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Kriegsverbrecher im Flüchtlingsheim
Wer kommt denn da? Unter den Flüchtlingen sind angeblich auch unzählige Schergen des Assad-Regimes - was man ihnen nicht ansehen kann. Foto: dpa
Syrische Menschenrechtsaktivisten schätzen, dass sich tausende Schergen des Assad-Regimes in Europa als Asylsuchende ausgeben

Kriegsverbrecher im Flüchtlingsheim

Mörder, Vergewaltiger, Folterknechte: Aktivisten wähnen unter den syrischen Flüchtlingen in Europa viele Verbrecher des Assad-Regimes. In Schweden sitzt schon ein erster Verdächtiger in Untersuchungshaft.

04.03.2016
  • MARTIN GEHLEN

Die schwedische Staatsanwältin Reena Devgun ist sich sicher: Der 31-jährige Mohamad Abdullah, der im Juli 2015 als Asylbewerber nach Skandinavien kam, ist in Wirklichkeit ein Kriegsverbrecher des syrischen Assad-Regimes. Er wurde kürzlich in Stockholm verhaftet und steht jetzt hinter verschlossen Türen vor dem Untersuchungsrichter. Es ist das erste Verfahren gegen einen mutmaßlichen Assad-Schergen, der sich unter die syrischen Flüchtenden gemischt hat.

Dem Mann auf die Spur kamen die Ermittler durch Einträge und Fotos im Internet. Er gibt zu, in der Assad-Armee gekämpft zu haben. Für Untaten sei er aber nicht verantwortlich. "Wir reden über einen einzigen Vorgang zwischen März 2012 und Juli 2015, aber wir sind bisher nicht in der Lage, den genauen Zeitpunkt und Ort der Tat zu bestimmen", sagt Devgun. Solche Taten seien schwer aufzuklären, auch weil es für die Justiz unmöglich sei, nach Syrien zu reisen - einerseits. Andererseits sei der Konflikt durch Fotos und Videos gut dokumentiert.

Schweden, Deutschland und Österreich haben in Europa bisher den Löwenanteil der Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten aufgenommen, darunter etwa 600 000 bis 700 000 Syrer. So befinden sich mittlerweile auch in deutschen Asylunterkünften zahlreiche Kriegsverbrecher - unter anderem in Hamburg, Köln, Karlsruhe, Dortmund, Rostock und Berlin.

Die "Syrische Menschenrechtsliga", deren Chef Abdulkarim al-Rihawi seit knapp einem Jahr in Frankfurt am Main lebt, hat der deutschen Polizei in den letzten Wochen vier Listen mit 150 Verdächtigen übergeben, die er und seine Kontaktleute in Syrien recherchiert haben. Die meisten sollen den gefürchteten Shabiha-Schlägertrupps des Regimes angehört, Massaker begangen, Gefangene hingerichtet oder Häftlinge zu Tode gefoltert haben.

Einer sei Jafaar B., der in Hamburg Asyl beantragt hat. Er soll am 5. Januar 2014 am Blutbad in der Kleinstadt Yalda südlich von Damaskus beteiligt gewesen sein. Zwanzig junge Männer wurden vor den Augen ihrer Familien bei lebendigem Leibe verbrannt, vierzig Frauen im Beisein ihrer Männer vergewaltigt. Muhammed T., der sich in einer Unterkunft in Karlsruhe aufhält, sei einer der Schlächter auf den Folterfotos von Regimeopfern.

Ein abtrünniger Fotograf des Militärgeheimdienstes von Damaskus habe die Bilder per USB-Stick außer Landes geschmuggelt. Die Fotos zeigen 6800 zu Skeletten abgemagerte Leichen. Einige Getötete haben flächige, offene Wunden. Andere wurden durch Kopfschuss getötet, erdrosselt oder mit Stromstößen hingerichtet. Die Fotos des Überläufers mit dem Decknamen Caesar sind nach dem Urteil von Human Rights Watch "ausreichende Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit" des Regimes.

Dazu soll auch Avo K. gehören. Der syrisch-armenische Christ aus Aleppo hält sich derzeit in Berlin auf. Als Mitglied in der sogenannten Jerusalem-Brigade posierte der 23-Jährige im Internet mit einer Maschinenpistole und drohte allen Assad-Gegnern die Hinrichtung an. Syrische Aktivisten wie Abdulkarim al-Rihawi und Omar al-Khatib, der in Berlin auf seiner Website "Das sind Verbrecher, keine Flüchtlinge" Beweise gegen kriminelle Asylbewerber sammelt, sprechen von mindestens 5000 Fällen in Europa, die Hälfte davon in Deutschland.

Die so genannten Shabiha sind die brutalsten Schergen des Diktators und werden von zwei Assad-Cousins kommandiert. Auf das Konto der Todesschwadrone gehen bestialische Gemetzel an der Zivilbevölkerung wie im Mai 2012 in dem Dorf Houla, im August 2012 in Darayya und im Mai 2013 in Baniyas, wo insgesamt mehr als 500 Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden. In ihren Reihen sind vor allem ehemalige Schwerkriminelle und Angehörige der alawitischen, aber auch der christlichen Minderheit, die das Regime für weitgehend loyal hält.

Ihre Facebook-Profile, auf denen sie stolz mit ihren Waffen vor Assad-Porträts oder inmitten von Ermordeten posieren, haben die in Europa untergetauchten Kriegsverbrecher mittlerweile gelöscht. Viele tragen jetzt falsche Namen. "Es kursieren tausende falscher Pässe, weil das Regime mitmacht", weiß Aktivist Abdulkarim al-Rihawi. "Aber wir kennen die Leute von Fotos, wir können sie identifizieren und ihren Untaten zuordnen."

Die mutmaßlichen Täter streiten alles ab, gerieren sich als harmlose Flüchtlinge. Sie posten nur noch Fotos, auf denen sie lächelnd in deutschen Kaufhäusern, Fußgängerzonen und Stadtparks zu sehen sind.

Die Website "Criminals not Refugees" in arabischer Sprache ist zu finden unter http://www.mujremon.com

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04.03.2016, 08:30 Uhr
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