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Operninterim

Kretschmann stützt Kuhn

Auch der Regierungschef ist gegen 116 Millionen Euro teure Lösung, die keine Nachnutzung vorsieht.

16.05.2018
  • Roland Muschel

Stuttgart. Vor der Sitzung des Verwaltungsrats der Stuttgarter Staatstheater am Freitag ist keine schnelle Lösung für eine Interimsspielstätte während der Sanierung der Oper in Sicht. Klar scheint nur, dass das Vorhaben, ein altes Paketpostamt für eine siebenjährige Übergangszeit umzurüsten, bevor das Gebäude abgerissen werden soll, endgültig beerdigt ist. Vergangene Woche hatte der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) die Pläne überraschend gestoppt, nachdem ein Gutachten die zunächst auf 55 Millionen Euro geschätzten Kosten mit mindestens 116 Millionen Euro beziffert hat. Ohne Nachnutzung sei das der Stadt zu teuer. „Das sehe ich ähnlich“, pflichtete Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) seinem Parteifreund am Dienstag bei. Welche Kosten gerechtfertigt seien, hänge vor allem davon ab, ob und wie ein Ausweichquartier auch im Anschluss genutzt werden könne. Klar sei indes, dass es bei dem endgültigen Gebäude für Oper und Ballett keine „Sparversion“ geben könne. Die Frage des Standorts für eine Zwischenlösung sei aber Sache der Stadt. Land und Stadt teilen sich die Kosten. Allein die Opernsanierung wird intern mit bis zu 500 Millionen Euro taxiert.

Geht es nun „Zurück auf Los“?

Die CDU-Landtagsfraktion sieht sich durch das Gutachten über die Kosten für den Umbau des Paketpostamts bestätigt. Sie hatte ihre Zustimmung zu einer Kabinettsvorlage zur Opernsanierung von belastbaren Zahlen abhängig gemacht. „Es zeigt sich nun, dass unsere Forderung nach einem Gutachten richtig war“, sagte CDU-Finanzexperte Tobias Wald. Er sei „ob der Kostenexplosion sprachlos“, sagte Verwaltungsratsmitglied Martin Rivoir (SPD). Er gibt Finanzministerin Edith Sitzmann und Kulturministerin Theresia Bauer (beide Grüne) die Schuld daran, dass man nun „vor einem Scherbenhaufen“ stehe. Nun heiße es „zurück auf Los“, wobei nur noch eine nachhaltige Lösung in Frage komme.

Die Spitze der Staatstheater selbst will an dem ehemaligen Paketpostamt als Standort festhalten. Bauer plädiert ebenfalls dafür. Kuhn sieht sich indes an eine Zusage aus der Stuttgart-21-Schlichtung gebunden, wonach das Paketpostamt mittelfristig für den Rosensteinpark weichen soll. Eine Nachnutzung käme demnach nicht in Frage.

Vorschläge für eine andere Lösung gibt es bereits zuhauf, sie dürften aber allesamt die Sanierung der Oper selbst verzögern. Möglicherweise wird nun ein Bürgerdialog in die Wege geleitet, um auch Kritiker der bisherigen Pläne wie den Verein „Aufbruch Stuttgart“ besser einzubinden.

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16.05.2018, 06:00 Uhr
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