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Deutsche Bank

Kritik am Aufsichtsratschef wächst

Paul Achleitner holt einen umstrittenen früheren US-Investmentbanker ins Kontrollgremium.

05.04.2018

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Aufsichtsratchef Paul Achleitner. Foto: dpa

Frankfurt. Während die Führungsfrage bei der Deutschen Bank weiter offen ist, gibt es erste konkrete Personalentscheidungen für den Aufsichtsrat. Dort soll nach der Hauptversammlung im Mai unter anderem der umstrittene US-Investmentbanker John Thain einziehen. Damit meldete sich erstmals seit Beginn der Spekulation um Vorstandschef John Cryan auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner zu Wort. Man habe kompetente neue Mitglieder für das Kontrollgremium gewinnen können. Allerdings wächst auch die Kritik an Achleitner.

Während sich Cryan kurz vor den Feiertagen kämpferisch zu Wort gemeldet und betonte hatte, er wolle seinen bis 2020 laufenden Vertrag erfüllen, hüllte sich Ober-Aufseher Achleitner in der Führungsdebatte in Schweigen – bis gestern. Zu Cryan äußerte er sich aber nicht.

Währenddessen mehreren sich Stimmen, die auch Achleitner hinterfragen. Dafür gibt es Gründe: Er hat lange – nach Ansicht von Kritikern viel zu lange – an Anshu Jain, dem Vorgänger Cryans, festgehalten. Jain hatte zuvor das Investmentbanking dominiert. Damit war er für die vielen Skandale und Rechtsstreitigkeiten mitverantwortlich, für die die Bank zweistellige Milliardensummen bezahlen musste.

„Der Fisch stinkt vom Kopf her“, sagt Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. Damit meint er nicht Cryan, sondern den ehemaligen Goldman Sachs-Investmentbanker und Ex-Allianz-Finanzvorstand Achleitner. Die Aktionäre müssten ihn endlich rausschmeißen.

Davon freilich ist nichts zu sehen: Auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr wurde der Vertrag des 61-Jährigen um fünf Jahre bis 2022 verlängert, dotiert mit einem Jahressalär von 800?000 EUR. So viel bekommt kein anderer Aufsichtsratschef in Deutschland.

Und die Kritik an den Investmentbanker nimmt zu, nachdem die Bank entgegen ihrem Anspruch im weltweiten Ranking weiter zurückfällt und das Investmentbanking in den ersten drei Monaten angeblich wegen der Stärke des Euro erneut für Belastungen von 450 Mio. EUR sorgen dürfte. Nicht nur für Hein ist das ein weiterer Beleg, dass die Investmentsparte zumindest drastisch verkleinert werden müsste.

Allerdings ist unwahrscheinlich, dass dies mit Achleitner passieren wird. Fast alle als Cryan-Nachfolger gehandelten Kandidaten sind Investmentbanker. Mit Thain, ebenfalls ein ehemaliger Goldman Sachs-Mann und früherer Chef der Investmentbank Merrill Lynch, soll einer der stark auf Boni fixierten Köpfe der Branche in den Aufsichtsrat rücken. 2007, ein Jahr vor Ausbruch der Finanzkrise, hatte Thain bei Merrill Lynch mehr als 80 Mio. Dollar kassiert.

Während die einen fragen: „Wer rettet die Deutsche Bank vor ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden?“, gibt sich der sonst so kritische Klaus Nieding von Aktionärsbündnis DSW gelassen. Es sei gut, dass Expertise für das Investmentbanking in das Kontrollgremium einziehe. Die Boni-Exzesse? Die seien zehn Jahre her.

Rolf Obertreis

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Erstellt:
5. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. April 2018, 06:00 Uhr

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