UN-Klimakonferenz: Aufruf zur Abkehr von Kohle

Kosten durch Naturkatastrophen vervierfacht

Die UN-Klimakonferenz ist in ihre zweite Woche gestartet. Experten warnten, die Kohlenutzung habe fatale Folgen. Parallel begann ein Gipfel der Weltkohleorganisation - eine Provokation für Naturschützer.

19.11.2013

Von AFP/EPD

Warschau Mit einem Aufruf zur Abkehr vom Kohlestrom und drastischen Zahlen über die Kosten durch Naturkatastrophen ist die UN-Klimakonferenz in Warschau in ihre entscheidende Woche gegangen. Alternativen zum klimaschädlichen Kohlestrom seien verfügbar und bezahlbar, betonte ein Zusammenschluss internationaler Klima- und Energieforscher. Die Abwendung eines "gefährlichen Klimawandels" könne nur erreicht werden, wenn das Gros fossiler Brennstoffreserven "unter der Erde" bleibe. Die derzeitige Kohlenutzung habe katastrophale Folgen wie Hitzewellen und einen Anstieg des Meeresspiegels.

UN-Klimasekretärin Christiana Figueres forderte derweil beim parallel zur Klimakonferenz ebenfalls in Warschau stattfindenden Gipfel der Weltkohleorganisation eine rasche und "dramatische" Veränderung der Kohleindustrie. Zwar habe die Gesellschaft lange von der Kohleverbrennung profitiert, die Kosten für Gesundheit und Umwelt seien jedoch "inakzeptabel hoch".

Auch die weltweiten Kosten durch Naturkatastrophen sind gestiegen. Nach Angaben der Weltbank haben sie sich binnen 30 Jahren auf 150 Milliarden Euro im Jahr vervierfacht. Durch Veränderungen des Klimas stiegen Schäden und Kosten durch extreme Wetterphänomene. Insgesamt hätten Naturkatastrophen in den vergangenen 30 Jahren rund 2,96 Billionen Euro Schaden verursacht. Zwei Drittel davon gingen auf das Konto von Sturmfluten, Überschwemmungen und Dürre. Mehr als 2,5 Millionen Menschen seien so getötet worden.

Der Bundesregierung warfen Experten bei der Klimakonferenz mangelnden Ehrgeiz beim Klimaschutz vor. Deutschland habe vergangenes Jahr eine "wenig konstruktive Rolle" in der Energiedebatte gespielt und seine Führungsrolle in der europäischen Klimaschutzpolitik verloren. Die Bundesregierung habe etwa nötige Reformen des europäischen Emissionshandels und strengere EU-Richtlinien für spritsparende Autos blockiert. Deutschland fiel im neuen Klimaschutz-Index der Organisationen Germanwatch und Climate Action Network Europe von Platz acht auf Platz 19.

Fortschritte verzeichneten die Experten beim bisherigen Sorgenkind China. Jüngste Daten zeigten einen langsameren Anstieg von Chinas Emissionen und eine Entkopplung des CO2-Ausstoßes vom Wirtschaftswachstum, erklärte ein Germanwatch-Experte. China habe stark in erneuerbare Energien investiert, zudem gebe es in China inzwischen viel Kritik an der Kohlenutzung.

Greenpeace-Aktivisten besetzten derweil das Dach des polnischen Wirtschaftsministeriums, um gegen die Nutzung von Kohlestrom zu protestieren. Vom Gebäudedach entrollten rund 40 Aktivisten ein Transparent mit der Frage: "Wer regiert Polen, die Kohleindustrie oder das Volk?" Konferenzgastgeber Polen bezieht seinen Strom zu 95 Prozent aus Kohlekraftwerken.

Noch bis Freitag ringen Vertreter von mehr als 190 Staaten bei der Klimakonferenz um Fortschritte auf dem Weg zu einem global verbindlichen Klima-Abkommen.

"Wer regiert Polen?" In Warschau protestieren Greenpeace-Aktivisten gegen die Macht der Kohleindustrie. Foto: dpa

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Erstellt:
19. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. November 2013, 12:00 Uhr

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