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Kraftwerke des Jazz
Jean-Luc Ponty, einst Musiker bei Frank Zappa, zaubert auf der Violine. Foto: Udo Eberl
Festival

Kraftwerke des Jazz

Jede Menge Sounds und Melodien aller Stilrichtungen waren beim sechstägigen Festival im Stuttgarter Theaterhaus zu hören. Zwei fulminante Trio-Konzerte begeistern zum Finale.

04.04.2018
  • UDO EBERL

Stuttgart. Die Theaterhaus Jazztage waren bei der 31. Ausgabe vor allem eines: ein Plädoyer für den Jazz aller Spielformen und Ausprägungen. So konnte man im Kulturtempel am Pragsattel leichter zugängliche Sounds und Melodiebögen genauso hören wie komplexe Ensemble-Ereignisse, die üblicherweise eher Festivals wie dem in Moers vorbehalten sind.

Ein ganz großer Wurf gelang dem zwölfköpfigen „Karl Berger Improviser Orchestra“, das mit großer Spiellust den vagen Avantgarde-Begriff belebte. Und die Suite „No Man is an Island“, einst in Donaueschingen uraufgeführt, ist noch immer ein fulminantes und gleichsam berührendes Kollektiv-Ereignis. Karl Berger im Höhenflug als federnder Dirigent und am Flügel, Trompetenlegende Enrico Rava mit den Jazz-Göttern im Bunde, Ernst Reisjeger am Cello fabulös – um nur einige der starken Akteure zu nennen. Es wurde gehaucht, gerumpelt, gepfiffen, aufbegehrt und solistisch randaliert. Beste Kante eben.

Auch Gregor Hübner bekam mit seinem „European New York Jazz Collective“ die Gelegenheit, nach zwei Tagen intensiven Probens in Stuttgart in einer Weltpremiere zu zeigen, wie europäische Musiker als Ensemble klingen, die seit geraumer Zeit vom Leben in Big Apple geprägt werden. Ein pulsierender, stets überraschender Metropolen-Sound.

Während beim Posaunisten Nils Landgren und dem mit warmem Saxophon-Ton spielenden und mittlerweile 90-jährigen Lee Konitz bereits die Namen Programm waren, musste man sich bei der „Spanish Night“ auf einen Titel einlassen. Und auf Virtuosität und Perfektion im besten Sinne. Das Flamenco-Klavier und die Melancholie eines David Peña Dorantes verschmolzen mit der Bass-Virtuosität von Renaud Garcia Fons. Gleich darauf lebte Drummer Wolfgang Haffner sein „Kind of Spain“ aus. In Stuttgart wurde sein eingespieltes Quartett von Sebastian Studnitzky an der Trompete und dem Gitarristen Daniel Stelter verstärkt. Der Jubel des Publikums wollte kein Ende nehmen. Nicht allein wegen der Perfektion im geschmeidigen Zusammenspiel und der ausgetüftelten Arrangements, auch wegen solistischer Leckerbissen – vor allem von Christopher Dell am Vibraphon.

Ganz andere Qualitäten zählten im Zusammenspiel des großen Heinz Sauer am Saxophon mit dem niederländischen Pianisten Jasper van't Hof. Muntere, tiefgründige Dialoge führten diese beiden Jazz-Individualisten. Heinz Sauer nahm mit brüchig-vibrierendem Ton auch eingängigen Melodielinien das Süßliche. Saxophonistische Tiefenbohrungen, mitten hinein in die Essenz des Jazz, trafen auf das Füllhorn eines Keyboarders, der ganz selten ein wenig zu viel sprudelte.

So verwirbelt, dass bisweilen gar nichts mehr passen wollte, war der Gig der „Reto Weber Squeezeband“. Der legendäre Saxer Chico Freeman fand den richtigen Ton nur in den Ansagen, Nino G agierte als Beatbox-Clown, und der Gitarrist Christy Doran fand niemals wirklich in die Band des Schweizer Perkussionisten Weber.

Dieser ganze Squeeze war bereits nach einer Minute mit einem besonderen Trio vergessen. Jean-Luc Ponty, einst bei Frank Zappa und dem Mahavishnu Orchestra, zauberte an der Violine, swingte gemeinam mit Biréli Lagrène, einst Wunderkind des Sinti-Jazz und immer wieder als legitimer Nachfolger von Django Reinhardt benannt. An diesem Abend war er ganz im Trio versunken, übertrieb niemals das solistische Brillieren, setzte Effekte gekonnt. Die ideale Vorlage für den Kontrabassisten Kyle Eastwood, der hier nicht auf Namedropping setzen musste.

Der Sohn von Clint Eastwood, der auch an diversen Film-Soundtracks des Vaters beteiligt war, nutzte den geschaffenen Freiraum für diverse Alleingänge und war der Puls dieser fantastischen Drei. Und in diesem spielte sich Ponty immer mehr in den Vordergrund. Ein toller Mix aus Klassikern und eigenen Stücken – am Ende ein Begeisterungssturm für dieses kleine Kraftwerk. Den konnte sich auch das andere Trio des Abends abholen. Vokalzampano Andreas Schaerer und die beiden französischen Jazz-Überflieger Vincent Peirani am Akkordeon und Saxophonist Emile Parisien lebten den aktuellen Jazz feinsinnig und mit vollen Zügen.

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04.04.2018, 06:00 Uhr
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