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"Big Five" vor der Büchse

Kritik an Trophäenjagd in Südafrika - und wie sich die Veranstalter wehren

Spätestens seit dem qualvollen Tod von Löwe Cecil machen Tierschützer wieder gegen Trophäenjäger mobil. Dabei ist das Töten für Geld in Südafrika ein Millionengeschäft. Die Veranstalter wollen ihren Ruf retten.

22.10.2015
  • SINIKKA TARVAINEN, DPA

Waterberg/Johannesburg Im Dickicht bewegt sich etwas. Stan Burger und sein Fährtensucher pirschen sich lautlos heran, setzen das Gewehr auf ein Stativ, um ihm besseren Halt zu geben, und zielen. Dann fällt ein Schuss. Sekunden später taucht der südafrikanische Jäger wieder aus dem Gebüsch auf und schleppt zusammen mit seinem Helfer ein totes Buschschwein heran, das aus einer Wunde am Hals blutet. "Ein sauberer Schuss", sagt er.

Ähnliche Szenen wie hier in der nördlichen Provinz Limpopo spielen sich oft in den rund 10 000 privaten Wildreservaten Südafrikas ab, wo reiche Ausländer viel Geld auf den Tisch legen, um einige der berühmtesten Tiere des Kontinents zu erlegen. "Unsere Kunden kommen, um ein afrikanisches Abenteuer zu erleben, von dem sie lange geträumt haben", sagt Burger, der selbst ein Reservat betreibt und im November die Präsidentschaft des südafrikanischen Berufsjägerverbandes "Phasa" übernehmen soll.

Die professionelle Trophäenjagd ist in dem Schwellenland ein millionenschweres Geschäft und bringt offiziellen Angaben zufolge jährlich eine Milliarde Rand (rund 70 Millionen Euro) ein. Die überwiegende Mehrheit der Klienten kommt aus den USA, gefolgt von Europa. Auch aus Australien und Japan gibt es Anmeldungen. Die Preise reichen von 350 Euro für eine Impala-Antilope bis zu 70 000 Euro für ein Nashorn.

Wer allerdings die legendären "Big Five" allesamt vor die Flinte bekommen möchte - also einen Löwen, einen Elefanten, einen Büffel, einen Leoparden und ein Nashorn - der zahlt bis zu 175 000 Euro für 21 Tage - inklusive Unterbringung im Luxuscamp und Pirschfahrten im Geländewagen. Wenn ein vom Jäger gewünschtes Tier nicht in einem bestimmten privaten Reservat zu finden ist, dann weichen die Veranstalter auch mal in regionale Schutzgebiete, in denen Jagen erlaubt ist, und in die Nachbarländer wie Simbabwe und Mosambik aus.

In die Kritik ist die professionelle Jagd wieder geraten, nachdem ein US-Zahnarzt im Juli im Westen von Simbabwe den Löwen Cecil erschossen hatte. Das mächtige Tier war Teil eines Forschungsprojekts der Universität Oxford. Die Umstände seines Todes waren fragwürdig - angeblich hatte der Jäger die mit einem GPS-Halsband ausgestattete Raubkatze verbotenerweise aus einem Nationalpark gelockt und mit einem Pfeil verwundet. Erst 40 Stunden später konnte er das blutende und leidende Tier wieder aufspüren und töten. Auch der Abschuss eines ungewöhnlich großen Elefanten mit 109 Kilo schweren Stoßzähnen durch einen ausländischen Jäger hatte zuletzt internationale Tierschützer auf den Plan gerufen.

Es sei "moralisch nicht vertretbar" Trophäenjagd zu betreiben, sagt die Löwenschützerin Linda Park. "Das ist ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, als es noch die Großwildjagd der Weißen gab." Mehrere Fluglinien haben angekündigt, dass sie keine Trophäen wilder Tiere mehr transportieren werden, während Australien die Einfuhr von Körperteilen von Löwen gänzlich verboten hat. Auch die Europäische Union hat ihre Regelungen für derartige Importe verschärft.

Die südafrikanische Jagdindustrie versucht derweil, ihren angeschlagenen Ruf wieder reinzuwaschen. Sie argumentiert, dass mit den Geldern der Jäger ganze Gebiete aufgeforstet worden seien, wodurch die Zahl der wilden Tiere in Südafrika wieder zunehme. Laut "Phasa" leben derzeit rund 16 Millionen Tiere auf den 20 Millionen Hektar, die zu privaten Reservaten gehören.

Zudem beschäftige der Sektor etwa 100000 Menschen, während das Fleisch der Beute an Angestellte und Menschen in den umliegenden Orten verteilt werde. Auch beschäftigten die Wildreservate Ranger, wodurch illegale Wilderei eingedämmt werden könne. Die Regierung steht hinter den Jägern und lobt die wirtschaftlichen Vorzüge des Industriezweiges.

Dennoch: Tieraktivisten lassen sich von den Argumenten nicht überzeugen. "Die steigende Zahl von Tieren, die in kleinen, unnatürlichen Camps gehalten werden, ist kein echtes Zeichen dafür, dass die Artenvielfalt wieder zunimmt", meint Ainsley Hay von der südafrikanischen Gesellschaft zur Verhinderung von Tierquälerei. Es stimme auch nicht, dass die Jäger hauptsächlich auf ältere Tiere abzielten. "Die Trophäenjagd ist unnötig und weder im Interesse des einzelnen Tieres noch der gesamten Art."

Burger erklärt hingegen, beim Jagen gehe es nicht nur um das Töten. Wichtig sei auch die Erfahrung, in der Natur zu sein. Er kritisiert aber jene Jäger, die mit einem Fuß auf der Beute stehend für Erinnerungsfotos posieren. "Wir haben einem Tier das Leben genommen", sagt er und schaut auf das reglose Buschschwein. "Da müssen schon wir etwas Respekt zeigen."

Kritik an Trophäenjagd in Südafrika - und wie sich die Veranstalter wehren

  • Ausfuhr Wer Teile von Tieren oder ausgestopfte Tiere nach Deutschland einführt, braucht dafür eine Ausfuhrgenehmigung des Herkunftslandes. „Als Reisender ist man in der Pflicht, diese Dokumente bei der Einreise vorzulegen“, erklärt Christine Straß vom Hauptzollamt Frankfurt. Freimengen gelten nur für bestimmte Arten und den persönlichen Gebrauch. Liegt keine Bescheinigung vor, erteilt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) keine Genehmigung. Auch scheinbar harmlose Souvenirs wie Zähne oder Knochen fallen unter diese Regelung. Welche Tierarten geschützt sind, ist weltweit im Washingtoner Artenschutzabkommen festgehalten. In der EU gelten für einige Arten noch strengere Regeln. Reisende können sich auf der Webseite www.artenschutz-online.de darüber informieren, welche Arten im jeweiligen Land geschützt sind.
  • >Einfuhr In den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland mehr als 1600 beantragte Einfuhren von Jagdtrophäen für Großwildjäger genehmigt worden. Seit 2005 lehnte das Bundesamt für Naturschutz (Bonn) nur fünf Anträge ab, wie aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht. „Alle diese Arten sind international geschützt, der Handel mit ihnen ist verboten“, kritisierte die Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife in München. Vom Bundesamt würden aber großzügige Ausnahmen erteilt. Von der Behörde war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.
  • >Trophäen Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren 1225 Jagdtrophäen streng geschützter Tierarten nach Deutschland gebracht, darunter 646 Stoßzähne afrikanischer Elefanten, 417 Trophäen von Leoparden, 195 Felle oder Schädel von Löwen und 4 Hörner von Spitzmaulnashörnern. dpa

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22.10.2015, 12:00 Uhr
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