darüber entscheiden.

Moritz betonte, Schulpsychologie beuge Gewalt an Schulen und in der Gesellschaft vor. „Zwar kann ein Schulpsychologe einen Amoklauf an einer Schule nicht verhindern, aber Schüler mit erkennbar psychischen Schwierigkeiten nachhaltig unterstützen und begleiten.“ Nur mit von innen abschließbaren Türen lasse sich das Sicherheitsgefühl nicht steigern und das Risiko von Gewaltausbrüchen nicht minimieren, sagte Moritz. Kürzlich hatte ein 15-Jähriger einen Amoklauf an seiner Schule im Raum Ludwigsburg geplant.

Gewalt- und Amokprävention habe für die Landesregierung weiter einen zentralen Stellenwert, betonte die Sprecherin des Kultusministeriums. „Im Haushalt 2016 stehen für alle Maßnahmen in diesem Bereich Mittel in Höhe von rund 27 Millionen Euro zur Verfügung.“

Mit einem Schulpsychologen für rund 10 200 Schüler gehöre Baden-Württemberg schon jetzt zu den Schlusslichtern, klagte hingegen Gewerkschafterin Moritz. Das Land liege noch hinter Berlin, Bremen und dem Saarland mit einem Verhältnis von einem Psychologen auf 10 000 Schüler. Sogar in den USA kämen 500 bis 1000 Schüler auf einen Schulpsychologen. Großmann verwies auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz, nach dem ein Psychologe auf 5000 Schüler kommen soll. Demnach müsste das Ministerium die Zahl der Psychologen im Land verdoppeln statt Stellen abzubauen.

Die Experten müssten sich nicht nur um junge Menschen mit psychischen Problemen und Beratungsbedarf sowie deren Eltern kümmern, sondern auch Fortbildungen für Lehrer anbieten, erläuterte Moritz. „Die Schulen dürfen mit diesen Themen nicht alleine gelassen werden.“ Die Lehrer wüssten oft nicht, wie sie die Flüchtlinge in den Vorbereitungsklassen integrieren sollten und bräuchten Fortbildung, fügte Großmann hinzu. Sie betonte: „Andere Bundesländer stocken auf, während unser Ministerium an uns sparen will, obwohl wir besonders viele Flüchtlingskinder erhalten haben.“

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15.08.2016, 06:00 Uhr
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