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Kriminelle kämpfen für den IS
Übt weltweit enorme Anziehungskraft aus: Der selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi. Foto: dpa
Studie warnt vor neuem Dschihadisten-Typ: Gefängnisse sind Brutstätten des islamischen Extremismus

Kriminelle kämpfen für den IS

Die Dschihadisten neuen Typs wurden nicht durch "das Licht des Islam" geläutert. Sie stammen aus der kriminellen Szene - und bleiben ihr auch treu. So wie das Brüderpaar, das in Belgien Anschläge verübte.

24.03.2016
  • MARTIN GEHLEN

Das Bekennerschreiben strotzte vor üblichen ideologischen Kampfbegriffen. Die "Soldaten des Kalifates" hätten einen Angriff verübt gegen den "Kreuzfahrerstaat" von Belgien, heißt es in dem Text, der auch allen anderen Nationen, die gegen den IS-Gottesstaat zu Felde ziehen, "düstere Tage" androht.

Der "Islamische Staat" (IS) ist keine religiöse Sekte und kein virtueller Fanatikerverbund. Anders als das Terrornetzwerk Al-Kaida versteht sich der IS vor allem als dschihadistisches Staatsprojekt mit eigenem Territorium. Acht Millionen Menschen in Syrien und im Irak leben momentan unter IS-Herrschaft, auch wenn das Gebiet im vergangenen Jahr durch internationale Luftschläge, kurdische Truppen und die irakische Armee um 20 Prozent reduziert werden konnte.

Gleichzeitig verfolgen die Kalifatskrieger globale Ambitionen. Ihre Bekennerschreiben verfassen sie in Dutzend Sprachen. Ihre Anziehungskraft aus exzessiver Brutalität und Männlichkeitskult scheint ungebrochen - auch in Europa, wo sich ein neuer Typ von Dschihadist herausbildet, bei dem sich die Grenzen zwischen islamistischem Extremismus und organisiertem Verbrechen verwischen.

Auffallend viele der bisher in Paris und Brüssel identifizierten IS-Täter haben eine kriminelle Karriere hinter sich, wie offenbar auch das polizeibekannte Brüderpaar, das zu den Attentätern in der EU-Hauptstadt gehört. Ihre verbrecherischen Fähigkeiten erwarben sie im Mafiamilieu, bevor sie für den "Islamischen Staat" auf Mordmission gingen. Extremismusforscher Peter Neumann vom King s College in London nennt diese Amalgamierung von Kriminalität und Islamismus "einen operativen Aspekt des Islamischen Staates". Nach Erkenntnissen der Polizei in Frankreich und Belgien werden mehr und mehr Straßendiebe, Drogenhändler oder kleine Ganovenbosse von dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi angezogen. Die Gefängnisse beider Nationen gelten als Brutstätten des islamischen Extremismus. Die Zahl der muslimischen Insassen ist überproportional hoch. Die meisten der Inhaftierten fühlen sich von der Gesellschaft diskriminiert und sind entsprechend empfänglich für die neue apokalyptische Terrorlehre.

Doch anders als im herkömmlichen radikal-muslimischen Milieu, werden die IS-Konvertiten nicht "durch das Licht des Islam" geläutert, sondern bleiben ihrer kriminellen Szene treu. "Diese Verbindung mit der kriminellen Welt, das gab es bei Osama bin-Laden nicht", erläuterte Mohammad-Mahmoud Ould Mohamedou, Vizechef des "Zentrums für Sicherheitspolitik" in Genf. "Dort existierte ein ganz bestimmter Fundamentalismus innerhalb des Terrors."

Die IS-Konvertiten dagegen finanzieren ihre Kampfausflüge ins "Islamische Kalifat" weiterhin durch Einbrüche, Diebstähle und Drogengeschäfte. Im Nahen Osten kommen sie dann in Kontakt zu der Führungsebene der Dschihadisten und werden auf mögliche Attentate in Europa vorbereitet.

Und so warnte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon erst kürzlich in einer 23-seitigen Analyse davor, die künftige Gefahr durch den "Islamischen Staat" zu unterschätzen. "IS ist eine beispiellose Bedrohung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit", heißt es in dem Text. 30 000 Gesinnungsgenossen aus mehr als 100 Staaten kämpften in Syrien und im Irak - und der Zustrom halte an. Weltweit 34 Terrorgruppen hätten sich dem IS angeschlossen. Doch die wenigsten Ausreisenden seien von der Polizei vorab als IS-Rekruten zu identifizieren, weil sie in ihren Heimatländern zuvor nicht durch radikal-islamische Taten aufgefallen seien. Es gebe kein "Prognoseprofil" eines künftigen IS-Kämpfers, schrieb Ban Ki-Moon. Und so sollten sich alle UN-Mitgliedstaaten für 2016 darauf einstellen, "dass immer mehr IS-Kämpfer einzureisen versuchen, um Terrortaten zu verüben."

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24.03.2016, 08:30 Uhr
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