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Die alten Griechen

Krise beschleunigt Zusammenbruch des Rentensystems

Griechenland hat die älteste Bevölkerung der EU, und durch die Krise verschärft sich die Überalterung noch. Damit droht das Rentensystem zu zerreißen. Kann die Regierung noch gegensteuern?

16.10.2015
  • GERD HÖHLER

Falls das griechische Parlament heute, voraussichtlich am späten Abend, das jüngste Reformpaket billigt, kommen auf die Rentner des Landes neue Opfer zu. Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll ab 2022 auf 67 Jahre festgeschrieben, die bisher in Griechenland vielfältigen und gern genutzten Möglichkeiten von Früh-Verrentungen drastisch beschnitten werden.

Doch das ist erst der Anfang. Griechenlands Rentensystem gerät aus den Fugen. In den kommenden Jahrzehnten wird es weitere, tiefe Einschnitte geben müssen. Heutige Beitragszahler müssen mit erheblichen Rentenkürzungen rechnen, wenn sie in zehn oder 20 Jahren in Pension gehen. Der Grund ist die immer schneller fortschreitende Überalterung der Bevölkerung. Kein anderer EU-Staat hat eine so ungünstige Altersstruktur wie Griechenland. Nach Hochrechnungen der New Yorker Organisation HelpAge International wird im Jahr 2030 jeder dritte Bewohner Griechenlands älter als 60 Jahre sein. 2050 wird der Anteil der über 60-Jährigen bereits knapp 41 Prozent ausmachen.

Was diese Entwicklung für die Rentenfinanzen des Landes bedeutet, liegt auf der Hand: Immer weniger Beitragszahler müssen für immer mehr Rentenempfänger aufkommen. Der Altenquotient, der das Verhältnis älterer, nicht mehr erwerbstätiger Menschen zur Anzahl der erwerbsfähigen Einwohner wiedergibt, liegt in Griechenland bereits jetzt mit knapp 30 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von etwa 24 Prozent.

Byron Kotzamanis, Professor an der Universität von Thessalien und Direktor des Instituts für demografische und soziale Analysen, erwartet, dass die Bevölkerung Griechenlands im Laufe des nächsten Jahrzehnts um 300 000 bis 400 000 Menschen zurückgehen wird. Die EU-Statistikbehörde Eurostat rechnet mit einem Bevölkerungsrückgang von aktuell 11,045 Millionen auf 8,5 Millionen im Jahr 2060.

Die Krise hat die ohnehin ungünstige demografische Entwicklung in Griechenland noch weiter verschärft. Die Geburtenrate ging seit 2008 um 15 Prozent zurück - wohl vor allem deshalb, weil sich immer weniger Paare Kinder leisten können. Gleichzeitig steigen die Zahl der Totgeburten und die Kindersterblichkeit - eine Folge der wachsenden Armut, wie die Organisation "Ärzte der Welt" erklärt.

Andere Länder können rückläufige Geburtenzahlen durch Zuwanderung zum Teil ausgleichen. Aber Griechenland ist nicht mal für Armutsflüchtlinge ein attraktives Ziel. Es ist zum Auswanderungsland geworden: Seit Beginn der Krise haben mindestens 200 000 junge, überwiegend gut ausgebildete Griechinnen und Griechen ihr Land verlassen. Sie fehlen auch in der Sozialversicherung als Beitragszahler. Die hohe Arbeitslosenquote von 25 Prozent bedeutet eine weitere Belastung der Rentenfinanzen. Nach Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts für Arbeit wird es mindestens 20 Jahre dauern, bis die Beschäftigung wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Welche Renten heutige Mittvierziger in Griechenland bei ihrer Pensionierung einmal bekommen werden, kann niemand vorhersagen. Sicher ist aber: Die Bezüge werden deutlich zurückgehen. Und die Griechen werden länger arbeiten müssen. Nach Berechnungen des Nationalen Amts für Versicherungsmathematik wird sich das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen von heute 39 Jahren bis 2026 auf 44 Jahre erhöhen. Sind heute in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen nur knapp fünf Prozent erwerbstätig, werden es 2060 bereits fast 25 Prozent sein. Das gesetzliche Renteneintrittsalter in Griechenland, so die Studie, könnte bis dahin auf 72 Jahre gestiegen sein.

Krise beschleunigt Zusammenbruch des Rentensystems
Reicht das Geld? Ein griechischer Rentner vor einer Bank in Athen. Foto: afp

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16.10.2015, 12:00 Uhr
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